Gewaltwelle reisst auch am Sonntag nicht ab
Israelische Armee geht in die Offensive

Ungeachtet eines israelischen Ultimatums ist es am Sonntag zu neuer Gewalt zwischen Palästinensern und Israelis gekommen. Ein Palästinenser und ein Israeli starben, im Gaza-Streifen wurde ein mit Israelis besetzter Bus beschossen.

Reuters JERUSALEM. Die Armee kündigte daraufhin an, offensiv vorzugehen und setzte Kampfhubschrauber gegen Heckenschützen ein. Im Gaza-Streifen sprengte sie mehrere Gebäude. Ministerpräsident Ehud Barak bekräftigte, für Israel bedeute es den Verteidungungsfall, falls die Unruhen nicht bis Montagabend beendet seien. Der Libanon versetzte seine Streitkräfte am Sonntag in höchste Alarmbereitschaft, weil er nach Angaben aus Militärkrisen eine israelische Offensive fürchtete.

Angriffe auf das palästinensische Hauptquartier werden nicht ausgeschlossen

Barak sagte, wenn Palästinenser-Präsident Jassir Arafat die Gewalt nicht beende, werde er den Friedensprozesses als von Arafat beendet ansehen. Armee und Polizei würden dann alle verfügbaren Mittel einsetzen, um die Gewaltakte zu beenden. Auch der israelische Generalmajor Uzi Dajan warnte die Palästinenser am Sonntag vor weiterer Gewalt. Auch Angriffe auf das palästinensische Hauptquartier seien denkbar, sagte er im israelischen Rundfunk. Die Armee werde offensiv vorgehen. Bei Auseinandersetzungen mit israelischen Sicherheitskräften sind seit dem 28. September mehr als 80 Menschen umgekommen, zumeist Palästinenser.

Israelische Armee sprent mehrere Gebäude

Die israelische Armee sprengte an der Netsarim-Kreuzung im Gaza-Streifen mehrere Gebäude in die Luft, weil Palästinenser von dort aus israelische Truppen angegriffen hätten. Die Kreuzung war einer der Hauptschauplätze der Unruhen der vorangegangenen 11 Tage. Nach Beginn der Unruhen waren an dieser Stelle mehr als ein Dutzend Palästinenser in Kämpfen mit israelischen Sicherheitskräften umgekommen.

Ein Steinewerfer habe einen Israeli im Norden des Landes so schwer verletzt, dass dieser später gestorben sei, teilte die Polizei mit. Nach Angaben der Armee wurde ein Palästinenser im Westjordanland von einem jüdischen Siedler erschossen. Der israelische Rundfunk meldete, im Gaza-Streifen sei in der Nacht zum Sonntag ein israelischer Bus von Palästinensern beschossen worden, wobei neun Insassen zum Teil schwer verletzt worden seien. Ein Armeesprecher teilte mit, Barak habe die sofortige Schließung des internationalen palästinensischen Flughafens in Gaza angeordnet, weil der Bus von dort beschossen worden sei. Lediglich Arafats Maschine dürfe noch starten.

Allerdings gab es auch Anzeichen einer Entspannung. Am Sonntag schritten palästinensische Polizisten an der Kreuzung ein, um jugendliche Steinewerfer davon abzuhalten, israelische Soldaten zu attackieren. Ein palästinensischer Sicherheitsbeamter sagte, es gebe eine Übereinkunft, Gewalt zu verhindern. Die Palästinenser-Regierung teilte mit, sie habe sich mit Israel und den USA auf ein gemeinsames Lagezentrum geeinigt, um Sicherheitsprobleme im Gazastreifen zu lösen.

Zuvor feuerten israelische Kampfhubschrauber in Hebron im Westjordanland auf einen Hügel, von dem aus palästinensische Scharfschützen auf jüdische Viertel in der von Palästinensern umgebenen Stadt geschossen hatten, wie Augenzeugen berichteten.

Deutsche Unterhändler sollen helfen, drei verschleppte israelische Soldaten auszutauschen

Die radikal-islamische Hisbollah (Partei Gottes) verschleppte nach Ausschreitungen an der israelisch-libanesischen Grenze am Samstag drei israelische Soldaten. In der Hisbollah nahe stehenden Kreisen hieß es, die Gruppe habe deutsche Unterhändler eingeschaltet, um einen Austausch der Soldaten gegen 19 Libanesen und eine Reihe von islamischen Kämpfern der palästinensischen Hamas und der Dschihad zu erreichen. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes sagte in Berlin, die Bundesregierung sei an keiner Vermittlung beteiligt.

Israelische Kampfflugzeuge überflogen am Sonntag Beirut

An der Grenze ereigneten sich am Samstag die heftigsten Gefechte zwischen Armee und radikal-islamischer Hisbollah, seit sich Israel im Mai aus dem Südlibanon zurückgezogen hatte. Die israelische Armee flog am Samstag Luftangriffe auf Ziele im Libanon. Am Sonntag verstärkte dort Israel seine Truppenpräsenz und überflog mit Kampfflugzeugen libanesisches Gebiet einschließlich der Hauptstadt Beirut. Die libanesische Flugabwehr eröffnete das Feuer, traf aber nicht. Die libanesischen Streitkräfte wurden Militärkreisen zufolge in höchste Alarmbereitschaft versetzt, um auf eine israelische Offensive vorbereitet zu sein. Das frühere israelische Besatzungsgebiet im Süden Libanons wird allerdings von der vom Iran unterstützten Hisbollah kontrolliert und nicht von der libanesischen Armee.

Französischer Außenminister sieht Nahen Osten am Abgrund

Der UNO-Sicherheitsrat verurteilte in der Nacht zum Sonntag (MESZ) die Gewalt gegen die Palästinenser als exzessiv. Die USA enthielten sich der Stimme. Der französische Außenminister und EU-Ratspräsident Hubert Vedrine sagte im französischen Radiosender "Europe 1", der Nahe Osten stehe am Abgrund. Vertreter beider Seiten müssten dringend Gesten der Entspannung zeigen.

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