Gewaltsame Proteste an fast allen Ausstellungsorten
Chronik Wehrmachtsausstellung

Die Ausstellung "Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941-1944" führte zu Straßenkrawallen, wurde Ziel von Anschlägen und zog sich den Zorn des ganz rechten politischen Randes zu.

ap BERLIN. Die Ausstellung wies nach, dass die Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg für die systematische Ermordung von Zivilisten verantwortlich war. Nach Fälschungsvorwürfen wurde sie abgesetzt und überarbeitet, am Dienstag wurde die neue Fassung gezeigt. Hier eine Chronik:

5. März 1995: Die Ausstellung öffnet in Hamburg erstmals ihre Pforten.

10. Mai: Die Wehrmachtsausstellung wird in Berlin eröffnet. Danach zieht sie weiter nach Potsdam.

10. September: In seiner Eröffnungsrede im Stuttgarter DGB-Haus nimmt der SPD-Politiker Erhard Eppler die deutschen Ostfront-Soldaten des Zweiten Weltkrieges vor pauschaler Verurteilung als Verbrecher in Schutz.

9. Juni 1996: Am letzten Tag der Wehrmachtsausstellung in Erfurt nimmt die Polizei zwei Männer wegen eines Sprühanschlags fest. Sie hatten auf einer Länge von 25 Metern das Wort "Lüge" in gelber und schwarzer Farbe auf die Ausstellungstafeln gesprüht.

26. September: Das Amtsgericht Erfurt verurteilt den Neonazi Manfred Röder wegen Sachbeschädigung im Zusammenhang mit der Ausstellung zu einer Geldstrafe von 4 500 DM.

24. Februar 1997: Begleitet von Protesten eröffnet der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude die Wehrmachtsausstellung. Die CSU-Fraktion boykottiert die Eröffnungsveranstaltung fast geschlossen. Vor dem Rathaus demonstrieren Gegner der Ausstellung. Insgesamt 90 000 Menschen besuchen sie dennoch.

1. März: Proteste von rund 15 000 rechten und linken Demonstranten im Zusammenhang mit der Ausstellung verwandeln die Münchner Innenstadt in einen Hexenkessel.

13. März: Der Bundestag debattiert über die Wehrmachtsausstellung.

13. April: Der damalige Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Ignatz Bubis, eröffnet die Ausstellung in der Frankfurter Paulskirche. Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) bleibt der Veranstaltung fern, ihr Parteikollege Volker Rühe, seinerzeit Bundesverteidigungsminister, nahm eine Einladung nicht an. Insgesamt 95 518 Besucher sehen in Frankfurt die Dokumentation.

28. Mai: Ohne Zwischenfälle verläuft die Eröffnung der Ausstellung in Bremen. Rund 50 000 Menschen sehen sie sich in der Hansestadt an.

18. Januar 1998: Nur unter massivem Polizeischutz kann die Auftaktveranstaltung zur Eröffnung in Dresden stattfinden. Tage später kommt es zu einer Massenschlägerei in einem Zug zwischen Rechts- und Linksradikalen.

5. Juni: Nach einer Kundgebung von Rechtsextremisten gegen die Wehrmachtsausstellung in Kassel kommt es zu gewaltsamen Zusammenstößen mit linken Demonstranten.

24. Oktober: Während einer Demonstration der rechtsextremen NPD gegen die Ausstellung kommt es in Bonn zu Zusammenstößen mit der Polizei.

18. November: Zehn Tage nach Eröffnung der Schau im Rathaus von Hannover wird dort ein Gefäß mit Buttersäure abgestellt. Mit einem massivem Aufgebot verhindert die Polizei Ausschreitungen zwischen Teilnehmern von NPD-Kundgebungen und Gegendemonstranten.

1. Februar 1999: Sachschaden in Höhe von mehreren 100 000 DM entsteht bei den Krawallen während einer Demonstration der NPD-Jugend gegen die Wehrmachtsausstellung in Kiel. Dort besuchen binnen sechs Wochen mehr als 60 000 Menschen die Fotoschau, die zum ersten Mal in einem Gebäude eines Landesparlamentes gezeigt wird.

21. Februar: Der saarländische Ministerpräsident Reinhard Klimmt eröffnet die Wehrmachtsausstellung in Saarbrücken.

9. März: Auf die Saarbrücker Volkshochschule, in der die Wanderausstellung untergebracht ist, wird ein Sprengstoffanschlag verübt.

1. Juni: Die Schau kehrt nach Hamburg zurück.

11. Juli: Die Hamburger Polizei verhindert Krawalle bei einer genehmigten Demonstration von Rechtsextremen gegen die Ausstellung.

20. Oktober: Der polnische Historiker Bogdan Musial schreibt im "Vierteljahresheft für Zeitgeschichte", dass zahlreiche der Fotografien nicht die Verbrechen deutscher Soldaten zeigten, sondern die des sowjetischen Staatssicherheitsdienstes. Die Ausstellungmacher weisen die Kritik zurück.

4. November: Nach einer Welle der Kritik wird die Ausstellung wegen inhaltlicher Fehler aus dem Verkehr gezogen.

6. November: Der umstrittene Ausstellungleiter Hannes Heer wird abgesetzt.

22. November: Eine Gruppe von Historikern beginnt mit der Prüfung der Ausstellung auf Herz und Nieren.

15. November 2000: Die Experten legen ihr Gutachtern vor: Danach wies die Schau zwar Fehler und Ungenauigkeiten auf, war in ihrer Kernaussage aber richtig und notwendig.

23. November Reemtsma erklärt, die Schau werde überarbeitet und dann wiedereröffnet.

27. November 2001: Die überarbeitete Ausstellung wird unter dem neuen Titel "Verbrechen der Wehrmacht. Dimensionen des Vernichtungskrieges" in den Berliner Kunst-Werken wiedereröffnet.

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