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Gestohlene Luxuswagen zum Schnäppchenpreis

Die Auswahl ist beeindruckend: Auf Europas größtem Gebrauchtwagenmarkt für gestohlene Luxusautos im albanischen Shijak werden Modelle von Mercedes Benz über Porsche und Ferrari bis hin zu Geländewagen der Oberklasse angeboten - alle garantiert unter der Hälfte des Neupreises.

afp SHIJAK. Möglich ist das, weil bei den meisten Wagen Versicherungsbetrug im Spiel ist. "Du kannst eine Bestellung aufgeben, sagen, was für ein Auto du haben willst, einschließlich des Baujahrs und der Summe, die du bereit bist zu zahlen", sagt ein bärtiger Händler mit einer imposanten Kette aus Massivgold um den Hals. "Zwei Wochen später wird das Fahrzeug geliefert", fügt er lächelnd hinzu.

Auf dem staubigen Gelände unweit der Hafenstadt Durres (Durazzo) sind zahlreiche Luxuskarossen ausgestellt. Es handelt sich um wirkliche Schnäppchen: das jüngste Mercedes-Modell kostet weniger als 20 000 ?, ein neuer Jeep 15 000 ?, und für BMWs sind zwischen 10 000 und 12 000 ?s zu berappen. Die Autopapiere sollten allerdings nicht allzu sorgfältig begutachtet werden. Denn etwa 80 % der Fahrzeuge werden von ihren früheren Besitzern als gestohlen gemeldet, in Wirklichkeit aber unter der Hand weiterverkauft, heißt es bei der Abteilung für organisiertes Verbrechen beim albanischen Innenministerium.

Bei einer Routineüberprüfung des Markts in Shijak stellte die Polizei fest, dass von 200 zum Verkauf angebotenen Autos 138 noch die Nummernschilder ihres Ursprungslandes hatten. Größtenteils war dies Italien. Ende September 2001 steckten 80 Luxusfahrzeuge beim Zoll in Tirana und Durres fest. Ermittlungen von Interpol ergaben, dass in 35 Fällen die ausländischen Besitzer selbst die Autos in Albanien verkauften und sie dann als gestohlen meldeten, um die Versicherungsprämien zu kassieren.

"Das Verfahren ist nicht sehr kompliziert, aber sehr lukrativ", erklärt Ermittlungsrichter Ardian Visha. Er verweist auf das Beispiel eines Mannes aus dem süditalienischen Pescara, der am 2. Februar mit seinem japanischen Geländewagen über den Hafen von Durres einreiste und Albanien einen Tag später im Flugzeug wieder verließ. Ermittlungen laufen auch gegen italienische Staatsbürger, die beim Versuch, in Italien zugelassene Mietautos zu verkaufen, im südalbanischen Librazhd festgenommen wurden. In der Hauptstadt Tirana wurde Anfang März ein Pole gefasst, der ein Dutzend Mal über die albanische Grenze fuhr, jedes Mal mit einem anderen Auto.

Doch zahlreiche Betrüger kommen ungeschoren davon, weil allzu viele schlecht bezahlte Polizisten und Beamte sich bestechen lassen. Der Autoschmuggel führt über die unterschiedlichsten Routen. Diese beginnen meist in Italien, Frankreich, Österreich oder Deutschland und führen über Griechenland, Mazedonien, Montenegro, Serbien oder Bulgarien. "In der Regel arbeiten die Händler auf Bestellung. Sobald die Fahrzeuge in Albanien sind, kümmern sich ihre Mittelsmänner um alles", sagen Interpol-Mitarbeiter in Tirana.

In Shijak ist mittlerweile eine regelrechte Zulieferungsindustrie entstanden: Papiere und Nummernschilder werden gefälscht, Fahrzeuggestell- und Motornummern werden geändert und ab und zu werden die Autos auch umgespritzt. Kunden sind offenbar nicht nur Privatleute. Händler Ajet Ruço berichtet: "Auch staatliche Einrichtungen, ausländische Diplomaten und sogar Minister kaufen ihre Autos bei uns."

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