Gewerkschaft fordert 6,5 % mehr Lohn und Gehalt
IG Metall geht vor Tarifrunde auf Konfliktkurs

Ungeachtet zahlreicher Appelle zu Gunsten einer moderaten Lohnforderung hat die IG Metall die Weichen für eine harte Tarifrunde gestellt. Nach Niedersachsen beschloss am Donnerstag auch der einflussreiche Bezirk Baden-Württemberg eine Lohnforderung von 6,5 % und gab damit den Takt für anderen Bezirke mit vor.

Reuters LEINFELDEN-ECHTERDINGEN. Damit steuert die größte Industriegewerkschaft auf eine Konfrontation mit den Arbeitgebern zu, die Einkommenserhöhungen in dieser Höhe strikt ablehnen. Auch aus der Politik und von Konjunkturforschern war angesichts der Konjunkturschwäche eine moderate Lohnrunde gefordert worden. Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt rief die Gewerkschaften erneut dazu auf, im Bündnis für Arbeit eine beschäftigungsorientierte Tarifpolitik zu vereinbaren.

Baden-Württembergs IG-Metall-Chef Berthold Huber begründete den Beschluss seiner Tarifkommission nach 6,5 % höheren Löhnen und Gehältern mit der guten Konjunktur der Metall- und Elektrobetriebe im Südwesten. Zugleich bekräftigte er wie vor ihm schon sein niedersächsischer Kollege Hartmut Meine die Streikbereitschaft seiner Gewerkschaft. "Alle sind der Meinung, dass es sich lohnt, dafür zu streiken", sagte Huber.

Meine sagte in Hannover: "Wir brauchen keinen Niedriglohn. Wir wollen keine Kombilöhne, sondern wir wollen einen ordentlichen Tarifvertrag." Die Gespräche mit den Arbeitgebern in Niedersachsen sollten am 14. Februar beginnen. "Wenn die Friedensplicht abgelaufen ist, hat die IG Metall vielfältige Möglichkeiten." Die Stärke der Gewerkschaft sei, dass sie in jedem Tarifgebiet eine Urabstimmung über einen Streik herbeiführen könne. "Insofern gehen wir selbstbewusst in die Tarifauseinandersetzungen", sagte Meine weiter.

Die IG Metall begründet ihre von den Bezirkschefs den regionalen Tarifkommissionen empfohlene Forderung mit einem Nachholbedarf, den die Beschäftigten nach einem als moderat empfundenen Tarifabschluss vor zwei Jahren hätten. Verknüpft wird die Tarifforderung zudem mit dem Verlangen nach einer gemeinsamen Entgeltstruktur für Arbeiter und Entgelte. Dafür ist die IG Metall bereit, sich einen Teil ihres Forderungsvolumens anrechnen zu lassen.

Die in Niedersachsen und Baden-Württemberg beschlossene Forderung liegt am oberen Rand der vom Gewerkschaftsvorstand den Bezirken im Dezember empfohlenen Spanne zwischen fünf und sieben Prozent. Als weiterer IG-Metall-Bezirk wollte am Donnerstag auch Bayern seine Forderungen beschließen. Danach folgen weitere Regionen, bevor der Vorstand am 28. Januar endgültig beschließen wird, mit welcher Forderung die IG Metall in die Gespräche mit den Arbeitgebern geht.

Am Donnerstag wollte auch die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) ihre Forderung für die Tarifrunde aufstellen. Es wurde erwartet, dass diese Forderung wegen der anhaltenden Krise der Bauwirtschaft deutlich niedriger ausfallen wird als in der Metall- und Elektroindustrie.

Arbeitgeberpräsident Hundt forderte die Gewerkschaften in Berlin zu moderaten und langfristigen Tarifabschlüssen auf. Sie sollten sich am Produktivitätswachstum von 1,8 % orientieren. Der BDA-Präsident sprach sich ferner für differenzierte Abschlüsse aus und wiederholte den Arbeitgebervorschlag für Nachbesserungsklauseln in den Tarifverträgen. Die Tarifparteien sollten jetzt ein besonderes Zeichen für eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung setzen. "Wir bieten Nachbesserungen an, wenn die wirtschaftliche Entwicklung besser verläuft, als beim Tarifabschluss angenommen", sagte der Präsident der Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände (BDA) weiter.

Im Bündnis für Arbeit solle wie bei der vorigen Tarifrunde wieder ein moderater Kurs vereinbart werden, schlug Hundt weiter vor. Lohnforderungen zwischen fünf bis sieben Prozent hätten nichts mit einer an Beschäftigungserfordernissen und Produktivität orientierten Tarifpolitik zu tun. "Die höchsten Lohnforderungen zu Zeiten des tiefsten wirtschaftlichen Abschwungs - das ist Öl ins Feuer der Rezession", sagte Hundt.

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