Gesundes Wachstum
Welche Innovationen den Derivatemarkt wirklich voranbringen

Das Derivate-Universum scheint auch noch 15 Jahre nach seinem Urknall in Deutschland unaufhörlich zu wachsen: Anleger können hierzulande aus über 45 000 Produkten wählen. Und an Spitzentagen kommen über 1 000 neue dazu. Fast noch vielfältiger als die Menge dieser Produkte scheinen ihre Bezeichnungen zu sein. Wie aber gelingt es, die geradezu explosive Innovationskraft der Emittenten so zu bündeln, dass der Gesamtmarkt auch weiterhin ein gesundes Wachstum erfährt?

Ausgangspunkt für den Erfolg sind etablierte Basis-Konzepte, die den Markttrends gerecht werden und sich bei veränderten Investitionsbedingungen weiterentwickeln lassen. Ein gutes Beispiel für Basisprodukte sind Discount-Zertifikate. Studien verschiedener Emittenten haben gezeigt, dass über 80 Prozent aller Discount-Zertifikate besser abschneiden als die vergleichbare Aktie. Einsteigen in Aktien zu vergünstigten Konditionen: Die Mechanik von klassischen Discount-Zertifikaten ist leicht verständlich - und fordert zur Verfeinerung geradezu heraus.

Für Zeiten schwacher Märkte reicht ein tiefer Höchstbetrag bei klassischen Discount-Zertifikaten häufig nicht aus. Abhilfe hat die Unterfütterung der Produkte mit einer Protect-Funktion geschaffen. Ein Sicherheitslevel noch unter dem Discountpreis schützt die Rückzahlung des Zertifikats zum Höchstbetrag, solange dieses Protect-Level innerhalb der Laufzeit nicht berührt oder unterschritten wurde.

Die Produktentwickler bei Derivatehäusern sind sehr sensibel für die Bedürfnisse ihrer Anleger. So konnten sie auf eine psychologische Hemmschwelle für Investoren reagieren und die Deckelung von Gewinnen als zentrales Manko klassischer Discount-Zertifikate durch einen Produktfortschritt zu beseitigen.

Mit der jüngsten Innovation so genannter Upside-Discount-Zertifikate können Anleger trotz der Discount-Komponente bei Kurs-gewinnen nach oben unbegrenzt dabei sein. Der bislang entscheidende Höchstbetrag eines Zertifikats wird damit lediglich zu einem Zwischenstopp. Jeder Euro Kurssteigerung des Basiswerts darüber hinaus bedeutet zum Beispiel bei einem Zertifikat auf Nokia, Daimler-Chrysler und BMW 50 Cent Wertsteigerung. Gegen einen möglichen Kursrückgang wurde zusätzlich unterhalb des Discount-Preises die bereits etablierte Protect-Funktion eingerichtet.

Selbst bei dem riesigen Wachstumspotenzial des Derivatemarktes müssen für erfolgreiche Produktinnovationen bestimmte Faktoren zusammenspielen. Die Anleger müssen die Basisfunktion einer Produktkategorie verinnerlicht haben, um den Mehrwert von Weiterentwicklungen schätzen zu können. Werden Produktvorteile dabei maximal ausgereizt, finden sogar komplexe Produkte ihre Abnehmer. Die Emittenten müssen schnell auf Anlegerbedürfnisse reagieren und Produkte entsprechend aktueller Markt- und Anlagetrends entwickeln. So ist gewährleistet, dass sie nicht am Markt vorbei produzieren. Gleichzeitig sichern sie auf natürliche Weise ihren Vorsprung gegenüber anderen Formen der Geldanlage. Nur dann leisten ausgeklügelte Produktinnovationen einen Beitrag zur Weiterentwicklung des Derivatemarktes und sind mehr als die Komplettierung der Produktpalette der Emittenten.

Der Autor ist Managing Director des Privatbankhauses Sal. Oppenheim in Frankfurt am Main und leitet die Equity Derivatives Group.

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