Gewerkschaft wirft Arbeitgebern Blockade bei den Verhandlungen über Weiterbildung vor
IG Metall weitet Warnstreiks in Baden-Württemberg aus

Die IG Metall will ihre Warnstreiks im Tarifkonflikt über den Anspruch auf Weiterbildung in der baden-württembergischen Metallindustrie ausweiten. Am Mittwoch seien landesweit die Beschäftigten in mehr als 120 Betrieben zu Protestaktionen aufgerufen, sagte IG Metall-Bezirksleiter Berthold Huber am Dienstag in Stuttgart.

ap STUTTGART. "Die Warnstreiks sind die Reaktion auf den bisherigen Verhandlungsverlauf." In den vergangenen drei Wochen hätten sich landesweit rund 150 000 Beschäftigte an kurzfristigen Arbeitsniederlegungen beteiligt.

Die vierte Tarifrunde war am Montagabend ergebnislos auf kommende Woche vertagt worden. Huber sagte, die Weigerung der Arbeitgeber, den Beschäftigten an den Bändern berufliche Entwicklungsmöglichkeiten einzuräumen, sei kurzsichtig und schade langfristig der Konkurrenzfähigkeit der Unternehmen und damit dem Standort Baden-Württemberg. Die IG Metall fordert unter anderem, dass Arbeitnehmer, die länger als sieben Jahre am Band gearbeitet haben, einen höherwertigen Arbeitsplatz erhalten sollen. Falls das Unternehmen dies nicht anbieten kann, wird eine Zulage von drei Prozent des Monatsentgelts verlangt. Huber sagte, die Arbeitgeber mauerten ausgerechnet bei den heute schon Benachteiligten, bei den Beschäftigten am Fließband und den Einsatzeingeschränkten.

Ferner strebt die Gewerkschaft eine Beteiligung der Mitarbeiter bei der Leistungsabsprache an. Das lehnen die Arbeitgeber strikt ab. Der Verhandlungsführer von Südwestmetall, Otmar Zwiebelhofer, hatte am Montagabend erklärt, die Arbeitgeber wollten das Thema Leistungsreklamation nicht in den Qualifizierungsgesprächen verhandeln. Dies sei ein zu komplexes Thema. Südwestmetall will diesen Punkt in den Entgeltrahmentarifvertrag aufnehmen. Darüber wird in Baden-Württemberg schon rund zehn Jahre verhandelt. "Mehr Mitsprache für den Betriebsrat ist ein Thema, was die Arbeitsorganisation verändern würde."

Einigkeit herrscht unter den Tarifparteien früheren Angaben zufolge, dass alle Beschäftigten einen Anspruch auf ein regelmäßiges Personalgespräch haben sollen, bei dem der Qualifizierungsbedarf zu verabreden sei. Kurzfristiger Bedarf an Weiterbildung solle auch von Vorgesetzten und Betriebsrat vorgeschlagen werden können. Baden-Württemberg ist der einzige Tarifbezirk in der westdeutschen Metall- und Elektroindustrie, in dem über Weiterbildung verhandelt wird. Die Gespräche über den Anspruch für die 820 000 Beschäftigten laufen seit Anfang April. Die fünfte Verhandlungsrunde findet am kommenden Montag in Böblingen bei Stuttgart statt. 

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