Gewerkschaften
Kommentar: IG Metall schwächt sich selbst

Mit ihrem Arbeitskampf zur Durchsetzung eines Tarifabschlusses mit einer Vier vor dem Komma treibt die IG Metall ein Spiel mit dem Feuer. Ein erpresster Abschluss in dieser Größenordnung würde die Lohn-Preis-Spirale in Gang setzen, die EZB zwingen, die Zinsen früher und stärker als erwartet zu erhöhen, die Lohnstückkosten steigern und die Wettbewerbskraft zweier Schlüsselbranchen schwächen. Er würde dem schwachen Aufschwung die Dynamik nehmen und die Wende auf dem Arbeitsmarkt hinausschieben.

Ein stabilitäts- und wettbewerbswidriger Abschluss käme einer Bankrotterklärung des Bündnisses für Arbeit gleich. Die IG-Metall-Hardliner erweisen nicht nur der Sozialpartnerschaft und dem Konsens- und Bündniskanzler Gerhard Schröder einen Bärendienst. Sie schießen sich auch selbst ins Knie. Denn den Streik und den sich abzeichnenden überhöhten Abschluss verstehen etliche Unternehmen als Aufforderung zum Verbandsaustritt. Unternehmen können die kurzen Kündigungsfristen in den Arbeitgeberverbänden nutzen. Für sie gilt bei einem Austritt zwar dann noch der alte Tarifvertrag, nicht aber der neue, deutlich teurere Lohn- und Gehaltsabschluss.

In Westdeutschland unterliegt bereits nur noch jeder zweite Betrieb der Tarifbindung, in Ostdeutschland nur noch jeder vierte. In der sächsischen Metall- und Elektroindustrie gilt für mehr als 81 Prozent der Firmen kein Tarifvertrag. Selbst wenn die IG Metall versucht, aus dem Verband ausgetretenen Firmen einen Anerkennungstarifvertrag aufzuzwingen, gelingt ihr dies zumeist nur mit Zugeständnissen.

Die IG Metall treibt immer mehr Betriebe aus dem Verbandstarif in die betriebliche Lohnfindung hinein. Betriebliche Bündnisse mit Abstrichen gegenüber dem Tarifvertrag werden zur Normalität. So beschleunigt die IG Metall die Systemveränderung und schwächt sich selbst. Klug ist dies nicht.

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