Getränke fünf bis sechs Cent teurer
Dosenpfand kostet Verbraucher Milliarden

Das geplante Pflichtpfand auf Einwegflaschen und Dosen wird Einweg-Getränke nach Einschätzung der Handelsvereinigung für Marktwirtschaft (HfM) um durchschnittlich fünf bis sechs Cent verteuern.

Reuters BERLIN. "Daraus ergibt sich ein Mehraufwand der Verbraucher in Höhe von einer Milliarde Euro jährlich", sagte der HfM-Vorsitzende Peter Zühlsdorff der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag. Dies seien grobe Schätzungen führender Handelsketten wie Aldi, Edeka, Spar, Tengelmann und Metro. Die Ketten sind in der HfM zusammengeschlossen und beraten derzeit in einer Arbeitsgruppe über das Dosenpfand.

Das Pfand soll nach derzeitiger Gesetzeslage zum 1. Januar 2003 eingeführt werden. Eine Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts steht jedoch noch aus. Handelsketten und Bundesregierung streiten sich seit Monaten um die Einführung des Pfands. Handelsketten befürchten Kosten in Milliardenhöhe und versuchen mit Klagen die Einführung zu stoppen.

Kosten sieht Zühlsdorff vor allem durch die Anschaffung der Rücknahmeautomaten auf die Supermärkte zukommen. Es sei damit zu rechnen, dass in jeder einzelnen Handelsfiliale mindestens ein Automat, wahrscheinlich aber zwei oder drei, aufgestellt werden müssten, sagte er. Die ursprüngliche Idee, Sammelstationen für einzelne Bezirke einzurichten, sei von den Handelsketten als unpraktikabel verworfen worden.

Die Schätzung des norwegischen Automatenherstellers Tomra Systems, das Marktpotenzial in Deutschland liege bei 30 000 bis 40 000 Automaten, sei noch zu niedrig. "Wir haben an die 60 000 Lebensmittelgeschäfte. 30 000 bis 40 000 Automaten werden da nicht reichen", sagte Zühlsdorff. Den Anschaffungspreis je Automat schätzt er auf 15 000 bis 20 000 Euro. Damit läge das zu erwartende Investitionsvolumen im Milliardenbereich. Tomra gilt als einer der Marktführer in der Sparte und erhofft sich auf dem deutschen Markt große Zugewinne.

Zühlsdorff wies zugleich Branchengerüchte zurück, Aldi plane im Alleingang ein Automatensystem, das nur Aldi-eigene Einwegverpackungen annehmen könne. Dazu, so die Gerüchte, wolle Aldi seine Dosen komplett aus dem Sortiment nehmen und nur noch eigene sechseckige Pet-Flaschen produzieren, die als einzige auf die Aldi-eigenen Automaten passten. Damit wären andere Handelsketten von dem Rücknahmesystem ausgeschlossen. "Aldi hat die Gerüchte ausdrücklich von sich gewiesen", sagte Zühlsdorff dazu. "Da ist zu 99,9 Prozent nichts dran."

Zühsldorff rechnet im Gegensatz zu Bundesumweltministerium (BMU) bei einer Einführung des Dosenpfands nicht mit weniger Einwegverpackungen. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Leute deshalb nun in ihrer Freizeit mit einer Glasflasche durch die Gegend laufen", sagte er. Die mittelständische Getränkebranche und das BMU erwarten dagegen einen Anstieg der Mehrwegquote. Die mittelständische Getränkebranche hatte zuletzt Milliardensummen in den Erhalt des Mehrwegsystems investiert.

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