Gewerkschaft fordert Verlängerung der Transferzeiten
200 Fußballprofis warten auf neuen Job

Sie wurden von den Massen gefeiert, jetzt stehen sie auf der Straße: Die Liste der vertragslosen Fußballprofis aus der Bundesliga reicht von Weltmeister Thomas Häßler bis zu Bachirou Salou. Mit dem 1. Juli sind rund 200 bislang hoch bezahlte Kicker ohne Vertrag - ein Zustand, den die Spielergewerkschaft VDV für bedenklich hält.

HB/dpa DUISBURG. Sie will darauf mit Gegenmaßnahmen reagieren. So fordert VDV-Geschäftsführer Thomas Hüser eine Verlängerung der Transferperiode über den 31. August hinaus: "Das muss bis zum Ende einer Hinrunde möglich sein. Wir würden uns freuen, wenn?s klappt."

Detaillierte Zahlen über offiziell arbeitslose Fußballer liegen laut VDV nicht vor. Hüser erklärte gestern, es könne nur derjenige als arbeitslos gelten, der sich auch bei den Arbeitsämtern melde: "Bei etlichen gehe ich davon aus, dass sie das nicht machen." Bei einem Höchstsatz von bis zu 474 Euro Arbeitslosengeld pro Woche und einem in der Regel komfortablem Salär als fest angestellter Fußballer fällt der Gang zum Arbeitsamt - auch unter dem Aspekt eines hohen Bekanntheitsgrads - nicht leicht.

Hoffnung auf Hilfe von außen

Die VDV hat auf die Erfordernisse reagiert. Nach Hüsers Auskunft nahmen an Weiterbildungsmaßnahmen in der Vergangenheit rund 80 Fußballer teil, um für den Fall des vertragslosen Zustands besser gerüstet zu sein. "Einer wurde auch in einen bürgerlichen Job vermittelt", sagt Hüser. Dass Michael Preetz (Hertha BSC) in das Marketing des Berliner Klubs wechselt oder Krassimir Balakow (VfB Stuttgart) vom Spieler zum Assistenten von Trainer und Manager Felix Magath wird, ist eher eine Ausnahme.

Die Regel ist eher die Hoffnung auf einen neuen Arbeitgeber vor Ablauf der Wechselfrist am 31. August. Oder auch auf Hilfe von außen. Die Spielergewerkschaft bietet seit dem 17. Juni in der Duisburger Sportschule Wedau ein regelmäßiges Training für vereinslose Spieler an - anfangs mit eher geringer Resonanz: "Im Moment sind es ungefähr zehn", sagte Hüser, spekuliert aber in nächster Zeit mit unfreiwilligem Zuwachs. "Wir rechnen demnächst schon mit 20 bis 30, die unser Angebot annehmen wollen."

Fit halten sollen sich die Profis ohne Vertrag, damit sie diesen Zustand schnell ändern können. Doch es geht nicht nur um die Erhaltung der sportlichen Qualifikation. Es geht der Gewerkschaft auch darum, ein Berufsleben ohne den Ball am Fuß zu fördern. Eine Personalberatung und eine Fernschule flankieren die Maßnahme "für die nachfußballerische Karriereplanung".

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