Gewaltherrscher müssen sich selten verantworten
Das süße Leben nach der Diktatur

Augusto Pinochet hat nach der Entscheidung des Berufungsgerichts in Santiago de Chile vorerst keine Strafe für die Gräueltaten unter seiner Diktatur zu fürchten. Der greise Ex-Gewaltherrscher wäre kein Einzelfall, bliebe er unbestraft. Die meisten diktatorischen Herrscher kamen bisher ungeschoren davon:

afp BERLIN.
JEAN-CLAUDE DUVALIER, besser bekannt als "Baby Doc" und Ex-Diktator von Haiti, lebt seit 1986 unbehelligt im französischen Exil, nachdem er die von seinem Vater "Papa Doc" aufgebaute Gewaltherrschaft mit Hilfe der Geheimpolizei Tonton Macoute noch 15 Jahre fortgesetzt hatte. "Papa Doc" Francois Duvalier hatte sich auf Kosten der Bevölkerung gnadenlos bereichert und dabei jeden politischen Widerstand mit "Säuberungsaktionen" und Massenhinrichtungen unterdrückt.

Auch FERDINAND MARCOS, Staatspräsident der Philippinen von 1965 bis 1986, fand nach seinem Sturz Zuflucht in einem anderen Land. Bis zu seinem Tod 1989 lebte er in Honolulu auf Hawaii, nachdem er die Philippinen 14 Jahre diktatorisch regiert hatte. Sein Regime war geprägt von Korruption, Verfolgung politischer Gegner und persönlicher Bereicherung.

Der Ex-Präsident von Uganda, IDI AMIN, lebt seit seinem Sturz 1979 im Exil in Saudi-Arabien und bezieht dort eine kleine Rente vom König. Seiner Willkürherrschaft (1964-1979) fielen bis zu 300&nbs; 000 Ugander zum Opfer.

ERICH HONECKER, zwischen 1976 und 1989 Staatsratsvorsitzender der damaligen DDR, wurde zwar unter Anklage gestellt, aber nicht verurteilt. Dem Verfahren wegen Todesschüssen an der innerdeutschen Grenze entzog er sich zunächst 1991 mit einer Flucht in die Sowjetunion. Nach deren Auflösung wurde er an die Bundesrepublik ausgeliefert, wo der Haftbefehl gegen ihn bald darauf wegen Verhandlungsunfähigkeit aufgehoben wurde. Noch am gleichen Tag reiste Honecker nach Chile aus, wo er 1994 an Krebs starb.

Auch der frühere indonesiche Präsident SUHARTO wird für 32 Jahre diktatorische Herrschaft voraussichtlich nicht zur Rechenschaft gezogen. Im vergangenen Herbst stellte ein Gericht in Jakarta den Korruptionsprozess gegen ihn ein - wegen Verhandlungsunfähigkeit. Suharto soll 1,3 Mrd. DM veruntreut und an seinen Familienclan verteilt haben. Bei "Säuberungen" nach einem Putsch 1965 wurden unter seiner Führung als General 500 000 Menschen ermordet.

Der Ex-Diktator der Republik Zentralafrika, JEAN-BEDEL BOKASSA, wurde zwar verurteilt, nach einigen Jahren aber amnestiert. 1996 starb er in Freiheit an einem Gehirnschlag. Er führte eine 14-jährige Schreckensherrschaft, während der Tausende ums Leben kamen. Nach seinem Sturz 1979 ging er ins Exil, kehrte aber 1986 wieder in sein Land zurück. Eine Todesstrafe wegen zahlreicher Morde wurde in lebenslange Einzelhaft umgewandelt und 1993 erlassen.

Das Ende Der Ceaucescus ist nicht typisch

Ein Schicksal wie das des rumänischen Ehepaars NICOLAE und ELENA CEAUSESCU ereilt Diktatoren selten: Der Staats- und Parteichef wurde nach einem Volksaufstand zusammen mit seiner Frau an Weihnachten 1989 von einem Militärgericht zum Tode verurteilt und hingerichtet. Zuvor hatte seine Sicherheitspolizei Securitate tausende Aufständische niedergemetzelt und die 300  000-Einwohner-Stadt Temesvar verwüstet.

Auch bei dem jugoslawischen Ex-Präsidenten SLOBODAN MILOSEVIC sah es lange so aus, als käme er trotz aller von ihm angezettelten Kriege weitgehend ungeschoren davon. Nach zehnjähriger autoritärer Herrschaft vertrieben ihn Massenproteste im vergangenen Oktober zwar aus dem Amt. Doch sollte ihm erst im eigenen Land und nur wegen Korruption der Prozess gemacht werden. Erst nach monatelangem internationalen Druck entschied sich Belgrad anders: Überraschend überstellte ihn die serbische Regierung am 28. Juni an das UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag, wo ihm nun der Prozess wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen im Kosovo-Krieg 1999 gemacht werden soll.

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