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Gestorbener Forschungspionier Francis Crick weltweit gewürdigt

San Diego (dpa) - Nach dem Tod des britischen Nobelpreisträgers Francis Crick haben Wissenschaftler weltweit den Pionier der Genforschung gewürdigt. «Mit ihm hat die Welt einen Vordenker verloren», sagte der Vizepräsident der Max-Planck Gesellschaft, Prof. Herbert Jäckle am Freitag in Göttingen.

San Diego (dpa) - Nach dem Tod des britischen Nobelpreisträgers Francis Crick haben Wissenschaftler weltweit den Pionier der Genforschung gewürdigt. «Mit ihm hat die Welt einen Vordenker verloren», sagte der Vizepräsident der Max-Planck Gesellschaft, Prof. Herbert Jäckle am Freitag in Göttingen.

«Er war ein Mensch, der jeden und alles hinterfragte und damit das Denken in neue Wege geleitet hat.» Crick hatte zusammen mit James Watson 1953 die Struktur des Erbmaterials DNA entdeckt. Er war am Mittwoch (Ortszeit) im Alter von 88 Jahren im kalifornischen San Diego an Darmkrebs gestorben.

Crick «war in jeder Beziehung überlebensgroß», sagt der Neurobiologe und Nobelpreisträger Gerald Edelman vom Scripps Forschungsinstitut in La Jolla. «Wo er sprach, nickte garantiert niemand ein».

Der Direktor des Berliner Max-Planck-Instituts für Molekulare Genetik, Hans Lehrach, nannte ihn einen «Leuchtturm» der Medizin und Biologie. «Cricks Entdeckung der DNA-Struktur ist die Basis der modernen Molekularbiologie und Medizin.» Der britische Evolutionsbiologe Richard Dawkins, Autor des Klassikers «Das egoistische Gen», bezeichnete Crick als den «dominanten Helden des heroischen Zeitalters der Molekularbiologie».

«Mit seinem sprühenden Geist, seiner starken Persönlichkeit, seiner durchdringenden Stimme, dem intellektuellen Charme, der Weltoffenheit durch seine vielen Reisen und seinem ständigen Briefeschreiben koordinierte Crick auch die Ergebnisse anderer Forscher», schrieb der Historiker Horace Freeland Judson über Crick.

In seinen Memoiren hatte Crick sich selbst und seinen Kollegen Watson mit Goldsuchern verglichen: «Es ist richtig, dass uns etliche Fehler bei unserer Suche nach Gold unterliefen. Als Tatsache bleibt aber, dass wir auf Gold aus waren.» Die beiden hatten selbst keine chemischen Experimente gemacht, sondern das Wissen ihrer Zeit äußerst geschickt zusammengefügt. Am 25. April 1953 präsentierten sie ihr Ergebnis im britischen Fachblatt «Nature» unter anderem mit den Worten: «Diese Struktur hat neue Eigenschaften, die von beträchtlichem biologischen Interesse sind.»

Watson hatte bereits am Donnerstag die «unglaublich fokussierte Intelligenz» von Crick hervorgehoben. Er habe sich oft wie ein jüngerer Bruder von Crick gefühlt, ließ Watson alle Welt in einer Trauerbotschaft wissen. «Francis war bis zu seinem Tod der Mensch, mit dem ich am unbefangensten über meine Ideen sprechen konnte. Ich werde ihn schmerzlich vermissen.»

Richard Murphy, Präsident des Salk-Institutes in Kalifornien, an dem Crick zuletzt gearbeitet hatte, nannte ihn einen der «brillantesten und einflussreichsten» Forscher. «Wir vermissen ihn als Gentleman, als Vorbild und als Person, die enorm viel zum Verständnis der Biologie und der Gesundheit der Menschheit beigetragen hat.» Crick hatte sich in Kalifornien der Erforschung der Gehirnfunktionen zugewandt. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis die «Molekularpsychologie» alle Hirnprozesse logisch erklären könne, sagte Crick einmal.

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