Gestern landeten über 800 US-Soldaten auf Feldflugplatz
Nordallianz: Bin Laden und Omar sind in Afghanistan

Der moslemische Extremist Osama bin Laden und Taliban-Anführer Mullah Mohammad Omar halten sich nach Angaben der Nordallianz weiter in Afghanistan auf. Der Nordallianz-Sprecher Mohammad Habeel sagte am Donnerstag, Bin Laden und Omar könnten sich nahe Dschalalabad im Osten oder Kandahar im Süden versteckt halten.

Reuters KABUL. Omar rief die Taliban-Kämpfer auf, die letzte Bastion der radikal-islamistischen Bewegung Kandahar bis zum Tod zu verteidigen. Nach US-Fernsehberichten liefen mehrere ranghohe Taliban-Vertreter, darunter der Geheimdienstchef, zur Allianz über. Diese erklärte sich unterdessen bereit, eine Untersuchung des Aufstands gefangener Taliban-Kämpfer zu unterstützen. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International (ai) hatte die Untersuchung nach Berichten über Massaker gefordert.

"Sie (Bin Laden und Omar) sind am Leben und in Afghanistan", sagte Habeel der Nachrichtenagentur Reuters. Sie könnten sich entweder im Safi Koh Gebirge bei Dschalalabad oder in der Region um Kandahar aufhalten. Die USA hatten die Region um Kandahar in den vergangenen Tagen mehrfach angegriffen. In der Nacht zu Montag hatte die US-Armee damit begonnen, in der Region um Kandahar Marine-Infanteristen zu stationieren. Mehr als 800 Soldaten trafen bis Mittwoch auf einem Feldflugplatz ein.

Die USA hatten am 7. Oktober mit Luftangriffen in Afghanistan auf Ziele der Taliban und bin Ladens El Kaida begonnen. Die USA machen Bin Laden und El Kaida für die Anschläge vom 11. September verantwortlich, bei denen rund 3900 Menschen getötet wurden.

USA wollen jetzt die Anfürher ergreifen

Nach US-Angaben sind die Anführer der Taliban und El Kaidas zunehmend von ihren Truppen isoliert. Die Kommunikation der Kommandeure mit ihren Soldaten funktioniere vielfach bereits nicht mehr, sagte der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, John Stufflebeem. Ziel des US-Einsatzes sei jetzt, die führenden Personen zu ergreifen. "Wenn wir die Führung der Taliban zerschlagen und die Führung der El Kaida brechen, dann gibt es weniger Motivation für die Truppen, sich weiter loyal zu verhalten und weiter zu kämpfen."

Omar rief im Rundfunk dazu auf, in Kandahar bis zum Tode zu kämpfen. Es sei nicht eine Frage der Stämme, sondern eine Frage des Islam. "Räumt keine Gebiete", sagte Omar. In der Führung der Taliban wurden jedoch nach Berichten des US-Fernsehens Auflösungserscheinungen deutlich. Zwei Minister und der Geheimdienstchef seien zur Nordallianz übergelaufen und befänden sich inzwischen in Pakistan, berichtete der Sender CBS. Der Sender zitierte einen Minister mit den Worten, er habe genug von dem "dummen und gefährlichen" Vorgehen Omars.

Allianz-Sprecher Habeel sagte, Amnesty International werde nicht daran gehindert, die Gefechte mit den in einer Festung bei Masar-i-Scharif gefangenen Taliban-Kämpfern zu untersuchen. Nach Angaben der Allianz wurden bei den dreitätigen Gefechten wahrscheinlich alle 600 gefangenen Kämpfer der Taliban und der El Kaida getötet. Aus den eigenen Reihen seien mehr als 40 Kämpfer gefallen. Der Aufstand war mit Hilfe von US-Luftangriffen niedergeschlagen worden. Habeel sagte, die Allianz habe die Gefangenen töten müssen, nachdem diese innerhalb der Festung zu den Waffen gegriffen habe. "Wir hatten nicht die Absicht, sie zu misshandeln. Sie wurden wegen ihrer eigenen Sturheit getötet", sagte Habeel.

Amnesty hatte die Untersuchung der Vorfälle gefordert, damit sich diese künftig nicht wiederholten. In der vergangenen Woche wurden nach Angaben eines Paschtunen-Kommandeurs 160 Taliban-Kämpfer standrechtlich erschossen, nach dem sie ihre Kapitulation verweigerten. Mehrere anwesende US-Soldaten hätten gegen die Exekutionen vergeblich protestiert.

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