Gewerkschaft ruft zu Demonstration gegen Gewalt auf
Rote Brigaden verübten Attentat in Bologna

Das tödliche Attentat auf einem ranghohen Berater der Mitte-Rechts-Regierung Italiens geht nach Angaben des Innenministeriums in Rom auf das Konto der Roten Brigaden. Eine der drei großen Gewerkschaften rief für Samstag zu einer Demonstration gegen Gewalt auf.

Reuters ROM. Innenminister Claudio Scajola teilte am Abend mit, erste Untersuchungen hätten ergeben, dass der Wissenschaftler Marco Biagi in Bologna mit derselben Waffe getötet worden sei wie der Berater Massimo D'Antona im Jahr 1999. Damit bestätige sich der Anruf der Gruppe "Rote Brigaden für den Aufbau der kämpfenden Kommunistischen Partei" als echt.

Ein Anrufer hatte sich zuvor bei einer Zeitung in Bologna im Namen der Roten Brigaden zu der Tat bekannt. Auch beim Anschlag auf D'Antona, ein Berater des Arbeitsministeriums der damaligen Mitte-Links-Regierung, hatten sich die Roten Brigaden zu der Tat bekannt. Bis dahin waren die italienischen Sicherheitskräfte davon ausgegangen, dass die Gruppe zerschlagen sei. Sie war in den 70er und 80er Jahren aktiv und ist für zahlreiche Anschläge auf Politiker verantwortlich.

Ministerpräsident Silvio Berlusconi, der die Erschießung Biagis einen Akt des politischen Terrorismus nannte, würdigte den Toten als "Mann des Dialogs". Er lade deshalb Gewerkschafts- und Unternehmervertreter zu neuen Verhandlungen ein. Biagi war einer der maßgeblichen Berater des Arbeitsministeriums, das zurzeit eine Reform des Arbeitsrechts vorbereitet. Die Pläne werden insbesondere von den Gewerkschaften kritisiert, da mit ihnen der Kündigungsschutz gelockert werden soll.

Der Wirtschaftswissenschaftler Biagi (52) wurde Polizeiangaben zufolge am Dienstagabend von zwei Männern vor seinem Haus in der norditalienischen Stadt Bologna erschossen. Biagi fuhr mit dem Fahrrad heim, als zwei Männer auf einem Motorrad auf ihn schossen. Vor seinem Haus legten am Abend entsetzte Italiener Blumensträuße nieder. In der Innenstadt versammelten sich Zehntausende Gewerkschafter zu einer Trauerkundgebung.

"Akt der Barberei"

Am nächsten Mittwoch wollen die drei größten italienischen Gewerkschaften über den Termin eines Generalstreiks befinden, der für April geplant ist. Zuvor hatten es Stimmen gegeben, den Generalstreik wegen des Attentats abzusagen. Die größte Gewerkschaft des Landes bezeichnete die Tat als "Akt der Barbarei". Die Demonstration am Samstag in Rom, die sich gegen das Reformgesetz wenden sollte, werde in eine Kundgebung gegen Gewalt umgewandelt.

"Der Terrorismus kehrt zurück, um wieder zu töten", titelte am Mittwoch die Tageszeitung "La Repubblica" und traf damit den Ton, der die Reaktionen im Land bestimmte. Auch EU-Kommissar Romani Prodi, der mit Biagi befreundet war und ihn von der Mitarbeit in zahlreichen Regierungen in Rom kannte, zog eine Parallele zu den politischen Morden der 70er und 80er Jahre in Italien. "Es ist unmöglich, die Verbindung nicht zu sehen", sagte Prodi in Brüssel. Biagi habe sich sein ganzes Leben lang für das Gespräch zwischen den unterschiedlichen Teilen der Gesellschaft eingesetzt: "Er vergaß niemals, dass Entwicklung und soziale Gerechtigkeit, Effizienz und Solidarität Hand in Hand gehen müssen", sagte Prodi.

Berlusconi sagte unter Hinweis auf die Taten der Roten Brigaden in den 70er Jahren: "Wieder einmal ist der Terrorismus aufgetaucht. Er stellt eine reale Gefahr dar, der mit aller notwendigen Gewalt begegnet werden muss."

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