Getränkekonzern Karlsberg will einen ausländischen Brauriesen an der Biersparte beteiligen
Heineken & Co finden Gefallen an Deutschland

Der Markt für Spezialbiere und Biermischgetränke boomt. Mix-Marktführer Karlsberg möchte mit einem starken Partner im Ausland expandieren. Auch in der Heimat bieten sich Chancen.

HOMBURG/SAAR. Ausländische Braukonzerne proben einen weiteren Schritt auf den deutschen Biermarkt: Die Brauriesen Heineken N.V., Scottish & Newcastle Plc. (S&N) , South African Breweries Plc. (SAB) und der US-Brauer Coors Brewing Co. - allesamt auf der weltweiten Top-Ten-Liste der Bierproduzenten - verhandeln derzeit mit der Karlsberg Brauerei KG Weber um einen bis zu 40-prozentigen Anteil an dem nationalen Biergeschäft des Homburger Getränkekonzerns. Dies bestätigte Konzernchef Richard Weber dem Handelsblatt. "Bis Ende August sollten die Verträge unterschrieben sein", zurrt der 58-jährige Konzernchef den Zeitplan fest. Die Biersparte setzte zuletzt 326 Mill. Euro um und hat einen Anteil von etwa 57 % an den Gesamterlösen der Karlsberg-Gruppe.

Zu diesem Zweck hat der in Homburg im Saarland ansässige achtgrößte deutsche Getränkehersteller die Konzernstrukturen verändert und seine Mineralwasser, Saft- und Erfrischungsgetränke-Aktivitäten (Merziger, Staatl. Fachinger, Teinacher) sowie das nationale Biergeschäft (Karlsberg Urpils, Mixery, Desperados) in zwei separate Holdings aufgeteilt. Im Rahmen einer Kapitalerhöhung sollen die nationalen Brauereien, die jetzt unter Karlsberg International Brand GmbH (K.I.B.) firmieren, einen starken internationalen Partner bekommen. Der hohe dreistellige Millionenbetrag, der in die Kasse sprudeln soll, wird dann zur Stärkung von Karlsbergs neuer Bier- und Trendgetränkesparte K.I.B. verwendet.

Geschäft auf Gegenseitigkeit

Karlsberg-Chef Weber hofft auf ein Geschäft auf Gegenseitigkeit. Dafür, dass sein Unternehmen dem potenziellen ausländischen Partner den Zugang zu seinem gut ausgebauten Vertriebsnetz verschafft, möchte Richard Weber seine erfolgreichen Biermischgetränke und Spezialbiere weltweit vermarkten.

In einem schrumpfenden nationalen Biermarkt, in dem der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch von zuletzt 123 (Vorjahr: 125,5) Litern weiter zu sinken droht, schreiben das von der Karlsberg-Gruppe eingeführte Cola-Bier-Mischgetränk Mixery und das Spezialbier Desperados Erfolgsgeschichten. In dem zwar kleinen, aber margenstarken Markt der Biermischgetränke ist das Familienunternehmen mit Mixery Marktführer. In deutschen Discotheken ist das mit Tequila aromatisierte Desperados Trendgetränk Nummer eins.

In ein bis zwei Jahren soll der Ausstoß der Trendgetränkesparte die 1-Million-Hektoliter-Marke überschritten haben, und damit rund ein Viertel des Gesamt-Bierausstoßes der Karlsberg-Gruppe ausmachen, die im Geschäftsjahr 2000/2001 einen Gesamtumsatz von rund 570 Mill. Euro erreichte. Bereits 2001 wuchs der Karlsberg-Gesamtabsatz durch das starke Engagement auf dem Mischgetränkemarkt gegen den Markttrend um 2,9 %. Hauptzielgruppe für die Getränke sind junge Menschen zwischen 18 und 25 Jahren, die für Trend-Drinks auch einmal etwas tiefer in die Tasche greifen.

Margenschwache Premiummarken

Konzernchef Weber sieht sich nach der Neuausrichtung seines Konzerns als "international orientierten Innovationsbrauer". Internationale Biermarken und Spezialbiere werden seiner Auffassung nach die Premiummarken, mit denen wegen des Preisverfalls schon lange kein richtiger Profit mehr zu machen ist, in Deutschland um Marktanteile bringen.

Weber erweckt den Eindruck, als fühle er sich wohl in der Rolle des Königssohnes Paris, der sich nun unter den schönsten (Bier-)Göttinnen die attraktivste aussuchen könne. Schon hat er die Auswahl enger gefasst. Besonders begehrenswert erscheint ihm Heineken, die auch die Beteiligung an der Weißbiermarke Paulaner in die Ehe bringen würde. S&N hingegen hält die europäischen Markenrechte an der Marke Foster?s, auf die Weber schon lange scharf ist. "Auch in Afrika könnten wir mit Mixery große Erfolge erzielen", spekuliert Richard Weber mit Hinweis auf SAB. Nur zu Coors fällt ihm kein passendes Schönheitsattribut ein.

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