Gewerkschaft schließt Dauerstreiks im Osten nicht aus
IG Metall will härter kämpfen als 2002

Unmittelbar vor dem Beginn der Streiks in der ostdeutschen Metall- und Elektroindustrie um die 35-Stunden-Woche hat der Arbeitgeberverband Gesamtmetall vor dem Verlust von 20 000 Arbeitsplätzen gewarnt. So viele Stellen seien in Gefahr, wenn die Gewerkschaft nicht von ihrer Forderung abrücke.

va BERLIN. Der Unterschied von 36 Minuten pro Arbeitstag sei für den Standort außerordentlich entscheidend, sagte Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser im Gespräch mit einer Sonntagszeitung. Die IG Metall hat für den heutigen Montag in der ostdeutschen Stahlindustrie sowie in der Metall- und Elektroindustrie Sachsens die erste Streikwelle zur Durchsetzung der 35-Stunden-Woche angekündigt.

Der Verhandlungsführer der IG Metall, Hasso Düvel, wies die Warnungen Kannegiessers als Panikmache zurück. Vielmehr ist die Gewerkschaft offenbar bereit, noch härter vorzugehen als in der bundesweiten Lohnrunde vor einem Jahr. Hatte die Gewerkschaft in der Tarifrunde 2002 Betriebe eher stundenweise bestreikt, so kündigt sie jetzt heftigere Mittel an: Düvel, der für die IG-Metall-Bezirke Berlin, Brandenburg und Sachsen zuständig ist, sagte, die Gewerkschaft wolle einzelne Unternehmen zum Auftakt bis zu vier Tage lang bestreiken. Auf längere Sicht schließe er auch Dauerstreiks für Unternehmen nicht aus. Man fange in sieben Stahlbetrieben an, ferner in acht Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie aus den Regionen Zwickau und Chemnitz, so dass insgesamt 16 000 Beschäftigte einbezogen seien. Düvel kündigte außerdem Streik-Urabstimmungen in Ost-Berlin sowie Brandenburg in der Zeit vom 5. bis zum 7. Juni an.

Am Freitag hatte sich die sächsische Metall- und Elektroindustrie nach der ostdeutschen Stahlindustrie zum Streik entschlossen. 79,9 % der aufgerufenen Gewerkschaftsmitglieder hätten sich zu einem Streik für die 35-Stunden Woche entschlossen, hieß es in einer Mitteilung. Im Vergleich zur Urabstimmung für den Stahlsektor (83 %) fiel diese Entscheidung, für die eine Mehrheit von 75 % erforderlich ist, allerdings vergleichsweise zaghaft aus.

Ostdeutsche Stahl- und Metallarbeiter sind heute 38 Stunden pro Woche beschäftigt und damit im Schnitt drei Stunden länger als ihre westdeutschen Kollegen. Die Gewerkschaft betrachtet diesen Unterschied als eine "gravierende Vorteilssituation" westdeutscher Arbeiter. Überdies erwartet sie bei einer Verkürzung der Arbeitszeit 15 000 zusätzliche Jobs im Osten.

In den Augen der Arbeitgeber ist die längere Arbeitszeit einer der wenigen Standortvorteile in der wirtschaftlich gebeutelten Region. In der ostdeutschen Stahlindustrie sind 8 000 Menschen beschäftigt, in der Metall- und Elektroindustrie 310 000.

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