Gewalt
Steinhagel in Neukölln

In der Rütli-Hauptschule im Berliner Arbeiterbezirk Neukölln herrscht der Ausnahmezustand. Die Lehrer haben einen Brandbrief an den Senat geschrieben: dass sich einige nur noch mit Handy ins Klassenzimmer trauen, um schnell Hilfe holen zu können.

BERLIN. Die Pause hat gerade begonnen, da fliegen die ersten Steine über den Zaun. "Was glaubt ihr, wer ihr seid? Verpisst euch!" brüllen die Halbwüchsigen den Journalisten auf der Straße nach, die im Steinhagel erschreckt auseinander laufen. "Die Araber sind nicht schuld", kreischt ein schmales Mädchen mit dicken, schwarzen Zöpfen. Und sie werfen noch mehr Steine, teilweise größer als Backsteine.

In der Rütli-Hauptschule im Berliner Arbeiterbezirk Neukölln herrscht der Ausnahmezustand. "Die wollen Schluss machen mit der Schule", brüllt ein dicker Junge mit schwarzer Basecap. "Die", das sind die Lehrer. Sie haben einen Brandbrief an den Senat geschrieben: dass sich einige nur noch mit Handy ins Klassenzimmer trauen, um schnell Hilfe holen zu können. Die Stimmung sei "geprägt von Aggressivität, Respektlosigkeit und Ignoranz, totale Ablehnung des Unterrichtsstoffes und menschenverachtendes Auftreten". Für die Siebt- bis Zehntklässler, die "weder von den Eltern noch von der Wirtschaft Perspektiven aufgezeigt bekommen, wird der Intensivtäter zum Vorbild". "Die Hauptschule ist am Ende der Sackgasse angekommen", schreiben die Rütli-Lehrer. Hier "werden Kriminelle und Terroristen großgezogen", fasst eine Ex-Lehrerin zusammen.

Deshalb bitten die 31 Lehrer perspektivisch um "die Auflösung der Schule - zu Gunsten einer neuen Schulform mit gänzlich neuer Zusammensetzung". Kurzfristig wollen sie wenigstens mehr Lehrer, weniger arabische Schüler und die "tägliche Präsenz" einer Kraft, die bei Krisen eingreift. Ein Kollegium erklärt seinen Bankrott gegenüber 226 Schülern.

Am Donnerstagmorgen ist die Schultür wie immer verschlossen, wer rein will, muss klingeln. Lehrer lassen sich nicht blicken. Am Tor stehen die Wachleute Sascha (26) und Jens (31), vom Arbeitsamt geschickt. Für 1,50 Euro je Stunde gehen sie "dazwischen, wenn sich welche prügeln, passen auf, wenn was kaputtgemacht wird". Extrem findet Jens das nicht: "Ich bin in Neukölln aufgewachsen, ich kenn? das nicht anders."

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