Gewerkschaft droht mit Streiks im Sommerschlussverkauf
Verdi lässt Hoffnung auf Tarifabschluss platzen

Die Hoffnung der Arbeitgeberverbände auf einen raschen Tarifabschluss im Einzelhandel hat sich nicht erfüllt. Sowohl in Bayern, als auch in Rheinland-Pfalz und Hamburg brach die Gewerkschaft Verdi die Gespräche gestern ab. Die Tarifparteien konnten sich weder über die Vertragslaufzeit noch über die Verdi-Forderung nach überproportionalen Lohnerhöhungen für gering qualifizierte Beschäftigte verständigen.

dc DÜSSELDORF. Verdi droht nun, den Druck auf die Arbeitgeber mit Streiks im Sommerschlussverkauf vom 29. Juli bis 10. August zu erhöhen. "Darauf bereiten wir uns vor, zumal der Schlussverkauf neben Warenhäusern auch für den Facheinzelhandel Bedeutung gewinnt", sagte Rüdiger Wolff, Tarifsekretär beim Verdi-Bundesvorstand. Die Arbeitgeber reagierten mit Unverständnis: "Wer nach dem flauen Frühjahr im Handel nun den Schlussverkauf bestreikt, streikt für die eigene Arbeitslosigkeit", sagte Heribert Jöris, Geschäftsführer beim Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE), dem Handelsblatt.

Die Hoffnungen auf einen Tarifabschluss mit bundesweitem Pilotcharakter waren gestiegen, nachdem in Bayern am Freitag kurzfristig einen weiteren Gesprächstermin für den gestrigen Dienstag angesetzt worden war. Die Arbeitgeber erhöhten ihr Lohnangebot auf zuletzt insgesamt 5,7 % für einen Zwei-Jahres-Zeitraum. Verdi lehnt einen Abschluss für mehr als zwölf Monate aber inzwischen wieder strikt ab.

Gewerkschaftssekretär Wolff wies Vermutungen zurück, Verdi strebe für 2003 eine Tarifrunde an, um auf neue Ladenschluss-Debatten nach der Bundestagswahl mit Streiks reagieren zu können: "Das geht ohnehin, denn wir können die Manteltarifverträge binnen Monatsfrist kündigen." Streiks sind nur zulässig, wenn es einen Tarifvertrag zu verhandeln gibt. In der Tat gelten die Manteltarifverträge der Branche derzeit aber nur übergangsweise - Verdi hält sich die Option von Verhandlungen etwa über Arbeitszeitfragen offen.

In Bayern pochte Verdi zudem auf eine besonders ausgeprägte Variante dessen, was sie als Sozialkomponente versteht: Statt der üblichen prozentualen Steigerung sollten alle Tariflöhne um den Einheitsbetrag von 130 Euro steigen. "So eine Nivellierung können wir nicht akzeptieren", sagte Anton Wirmer, Tarifexperte des Handelsverbandes BAG. Eine kleine Chance zur Einigung besteht noch, wenn morgen die Tarifparteien in Nordrhein-Westfalen und im Saarland miteinander reden.

Dagegen liegt in der Nachbarbranche Großhandel ein erstes Verhandlungsergebnis vor: Die Tarifparteien für die 120 000 Beschäftigten in Niedersachsen verständigten sich auf Lohnerhöhungen im Volumen von rund 3 %, wobei die Löhne am unteren Ende der Skala um mindestens 60 Euro steigen sollen. Doch hat die Einigung offenbar kaum das Zeug zum Pilotabschluss - schon gar nicht für den Einzelhandel: Die Erklärungsfrist der Tarifparteien läuft noch, und in Branchenkreisen wird bezweifelt, ob die Bundesgremien ihren Vertretern in Hannover grünes Licht zur Vertragsunterschrift geben.

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