Gesundes Selbstbewusstsein
Bereit zur Attacke

Jan Ullrich zeigt sich vor den ersten Bergetappen der Tour entschlossen. Selbst die Tatsache, wieder einmal den Zeitvorsprung von Topfavorit Lance Armstrong aufarbeiten zu müssen, lässt ihn in keinster Weise unsicher erscheinen. Dies ist auch der Verdienst von seinem intakten Umfeld.
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LIMOGES. Etwa zwanzig Minuten lang ertrug Jan Ullrich, von gut drei Dutzend Reportern in eine Ecke der Bar des Hotels Richelieu in Limoges gedrängt, geduldig deren Fragen. Dann wischte er sich mit einem Handtuch den Schweiß von der Stirn und entschuldigte sich mit den Worten: "Leute, ich habe Hunger." Seine Neigung, bisweilen Stress durch Essen zu kompensieren, hatte er bereits in seiner Autobiografie "Ganz oder gar nicht" zugegeben. Gestresst war Jan Ullrich nach einem leichten Vormittagstraining am Montag, dem ersten Ruhetag der Tour, aber lediglich vom Gedränge in dem für eine Pressekonferenz viel zu kleinen Gastraum seines Hotels. Ansonsten machte Ullrich, frisch rasiert und mit gestutzten Haaren, einen selbstbewussten und aufgeräumten Eindruck.

Acht Etappen sind vorbei. Und geht es nach seinem Betreuer Rudy Pevenage, dann steht Ullrichs Angriff auf Lance Armstrong kurz bevor. "55 Sekunden, das ist auf eine Art viel, aber auch nichts. Ich hoffe, dass wir in den Bergen nach Minuten rechnen", sagte der Belgier. Ullrich gab sich ähnlich angriffslustig. Den immer gleichen Fragen der Reporter nach dem Rückstand auf Armstrong und nach seinem Konzept für einen eventuellen Konter stellte er sich mit entschlossener Miene. Sicher, sagte Ullrich, lieber hätte er 55 Sekunden Vorsprung. "Andererseits nützt es auch nichts, wenn ich mir die Decke über den Kopf ziehe und heule."

Ullrich schaut nach vorne - nach einer stressigen Woche mit Wolkenbrüchen, Massenstürzen und schmierigen Landstraßen in Richtung der südfranzösischen Berge. Am Mittwoch führt die Tour ins Zentralmassiv, am Freitag in die Pyrenäen und dort wird erwartet, dass sich das Klassement endlich entzerrt. Und natürlich, sagte Ullrich, werde er dort angreifen: "Ich bleibe da bestimmt nicht im Sattel sitzen und pfeife La Paloma, wenn ich über die Passhöhe fahre." Einen Zeitpunkt, eine bestimmte Passstraße für eine Offensive festzulegen, wie dies etwa Lance Armstrong tut, hält Ullrich jedoch für unsinnig: "Ich muss das davon abhängig machen, wie an jedem Tag die Form ist. So etwas muss sich aus der Rennsituation heraus ergeben. Es wird viele Angriffe geben und ich werde auf jeden Fall reagieren. Und wenn es gut geht, dann setze ich noch eins drauf."

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