Gewerkschaft fordert gestaffelte Zuschläge
Verdi droht mit Streiks im Einzelhandel

Im Tarifstreit des Einzelhandels hat die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi mit groß angelegten Streiks gedroht, falls bis zum Stichtag für die längeren Ladenöffnungszeiten am 1. Juni keine Einigung mit den Arbeitgebern erzielt wird.

Reuters BERLIN. "Wenn die Arbeitgeber die Zeit nicht nutzen, werden sie Streiks bekommen", sagte Verdi-Vorstandsmitglied Franziska Wiethold am Dienstag in Berlin. Bislang hätten die Arbeitgeber in zahlreichen Verhandlungsrunden in den verschiedenen Bezirken kein verhandlungsfähiges Angebot vorgelegt und die Forderungen der Gewerkschaften rundweg abgelehnt. Wenn in den nächsten zehn Tagen keine Annäherung erreicht werde, sei die ab Juni geplante bundesweite Verlängerung der Ladenöffnungszeiten an Samstagen bis 20 Uhr gefährdet. Die Umsetzung müsse dann in den Betrieben jeweils zwischen Geschäftsleitung und Betriebsrat ausgehandelt werden.

Verdi fordert gestaffelte Zuschläge für die Samstagsarbeit zwischen 14 und 20 Uhr, die ab 18 auf rund 50 Prozent ansteigen sollten. Diese Zuschläge sollten ohne Ausnahme auch an den verkaufsoffenen Samstagen in der Adventszeit gelten, sagte Wiethold. Bislang wird den Beschäftigten im Einzelhandel von montags bis freitags für die Arbeitszeit nach 18.30 Uhr und für die Samstagsarbeit zwischen 14 und 16 Uhr ein Zuschlag von 20 Prozent gezahlt. Die Arbeitgeber wollen diesen Aufschlag werktags erst ab 19 Uhr und an Samstagen zwischen 16 und 18 Uhr zahlen, bis 20 Uhr sollten die Beschäftigten dann eine Zusatzvergütung von 25 Prozent erhalten.

Wiethold kündigte an, Verdi werde notfalls wie in vorigen Arbeitskämpfen mit regionalen Schwerpunkten zu groß angelegten Streiks aufrufen. Flächendeckende Arbeitsniederlegungen seien nicht geplant. "Wir müssen uns auf eine lange Phase einstellen und wollen unser Pulver nicht gleich verschießen", sagte sie.

Die Zustimmung in der Gewerkschaft und bei nicht organisierten Beschäftigten des Einzelhandels liege einer Umfrage zufolge zwischen 80 und 90 Prozent. Bereits am Dienstag habe die Gewerkschaft mit acht Streiks im bayerischen Kempten ein Warnsignal gesetzt. "Wenn die Arbeitgeber meinen, sie könnten mit dem Feuer spielen, dann gibt es Ärger - und zwar richtig."

Wiethold warf Bundesregierung und Arbeitgebern vor, mit den geplanten Belastungen für Arbeitnehmer, Rentner und Arbeitslose die schwache Binnennachfrage weiter zu bremsen. Auch von den längeren Öffnungszeiten an Samstagen sei kein Umsatzschub zu erwarten.

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