Gewalt geht nach Todesfall weiter
G8-Demonstrant von Sicherheitskräften erschossen

Bei Krawallen von Globalisierungsgegnern anlässlich des G8-Gipfels in Genua haben Sicherheitskräfte einen Demonstranten am Freitag mit Schüssen in den Kopf getötet. Die Polizei hat den Tod bestätigt.

Reuters GENUA. Ein Reuters-Fotograf hatte zuvor berichtet, Angehörige von Sondereinheiten der Polizei hätten zwei Schüsse auf den Demonstranten abgegeben und ihn am Kopf getroffen, nachdem der Mann einen Feuerlöscher gegen ein Polizeifahrzeug geschleudert habe. Als der Mann zu Boden gegangen sei, sei er von einem Polizei-Fahrzeug überrollt worden. Bundeskanzler Gerhard Schröder äußerte sich betroffen über den Tod des Demonstranten.

Die Nationalität des Toten war zunächst unklar. Eine Medizinerin des internationalen Aktionsbündnisses von Globalisierungsgegnern GSF sagte, der Mann sei an der Stirn und an der linken Wange getroffen worden. Das Gesicht des Mannes war vermummt. Das Polizeifahrzeug, aus dem die Schüsse abgefeuert wurden, war zuvor von einer Gruppe von Demonstranten mit Steinen angegriffen worden. Die Polizei gab zunächst keine Einzelheiten bekannt.

Bei den Zusammenstößen wurden nach Krankenhausangaben 45 Personen verletzt, darunter 23 Angehörige der Sicherheitskräfte und 22 Demonstranten. 38 Globalisierungsgegner seien festgenommen worden, teilte die Polizei mit. Tausende Demonstranten zogen randalierend durch Genua. Hunderte Maskierte attackierten die Sicherheitskräfte an verschiedenen Stellen der Stadt mit Leuchtraketen und Steinen. Sie zertrümmerten Fensterscheiben, stürzten Autos um und setzten Müllcontainer in Brand. Die Polizei setzte Tränengas und Wasserwerfer ein.

Ein Sprecher Schröders sagte: "Sollten sich die Meldungen (über den Tod eines Demonstranten) bestätigen, so wäre das ein tragischer Tod". "Auch Bundeskanzler Schröder ist erschüttert", fügte er hinzu. Noch kurz vor Bekanntwerden der Todesnachricht hatte Schröder sich für das Recht auf friedlichen Protest ausgesprochen, aber Unverständnis für gewalttätige Demonstrationen gezeigt. Es sei das Recht jedes Menschen, friedlich zu demonstrieren, sagte Schröder.

Der Gewaltanwendung müsse aber mit aller Deutlichkeit, auch mit aller Härte von Polizei, begegnet werden. Die friedlichen Demonstranten müssten sich in aller Deutlichkeit von den unfriedlichen Demonstranten distanzieren, sagte Schröder.

Viele Demonstranten hatten sich in der Nähe der Sperrzone versammelt, die um den Tagungsort im alten Herzogspalast der italienischen Hafenstadt errichtet worden war. Das Fernsehen zeigte in Live-Bildern wie Demonstranten gegen die sechs Meter hohen Absperrungen der Sperrzone schlugen, 300 Meter entfernt vom Tagungsgebäude. Die Polizei drängte sie mit Wasserwerfern zurück. Einer kleinen Gruppe von ihnen gelang es die Absperrungen zu überwinden. Sie wurden aber gleich von Polizisten festgenommen. Einige Demonstranten hatten angekündigt, die Sperrzone stürmen zu wollen. Sie wird von 20 000 Polizisten und Soldaten bewacht.

Am Vormittag hatten sich Tausende von Demonstranten generalstabsmäßig auf Auseinandersetzungen mit Polizei und Armee vorbereitet. Auf der Laufbahn des Carlini-Stadions, in dem die Demonstranten in Zelten untergebracht waren, rannten sie mit Motorradhelmen auf dem Kopf und einem Plastik-Prallschutz am Körper mit hoher Wucht gegen andere Demonstranten an, die sich mit körperhohen Fiberglas-Schilden schützten. Zudem wurden Räumtrupps für Tränengasgranaten und Sanitätstrupps für die Versorgung von Verletzten gebildet. Am Donnerstag war eine Kundgebung von etwa 50 000 Gegner der weltweiten Wirtschaftsverflechtung, der Globalisierung, friedlich verlaufen. Die Behörden haben den Demonstranten mehrere Gebiete am Rande der Sperrzone für ihre Proteste zugewiesen.

In Lugano besetzten rund ein Dutzend Globalisierungsgegner am Freitagvormittag für kurze Zeit das deutsche Konsulat. Die Besetzer seien nach gut einer Stunde von der Polizei festgenommen worden, sagte ein Sprecher der Tessiner Kantonspolizei. Bei den Festgenommenen handele es sich um Mitglieder einer Gruppe von deutschen Globalisierungsgegnern, denen am Montag die Einreise nach Italien verwehrt worden war.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%