Gesundheitsministerin verweist auf Praxis in Nachbarländern
Verbot von Internet-Apotheken soll auf den Prüfstand

ap FRANKFURT/MAIN. Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt will das strikte Verbot des Internethandels mit Medikamenten überdenken. Es gebe diese so genannten Internet-Apotheken, und in Nachbarstaaten wie etwa den Niederlanden sei der Versandhandel auch nicht verboten.

"Wir könne nicht eine Mauer um Deutschland machen", sagte die SPD-Politikerin am Samstag in n-tv. Vor diesem Hintergrund müsse gemeinsam mit den Apothekern überlegt werden, "wie man reagiert".

Dabei habe der Verbraucherschutz sehr hohe Priorität, betonte Schmidt. Den Menschen müsse gesagt werden: "Seid vorsichtig, was ihr euch bestellt." Außerdem müsse zur Geltung kommen, dass die Apotheken den gesetzlichen Auftrag hätten, jederzeit die notwendigen Medikamente für die Patienten bereit zu halten. Dieser Versorgungsauftrag der Apotheken werde auf jeden Fall den Handel mit Arzneimitteln im Internet begrenzen.

Die Apothekerverbände warnen dagegen massiv vor Medikamenten aus dem Internet. Im zunehmenden Versandhandel von Arzneien sehen sie eine unzulässige Konkurrenz und vor allem eine erhebliche Gefahr für die Gesundheit der Verbraucher. Oft würden gefälschte oder abgelaufene Medikamente ausgeliefert, erklärte kürzlich der baden-württembergische Apothekerverband. Außerdem dauere die Zustellung, falls sie überhaupt erfolge, mindestens zwei Tage. Das sei bei akuten Erkrankungen viel zu lang. Bei Bestellungen aus dem Internet könne der Kunde nie sicher sein, was er überhaupt erhalte.

Als Reaktion auf die Zunahme der Cyber-Apotheken plant die Bundesvereinigung der deutschen Apothekerverbände ab dem Sommer einen eigenen kostenlosen Internet-Auftritt, der unter anderem Informationen zu Medikamenten und in der Nähe des Patienten erreichbare Apotheken anbieten soll.

Auch Schmidts Vorgängerin Andrea Fischer hatte zuletzt den Handel mit Medikamenten im Internet nicht mehr prinzipiell ausgeschlossen und als Voraussetzung einen größtmöglichen Verbraucherschutz genannt. Generell für den Online-Verkauf von Arzneien ist auch die Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherverbände (AgV), die aber eine europaweite Qualitätsicherung fordert. Die AgV verweist vor allem auf die enormen Preisvorteile des Medikamentenhandels im Internet. Arzneien würden dort zum Teil bis zu 60 % billiger angeboten. Zurzeit sei der Markt für den Verbraucher aber noch nicht transparent genug.

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