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Geteilte Reaktion auf Machtwechsel beim BVB

Für die meisten ist es ein fauler Kompromiss, für nur wenige eine elegante Lösung. Auch nach der Entmachtung von Gerd Niebaum bleiben beim Krisenclub Borussia Dortmund viele Fragen offen.

dpa DORTMUND. Für die meisten ist es ein fauler Kompromiss, für nur wenige eine elegante Lösung. Auch nach der Entmachtung von Gerd Niebaum bleiben beim Krisenclub Borussia Dortmund viele Fragen offen.

Der Teilrückzug des umstrittenen Alleinherrschers, der lediglich den Stuhl des Vereinspräsidenten, aber nicht den des Geschäftsführers der hochdefizitären Kapitalgesellschaft räumte, sorgte nicht für die erhoffte Ruhe. Der nach zähem Ringen in den Vereinsgremien gefundenen Lösung kann die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) nur wenig abgewinnen. "Niebaum sollte ganz gehen", kritisierte DSW-Geschäftsführer Carsten Heise, "der Vertrauensverlust ist zu groß."

Auch am Tag nach der "Inthronisierung" von Niebaums Vorgänger und Nachfolger Reinhard Rauball bleibt der Verein in den Schlagzeilen. Nicht nur ein Bericht im Nachrichtenmagazin "Der Spiegel", wonach Niebaum beim Transfer von Karl-Heinz Riedle aus Rom nach Dortmund im Jahr 1993 "in die eigene Tasche" gewirtschaftet haben soll, sorgte für anhaltende Diskussionen. BVB-Manager Michael Meier bezeichnete diese Vorwürfe als "skandalös" und kündigte an, dass ein externer Wirtschaftsprüfer in dieser Angelegenheit zur Klärung eingesetzt werden soll.

Damit nicht genug: Veröffentlichungen über die Vorkommnisse bei der Lizenzvergabe lieferten weiteren Zündstoff: Laut "Spiegel" soll die Deutsche Fußball Liga (DFL) die von der Kgaa unlängst durchgeführte Kapitalerhöhung als Maßnahme zur Liquiditätssicherung mitgesteuert haben. Darüber hinaus berichtet die "Süddeutsche Zeitung" über eine angebliche Bankbürgschaft in Höhe von 52,9 Mill. Euro, die der BVB bei der DFL zur Sicherheit habe vorlegen müssen.

Wie dramatisch die Finanzlage beim BVB zwischenzeitlich war, brachte Florian Homm in der WDR-Sendung "Sport am Sonntag" auf den Punkt. "Dieser Verein wäre womöglich heute schon amateurligareif ohne unser finanzielles Engagement", sagte der im Zuge der Kapitalerhöhung zum Großaktionär der Kgaa aufgestiegene Unternehmer. Im gleichen Atemzug übte Homm massive Kritik an Niebaum und nährte damit Spekulationen, wonach Niebaums Tage auch als Geschäftsführer gezählt sein könnten: "Er hat viel verbrannte Erde in den letzten Jahren hinterlassen. Er hat selber zugegeben, gravierende Fehler gemacht zu haben." Mit der Rolle des zurückhaltenden Geldgebers will sich Homm offenbar nicht begnügen: "Wir werden sicherlich unseren Einfluss konstruktiv, aber auch sehr kritisch, was die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens anbetrifft, durchsetzen."

Ob solcher Aussagen droht der auch sportlich in unruhiges Fahrwasser geratenen Borussia weiteres Unheil. Denn die "Einflussnahme Dritter" ist laut DFL-Geschäftsführer Wilfried Straub ein Verstoß gegen die Liga-Statuten. In dem Moment, in dem ein Investor Bedingungen diktiere, "hätten wir ein Problem damit". Im Wissen um diesen Konfliktherd war der designierte BVB-Präsident Rauball schon wenige Minuten nach der Bekanntgabe der Niebaum-Entmachtung um Beschwichtigung bemüht: "Wir werden dafür sorgen, dass die Rechte des Vereins und der Mitglieder gewahrt bleiben."

Schon der erste Tag im neuen Amt machte deutlich, auf welch schwierige Aufgabe sich Rauball eingelassen hat. Wie schon in seinen Amtsperioden zwischen 1979 und 1982 sowie 1984 bis 1986 will der Jurist dem Verein zu einem Aufschwung verhelfen. Zumindest sind mit dem Rückzug von Niebaum die Chancen gestiegen, dass in das zuletzt zerstrittene Umfeld mehr Ruhe einkehrt. Viel wird davon abhängen, wie sich Rauball mit Homm arrangiert. "Ich will dazu beitragen, dass die Mitglieder und Fans ein Stück ihres Selbstwertgefühls zurückbekommen. Es muss wieder mehr über Sport und nicht über Finanzen, Schulden und Kapitalerhöhung gesprochen werden", kündigte der neue starke Mann der Borussia an.

Doch eine Sanierung bei gleichzeitigem Erhalt der sportlichen Ziele ist kaum machbar. Selbst die geplante Anleihe in Höhe von 100 Mill. Euro dürfte kaum verhindern können, dass sich der BVB am Ende der Saison von weiteren Stars trennen muss. Rauball gibt sich keinen Illusionen hin: "Wenn es die Sanierung erforderlich macht, müssen wir auch darüber nachdenken. Wir müssen Abschied nehmen von Transfers in der Größenordnung von Rosicky und Koller."

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