Gewerkschaft steht hinter ihrem Vorsitzenden
Die IG-Metall hat Zwickel längst verziehen

Als nach der Mannesmann-Übernahme durch Vodafone bekannt wurde, dass Mannesmann-Chef Klaus Esser rund 60 Mill. DM Abfindung kassiert, übte Klaus Zwickel beißende Kritik. "Unanständig hoch und für keinen Arbeitnehmer mehr nachvollziehbar" sei diese Summe, ließ der Chef der IG Metall per Pressemitteilung am 18. Februar 2000 verkünden. Und um jeden Verdacht der Mitwisserschaft zu zerstreuen, versicherte Mannesmann-Aufseher Zwickel obendrein, der Aufsichtsratsausschuss für Vorstandsangelegenheiten habe sich nie mit dem Thema befasst.

huh BERLIN. Die Wahrheit freilich sieht anders aus. Die vier Mitglieder des Ausschusses, darunter Zwickel, hatten sich zwischen dem 4. Februar und dem 17. April 2000 mehrfach mit dem üppigen Geldsegen an ehemalige Mannesmann-Vorstände befasst. Dabei leistete Zwickel gegen die Abfindungen entgegen seiner öffentlichen Schelte keinerlei Widerstand. Er nahm sie lediglich "zur Kenntnis", was schließlich als "Enthaltung" gewertet wurde, damit der Beschluss wirksam werden konnte.

Das könnte Zwickel nun eine Anklage wegen des Verdachts der Untreue einbringen. Sein Anwalt Rainer Hamm geht davon aus, dass die Staatsanwaltschaft Düsseldorf im September Anklage erheben wird. Sie wirft Zwickel vor, er habe durch seine Art der Stimmenthaltung bewirkt, dass die "Anerkennungsprämie" für Esser und die Abfindungen für die anderen Vorstände Rechtskraft erlangten.

Es wäre das erste Mal, dass sich ein Vorsitzender der IG Metall vor Gericht verantworten muss, sollte die Strafkammer des Landgerichts Düsseldorf die Klage zulassen. Anlass für einen Rücktritt sieht Zwickel deshalb aber nicht. Seine Gewerkschaft steht offenbar hinter ihm. Der IG-Metall-Vorstand habe Zwickel "die Absolution" erteilt, nachdem dieser vergangenes Jahr in einem Interview öffentlich Fehler eingestanden habe, sagt Klaus Lang, Leiter der Abteilung 1. Vorsitzender. Sein Verhalten widerspreche vielleicht den moralischen Kategorien der IG Metall, strafrechtlich relevant sei es aber nicht.

Dieser Ansicht ist auch Zwickels Anwalt, der den Staatsanwälten mangelnde Objektivität vorwirft. Er will deshalb ihre Ablösung beantragen.

Quelle: Handelsblatt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%