Gestern war die MLP-Zentrale zum zweiten Mal von Staatsanwaltschaft und Polizei durchsucht worden
MLP-Aktie gerät erneut unter Druck

Ein erneuter Bericht des Anlegermagazins "Börse Online" über angeblich falsche Bilanzierung beim Heidelberger Finanzdienstleister MLP hat nach Ansicht von Händlern auch am Mittwoch die Aktie des Unternehmens unter Druck gesetzt.

Reuters MÜNCHEN/HEIDELBERG. Die Aktie verlor bis zum Mittag neun Prozent auf 7,60 Euro, nachdem sie bereits am Dienstag zweistellig eingebüßt hatte. Börsenhändler Udo Becker vom Münchener Bankhaus Merck, Finck & Co begründete den Kursverfall mit der Veröffentlichung des Magazins. Allein die Tatsache, dass Börse Online wieder über MLP berichtet habe, belaste den Kurs. "Viele wissen wohl gar nicht, was genau drin steht", sagte er.

In der am Mittwoch erschienenen Ausgabe hieß es, MLP habe nach Abzug umstrittener Ertragspositionen und anderer risikobehafteter Ergebnisbestandteile im vergangenen Jahr statt eines Gewinns von 150,8 Millionen Euro in Wahrheit einen Verlust von 10,2 Millionen Euro erwirtschaftet. Auch im Jahr 2000 habe der tatsächliche Gewinn mit 6,7 Millionen Euro weit unter dem berichteten Wert von 114,9 Millionen Euro gelegen. Zudem sei das Unternehmen in Liquiditätsschwierigkeiten, hieß es.

MLP wies die Darstellung zurück. "Mit dieser Berechnung ist Börse Online allein am Markt", sagte ein Sprecher. Die Rechnung sei merkwürdig. Von einem Liquiditätsengpass bei MLP könne keine Rede sein, fügte er hinzu.

Das Unternehmen sieht sich bereits seit Mai dem Vorwurf des Magazins ausgesetzt, seine Gewinne zu Lasten künftiger Erträge künstlich aufgebläht zu haben. "Börse Online" beruft sich unter anderem auf einen Prüfbericht. Dieser soll nach MLP-Angaben über den Anfang September entlassenen Vertriebsvorstand Dorian Simon nach außen lanciert worden sein. Seither steht die MLP-Aktie an der Börse gewaltig unter Druck. Angesichts der dadurch drastisch geschrumpften Marktkapitalisierung ist inzwischen auch die Mitgliedschaft von MLP im Deutschen Aktienindex (Dax) in Gefahr.

Neben den umstrittenen Rückversicherungsgeschäften und dem inzwischen eingestellten Verkauf künftiger Forderungen nimmt die Zeitschrift in dem Bericht nun die Ansprüche gegenüber ehemaligen Versicherungsvermittlern ins Visier, die Verluste geschrieben hätten oder Provisionsvorschüsse zurückzahlen müssten. Nach dem Vorsichtsprinzip hätte MLP diese Forderungen abschreiben müssen, im vergangenen Jahr allein um 23 Millionen Euro, urteilten die Autoren des Magazins.

Der MLP-Sprecher hielt dem entgegen, dass 2001 nur 430.000 Euro an Wertberichtigungen auf diese Positionen fällig geworden seien. Die Vorschüsse müssten an MLP binnen drei Jahren zurückgezahlt werden.

Am Dienstag war die Zentrale von MLP allerdings zum zweiten Mal von Staatsanwaltschaft und Polizei durchsucht worden. Dabei geht es um den Verdacht der Ermittlungsbehörden, MLP-Manager hätten die wirtschaftlichen Verhältnisse in der Bilanz falsch dargestellt. MLP rechnet selbst mit langwierigen Ermittlungen.

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