Gesundheitsreform
DIW rät zu Pauschalprämien

Wirtschaftsforscher fordern eine breitere Einnahmebasis für die Krankenkassen.

dc DÜSSELDORF. Ein Schlagwort stiftet Verwirrung: Alle reden von "Kostenexplosion" - doch tatsächlich ist der Anstieg der Ausgaben bis dato nur ein kleiner Teil des Problems im Gesundheitssystem. Auslöser für den raschen Anstieg der Beitragssätze der Krankenkassen ist jedenfalls vor allem eine Erosion ihrer Einnahmebasis - der beitragspflichtigen Löhne und Gehälter.

Eine Untersuchung, die das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin gestern vorgelegt hat, unterstreicht es: Gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) sind die Ausgaben der Krankenkassen in den vergangenen drei Jahrzehnten kaum gestiegen - ihr Anteil pendelt um die Marke von 6 % des BIP. (Siehe Grafik) Der durchschnittliche Beitragssatz hat sich dennoch seit 1975 von 10,5 % um rund ein Drittel erhöht - in diesem Jahr wird das Niveau deutlich über 14 % liegen. Die Erklärung liefern ein rückläufiger Anteil der beitragspflichtigen Arbeitsentgelte am Gesamteinkommen sowie die sinkende Beschäftigung.

Auch wenn das Bemühen um Ausgabendämpfung und Effizienz damit nicht hinfällig werde, sieht das DIW die zentrale Aufgabe der Gesundheitspolitik in einer Verbreiterung der Beitragsbasis. Anders als von Gewerkschaftern oft gefordert, sieht es die Lösung aber nicht in einer Erfassung von Miet- und Zinseinkünften. Vielmehr plädiert das Institut für Pauschalprämien, deren Höhe vom Einkommen der einzelnen Kassenmitglieder abgekoppelt wäre. Statt die Krankenkasse "zu einem zweiten Finanzamt" zu machen, sei der Sozialausgleich über das Steuer-Transfersystem zu bewerkstelligen. Damit liegt das DIW auf einer Linie mit Überlegungen aus der Rürup-Reformkommission.

Dass die Krankenkassenausgaben - trotz manchen Kostenschubs bei Arzneimitteln - insgesamt noch nicht "explodiert" sind, ist freilich keine Garantie für die Zukunft. Die Fachleute sind sich einig, dass die Nachfrage nach Gesundheitsleistungen mit der Alterung der Gesellschaft tendenziell steigen wird - umstritten ist, wie stark.

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