Gewerkschaft Verdi will lange Arbeitszeiten wegen der Euro-Umstellung verhindern
Banken droht Ärger wegen Überstunden für den Euro

Damit am Jahresende die neuen Euromünzen und-scheine schnell unter das Volk kommen, wollen es Banken und Sparkassen einmal mit kundenfreundlichem Service versuchen. "Wenn nötig, dann ist die Bank auf dem Dorf eben auch Sonntags nach der Kirche geöffnet", versichert Gerd Benrath, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands des privaten Bankgewerbes. Benrath hofft, mit längeren Schalterzeiten die große Unbekannte der Euro-Umstellung in Griff zu bekommen - den kurzfristigen Bargeldbedarf. Bäcker, Kneipenwirte und Skifahrer sollen nicht aufgeschmissen sein, weil ihnen plötzlich das neue Eurogeld fehlt.

huh BERLIN. Doch die neue Kundenfreundlichkeit könnte am Widerstand der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi scheitern. Sie sorgt sich um den Stress der Euro-Umstellung für die Bankangestellten und will übermäßiger Mehrarbeit einen Riegel vorschieben. "Am Sonntag müssen die Filialen geschlossen bleiben", fordert Verdi-Vorstandsmitglied Hinrich Feddersen und pocht auf den Tarifvertrag. Dort ist für den besonderen Fall einer "Belastung des Kreditgewerbes mit öffentlichen Aufgaben" eine maximale Arbeitszeit von zehn Stunden täglich und 53 Stunden in der Woche erlaubt. Feddersen findet: "Das reicht".

Die Banken sind anderer Meinung. Schon zu Jahresbeginn hatten sie beim Gesetzgeber beantragt, die zulässige Arbeitszeit für die Euro-Umstellung auf bis zu 70 Stunden pro Woche und zwölf Stunden am Tag zu verlängern. Der zuständige Ausschuss für Arbeitsschutz und Sicherheitstechnik der Bundesländer hat zugestimmt. Geben auch die Landesregierungen ihren Segen, dann dürfen vom 17. Dezember bis 25. Januar und nochmals vom 25. bis 28. Februar im Dienste einer reibungslosen Euro-Umstellung extra lange Arbeitszeiten angeordnet werden. Auch an drei Sonntagen und einem Feiertag im Januar muss das Bankpersonal arbeiten, wenn es der Arbeitgeber verlangt. Bankenvertreter Benrath spricht von einem maximalen Rahmen, der nur für wenige Mitarbeiter in Frage komme.

"Die Länder müssen lange Arbeitszeiten ablehnen"

Die Gewerkschaft beruhigt das nicht. "Wir haben die Landesregierungen aufgefordert, den Antrag auf verlängerte Arbeitszeiten abzulehnen", sagt Verdi-Vorstand Feddersen. Bisher zwar offenbar weitgehend erfolglos, doch deshalb haben die Arbeitgeber noch lange nicht gewonnen. Denn sie brauchen neben der Zustimmung des Gesetzgebers auch eine Öffnungsklausel im Tarifvertrag, damit die rund 470 000 Angestellten der privaten Banken bei der Euro-Umstellung die geforderten Überstunden schieben können.

Diese Klausel will sich Verdi teuer bezahlen lassen. Bei der derzeit laufenden Bankentarifrunde spielt der Euro eine wichtige Rolle. Heute wird erneut verhandelt. Verdi-Verhandlungsführer Feddersen: "Wir fordern einen finanziellen Ausgleich für die extreme Belastung der Beschäftigten durch die Euro-Umstellung." Die bisherigen Überstundenzuschläge seien der Gewerkschaft zu wenig. Sie betragen zwischen 25 und 50 %, wer Sonntags arbeitet, bekommt 100 %.

Die Kreditinstitute erwarten denn auch, dass die Kosten der Euro-Umstellung beträchtlich sein werden. "Allein bei den Sparkassen eine Milliarde Euro" schätzt Christian Achilles, Sprecher des Sparkassen- und Giroverbands. Ein Großteil falle auf das Personalbudget. "Es ist auch für die Arbeitgeber von massivem Interesse, den Mitarbeitern nicht übermäßig viele Überstunden abzufordern", sekundiert Privatbankenvertreter Benrath.

Seine größte Sorge ist freilich, dass die privaten Banken gegenüber den öffentlichen Sparkassen ins Hintertreffen geraten könnten, wenn Verdi den Widerstand gegen die langen Öffnungszeiten beibehält. In der Tat haben es die Sparkassen leichter, weil für ihre 380 000 Mitarbeiter die BAT-Regeln des öffentlichen Dienstes gelten. Und die beziehen sich bei der maximalen Arbeitszeit allein auf den gesetzlichen Rahmen. "Wir müssen nicht mit den Gewerkschaften verhandeln", freut sich Achilles. "Wenn die Länder die Arbeitszeit auf bis zu 70 Wochenstunden ausweiten, dann gilt das automatisch für unsere Mitarbeiter".

Damit sei aber keinesfalls der Willkür Tür und Tor geöffnet, beeilt sich der Sparkassensprecher hinzuzufügen. Jedes Institut müsse seine Dienstpläne natürlich mit dem Personalrat besprechen. Und selbstverständlich würden die tariflichen Zuschläge für Überstunden und Sonntagsarbeit gezahlt. "Widerstand der Mitarbeiter gegen die Mehrarbeit bei der Euro-Umstellung", versichert Achilles, "ist mir nicht bekannt".

Die privaten Banken sind sauer auf Verdi. "Es wäre schon merkwürdig, wenn am Ende für uns und die Sparkassen unterschiedliche Arbeitszeitregeln bei der Euro-Umstellung gelten", ärgert sich Bankenlobbyist Benrath.

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