Gesundheitliche Schäden allerdings wissenschaftlich umstritten
50.000 Antennen werden für UMTS neuen Elektrosmog erzeugen

In den Träumen der Mobilfunkindustrie wird die UMTS-Technik zur Goldgrube, die Nutzer aber wird sie nach Befürchtung von Umweltschützern belasten: Heftiger Elektrosmog heißt die befürchtete Negativseite der neuen Handy-Generation.

afp MÜNCHEN. In den Träumen der Mobilfunkindustrie wird die UMTS-Technik zur Goldgrube, die Nutzer aber wird sie nach Befürchtung von Umweltschützern um den Schlaf bringen. Heftiger Elektrosmog heißt die befürchtete Negativseite der als wahre Alleskönner angekündigten neuen Handy-Generation. Gut 50.000 neue Antennen sollen laut Experten in Deutschland aufgebaut werden. Damit wird die schon vorhandene künstliche Strahlung in der Umwelt weiter erhöht. Ob dies auch automatisch zu einer gesundheitlichen Belastung führt, gilt allen Unkenrufen zum Trotz als fraglich: "Es gibt wissenschaftlich keine Belege, dass die Strahlen zu Krankheiten führen", sagt Jiri Silny, Leiter des Forschungszentrums für Elektromagnetische Umweltverträglichkeit an der Uni Aachen und unterstützt damit Aussagen von Wirtschaftsminister Werner Müller (parteilos).

Belastung durch Basisstationen und beim Telefonieren

Zwei mögliche Belastungen unterscheiden die Forscher: zum einen die Strahlung durch die Basisstationen wie Antennen und Sendetürme, zum anderen die Strahlung beim Telefonieren. Auch wenn Deutschland jetzt nach der herkömmlichen Handy-Technologie GSM für das UMTS-Netz mit neuen Antennen übersät wird, sieht Silny keine Gefahr. Um höchstens fünf Prozent werde die Strahlenbelastung durch die Basisstationen erhöht, schätzt der Forscher. Da die Stationen in einem sehr dichten Netz aufgebaut würden, kämen sie mit einer Intensität von etwa 20 Watt aus. Wer in der Nähe eines Fernsehturms lebe, werde wesentlich stärker belastet und auch dort gebe es keine Nachweise über Erkrankungen.

Sorge als "wahre Ursache" für Erkrankung

Doch Bernd Rainer Müller vom Bund für Umwelt und Naturschutz in Deutschland (BUND) sieht trotzdem Gefahren für die Bevölkerung. Es lägen zahlreiche Hinweise auf Menschen vor, die nach dem Aufbau von Sendeantennen schlechter schliefen oder über Kopfschmerzen klagten. Über tausend Familien, die in der Nähe von GSM-Antennen leben, leiden nach Angaben des BUND unter dem "Elektrosmog". Laut Müller könnten die neuen Sendestationen gerade bei labilen Menschen zu psychischen Erkrankungen führen. Auch Silny räumt ein, dass dies mögliche Folgen sein könnten. Er schiebt dies allerdings ausschließlich auf die Sorgen der Menschen: "Angst macht auch krank."

Firmen halten sich zu Details der Übertragungstechnik bedeckt

Auch durch die UMTS-Handys sieht Silny keine stärkere Belastung als bei der aktuellen Generation. Obwohl wesentlich größere Datenmengen transportiert werden können - so können Nutzer mit UMTS Videofilme in Echtzeit herunterladen - sei die Belastung mit unter zwei Watt bei einem Anruf genauso groß oder kleiner als bei den herkömmlichen GSM-Handys. Dafür sorge schon eine neue Übertragungstechnik. Allerdings bemängelt Silny, dass die Firmen sich zu den Details der Übertragungstechnik immer noch bedeckt halten. Auch seien weitere Studien zu möglichen Auswirkungen des Mobiltelefonierens notwendig.

BUND fordert Geld für Studien

Der BUND habe ebenfalls aus diesem Grund an die Regierung appelliert, Geld aus dem Erlös des Lizenzverkaufs für Studien zur Verfügung zu stellen. Für die Besitzer von Handys gilt laut Müller zwar, dass sie diese aus freien Stücken tragen. Doch für in der Nähe von Basisstationen lebende Menschen fordert er eine "Vorsorgezone von 100 Metern": Dort sollen in der Nähe von Wohnhäusern keine Antennen aufgebaut werden dürfen.

Mannesmann: Gesundheitsgefährdung ist auszuschließen

Christian Schwolow vom Lizenzinhaber Mannesmann Mobilfunk weist solche Forderungen zurück. Sein Unternehmen richte sich nach den bisher geltenden Obergrenzen für die Strahlenbelastung, sagt Scholow. So sei schon ein "hoher Vorsorgewert" gewährleistet. Außerdem gelte für UMTS genau wie für das GSM-Netz, dass eine Gesundheitsgefährdung auszuschließen sei. Er meint: "Diskussionen über irgendwelche Gefahren wird es wohl bei jeder neuen Technik geben.

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