Gesundheits-Sparte bekommt wachsende Bedeutung
Wrigley poliert Image als Zahnpfleger

Der US-Kaugummiproduzent baut sein Geschäft mit der Zahngesundheit weiter aus. Deshalb kooperiert der Konzern jetzt mit der Zahnpflegesparte von Procter & Gamble. Als Vertriebspartner wünscht sich Wrigley Schnellimbissketten und die Backshops der Kamps AG.

UNTERHACHING. Der Kaugummiproduzent William Wrigley Jr. Chicago, will sich noch stärker im Bereich der Zahngesundheit engagieren. "Schon jetzt liegt der Umsatzanteil unserer Produkte aus dem Dentalbereich in Europa bei etwa 50 %", berichtet Wrigley's Europa-Chef Stefan Pfander dem Handelsblatt. Unter der Ägide des 58jährigen, der seit 20 Jahren in leitenden Positionen für den US-Konzern tätig ist, erhielten Produkte mit einem gesundheitlichen Zusatznutzen wie Zahnpflegekaugummis einen immer stärkeren Anteil am Wrigley-Sortiment.

"Wir werden irgendwann auch über den Kaugummibereich hinaus aktiv werden", kündigt Pfander an. Einen wichtigen Schritt in diese Richtung habe das Unternehmen durch die kürzlich angekündigte Zusammenarbeit mit Procter & Gamble Co., Cincinnati, getan. Die Vereinbarung sieht vor, dass Wrigley die zukünftigen Forschungsergebnisse des Konsumgüterkonzerns aus dem dentalen Bereich nutzen kann. Außerdem darf der weltweit größte Kaugummiproduzent in diesem Zusammenhang die Markennamen den Zahnpasten Blend-a-med und Crest verwenden. Procter & Gamble fließen im Gegenzug Lizenzeinnahmen aus dem Geschäft zu.

"Die Kooperation befindet sich allerdings noch in einem ganz frühen Stadium", sagt Pfander. In die Entwicklung neuer Produkte sollen auch die Erfahrungen mit dem Erwerb der Pfefferminzbonbon-Marke Velemints durch die Wrigley-Tochter Amurol einfließen. Außerdem hat Wrigley bereits im vergangenen Jahr eine Geschäftseinheit für Gesundheitspflege-Produkte gegründet. Sie vermarktet in den USA das Mittel Surpass, ein Präparat gegen Sodbrennen auf Kaugummibasis. "Alle unsere künftigen Aktivitäten sollen sich jedoch in der unmittelbaren Nähe zu unserem Kerngeschäft entwickeln", erklärt Stefan Pfander. Denn Wrigley werde ein Süßwarenkonzern bleiben.

Unternehmen sucht neue Vertriebsmöglichkeiten

Bei der Einführung neuer Produkte kommen dem Unternehmen traditionelle Stärken in Marketing und Vertrieb zugute. Fast ein Viertel des Jahresumsatzes von 2,1 Mrd. $ im Jahr 2000 wendete das 110 Jahre alte Familienunternehmen, das von Bill Wrigley Jr. in der vierten Generation von Chicago aus geleitet wird, für Marketing auf. Inzwischen ist Wrigley?s in über 150 Ländern ein Synonym für Kaugummi.

Der Markenwettbewerb hat sich längst zu einem Vertriebswettlauf entwickelt. Darum ist das Unternehmen ständig auf der Suche nach neuen Verkaufskanälen. Europa-Chef Pfander, dessen Unternehmensbereich mit 908 Mill. $ mehr als die amerikanische Sektion zum Jahresumsatz des Konzerns beiträgt, schwört auf das Image der Marke. Wie kaum ein anderes Genussmittel hätten es die Kaugummis geschafft, Teil des Alltags vieler Menschen zu werden.

Italiener beispielsweise kaufen ihr Kaugummi am liebsten in der Bar, die Franzosen in den großen SB-Warenhäusern. Im deutschen Lebensmitteleinzelhandel verteidigt Wrigley seit Jahren den herausragenden Platz an der Kasse mit kontinuierlich hohen Handelsmargen. Daneben ist Wrigley?s auch in Tankstellen, Kiosken, Bäckereien, Videotheken und Fitness-Studios bevorzugt platziert. Für den Konzern ist der Poleposition an der Ladenkasse der entscheidende Vorteil. Denn 80 % aller Kaugummikäufer griffen ganz impulsiv zu den Kaustreifen.

Darum steht auf der Wunschliste von Stefan Pfander auch die Kooperation mit dem Düsseldorfer Bäckerei-Konzern Kamps AG. Mit einem Schlag kämen zu den mehr als 200 000 Wrigley-Verkaufsstellen in Deutschland noch einmal etwa 1 200 hinzu. Wrigley würde auch gerne mit Schnellimbissketten zusammenarbeiten. Allein McDonald?s betreibt in Deutschland rund 1 100 Fast-Food-Restaurants. Dort böte sich nach Pfanders Ansicht ein ideales Absatzgebiet für Zahnpflegekaugummis. Dort, wo die Wrigley-Produkte in direkter Griffnähe nach dem Essen präsentiert würden, verzeichne der Konzern schon große Erfolge. Das hätten die Erfahrungen in osteuropäischen Schnellrestaurants gezeigt.

An der New Yorker Börse fehlt der Wrigley-Aktie nach einem Kursanstieg von etwa 36 auf 50 $ innerhalb eines Jahres im Augenblick die Phantasie. Trotz solider Zuwächse von etwa 10 % beim Umsatz und 9 % beim Ertrag im ersten Halbjahr 2001 ist die Aktie für die Analysten von Lehman Brothers und der Bank of America lediglich ein "Market Performer".

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