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Gewalt dämpft Hoffnung im Irak

Neue Kämpfe in Nadschaf, ein blutiger Anschlag und Machtkämpfe beim Nationalkongress in Bagdad haben den von vielen erhofften politischen Neuanfang mit einem irakischen Übergangsparlament am Dienstag belastet.

dpa BAGDAD. Neue Kämpfe in Nadschaf, ein blutiger Anschlag und Machtkämpfe beim Nationalkongress in Bagdad haben den von vielen erhofften politischen Neuanfang mit einem irakischen Übergangsparlament am Dienstag belastet.

Bei einem Mörsergranatenanschlag wurden am dritten Sitzungstag des Nationalkongresses in Bagdads Innenstadt sieben Iraker getötet und 42 weitere Menschen verletzt. Das berichtete der arabische Nachrichtensender El Arabija unter Berufung auf das Innenministerium. Die Nationalkonferenz vertagte die Wahl von 81 Mitgliedern des Übergangsparlaments.

Acht Delegierte des Kongresses flogen am Nachmittag von Bagdad zu einem US-Militärstützpunkt in der Pilgerstadt Nadschaf, um mit der Bewegung von Schiitenprediger Muktada el Sadr über einen Abzug seiner Milizionäre von den heiligen Stätten zu verhandeln. Unterdessen gingen die Kämpfe weiter. El Arabija berichtete, US-Kampfflugzeuge hätten am Abend den großen Friedhof bombardiert, in dem sich ein Teil der Kämpfer verschanzt hat.

Die Delegation aus Bagdad soll dem Vernehmen nach eine Auflösung der Miliz und ihre Umwandlung in eine politische Partei vorschlagen. Außerdem will sie von der "Mahdi-Armee" verlangen, die Imam-Ali-Moschee zu verlassen. Im Gegenzug sollen sie demnach Straffreiheit erhalten. Auf dem Gelände der Moschee halten sich mehrere hundert Kämpfer auf.

Auch der Vatikan bekräftigte sein Vermittlungsangebot. Ein Sprecher El Sadrs erklärte, der Schiitenprediger und seine Bewegung begrüßten die Initiative des Vatikans. In Rom hieß es, der Heilige Stuhl sei bereit zu helfen. Voraussetzung sei aber, dass "tatsächlich der Wille besteht, auch wirklich friedliche Wege zur Beilegung der Konflikte einzuschlagen".

Der Nationalkongress in Bagdad, der ursprünglich am Dienstag zu Ende gehen sollte, kommt auch am Mittwoch wieder zusammen. Angehörige kleinerer Parteien hatten beklagt, das Abstimmungsverfahren verschaffe den bereits in der Übergangsregierung von Ministerpräsident Ijad Allawi vertretenen Parteien Vorteile. Damit wäre jedoch die Hauptaufgabe des Parlaments - die Kontrolle der Arbeit von Regierung und Übergangspräsident Ghasi el Jawar - in Frage gestellt. 19 Angehörige des Anfang Juni aufgelösten Regierungsrats erhalten zudem automatisch einen Parlamentssitz.

Nach Informationen von El Arabija kam es am Dienstag auch in Basra erneut zu Angriffen von Sadr-Anhängern. Der Minister für die Verwaltung der Provinzen, Wael Abdullatif aus Basra, trat unterdessen Spekulationen entgegen, wonach drei südirakische Provinzen die Abspaltung von der Zentralregierung anstreben sollen.

Die Polizei in Kerbela befreite in der Nacht zum Dienstag nach eigenen Angaben einen jordanischen Geschäftsmann, der eine Woche zuvor entführt worden war. Wie die Organisation Reporter ohne Grenzen mitteilte, richtete die Verlobte des Ende vergangener Woche im südirakischen Nasirija zusammen mit seinem irakischen Übersetzer entführten US-Journalisten Micah Garen (36) einen Appell an die Geiselnehmer. Von Garen gebe es seit dem 13. August kein Lebenszeichen.

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