Gewerkschaften: Qualifizierungsmaßnahmen für alle Mitarbeiter
Das Internet fordert die Old Economy

Durch E-Commerce und E-Business wächst insbesondere in traditionellen Branchen der Anpassungsdruck. Unternehmen, Politik und Gewerkschaften stehen vor neuen Herausforderungen. Auf der Tagung "E-Commerce & E-Business" der TBS (Technologieberatungsstelle beim DGB Landesbezirk NRW e.V.) am 18. Januar im Congress Centrum Düsseldorf wurden Lösungsansätze von Politik, Gewerkschaften und Wirtschaftsakteuren diskutiert. Außerdem zeigte die Karstadt-QuelleAG den nicht immer geradlinigen Weg der Integration von E-Commerce in die Vertriebswege des Handelsunternehmens auf.

HB DÜSSELDORF. Für die Unternehmen der New Economy ist der Umgang mit dem Internet und seinen Technologien selbstverständlich, für die Betriebe und Mitarbeiter der Old Economy ist E-Commerce oft noch Neuland. Sie stehen vor neuen Herausforderungen, die sie nur meistern können, wenn sie entsprechend qualifiziert werden. Unternehmen, die sich den neuen Technologien verschließen, können mittelfristig gesehen nicht am Markt bestehen.

Radikaler Wandel in den Köpfen

Harald Schartau, Minister für Arbeit und Soziales, Qualifikation und Technologie des Landes Nordrhein-Westfalen, forderte einen radikalen Wandel der Unternehmenskultur: "Kein Betrieb wird es sich künftig leisten können, ohne eine maßgeschneiderte Strategie für E-Business und E-Commerce auszukommen", erklärte er auf der Veranstaltung. "Untersuchungen zeigen, dass allein in den letzten sechs Monaten in Deutschland die Anzahl der Nutzer im Bereich von E-Commerce und E-Business um 50 % gestiegen ist. Es ist deshalb fünf vor zwölf für alle Betriebe und Belegschaften, sich auf diesen Wandel einzustellen."

E-Commerce und E-Business seien keine Eintagsfliegen. Es sei falsch, aus den Aktienflops der letzten Wochen zu folgern, dass der Kelch des Internetzeitalters an den Unternehmen vorbeigehen und sich die Entwicklung überleben werde. "Das ist ein historischer Irrtum", sagte Schartau. Der Sprung ist Internet-Zeitalter müsse von völlig neuen Qualifizierungssystemen begleitet werden. "Auf traditionellen Weiterbildungspfaden erreichen wir in 100 Jahren jeden zweiten Beschäftigten, darauf können wir aber nicht warten.

Landesregierung stellt Mittel bereit

Wir brauchen neue Lernsysteme, bei denen die Trennung von Beruf und Weiterbildung aufgehoben werden muss." Noch in diesem Jahr würden vom Land NRW Modellprojekte initiiert, um besonders die KMU bei den Qualifizierungsmaßnahmen zu unterstützen. In den nächsten sechs Jahren würden außerdem 400 Mill. DM Landes- und EU-Mittel bereitgestellt, um Qualifizierung und betriebliche Modernisierung rund um das Thema "Internet" zu fördern.

Gewerkschaften sind alarmiert

Auch Walter Haas, Vorsitzender des DGB Landesbezirks NRW, betonte, dass in Zukunft nichts mehr ohne das Internet gehe, es aber nicht reichen werde, nur in die Technik zu investieren. Vielmehr hoffe er, dass die Unternehmen "auch in die Kompetenz der Beschäftigten investieren, um diese Technik optimal zu nutzen. E-Business steht für gewaltige Rationalisierungspotenziale, vorrangig in allen Dienstleistungsbranchen, aber auch tief in allen Ebenen der klassischen Produktionsbereiche. E-Business wird vor kaum einer Branche oder einem Unternehmen halt machen", so Haas.

Betriebsräte sind in alle Maßnahmen einzubeziehen

Die Unternehmen müssten E-Business und das Internet als Instrument der Aufgabenbewältigung und angemessenen Kundenbetreuung strategisch planen. Dafür seien rechtzeitige Qualifizierungsmaßnahmen der Mitarbeiter unerlässlich. Der Betriebsrat müsse bei allen Fragen der Reorganisation, Mitarbeiterqualifizierung und Personalentwicklung vollständig einbezogen werden.

Lebenslanges Lernen ist gefordert

"Mitarbeiter, die sich den Herausforderungen des Internets nicht stellen, sind nicht mehr wettbewerbsfähig. Die Qualifizierungsmaßnahmen gelten für alle Mitarbeiter, nicht nur für 25-Jährige. Wer glaubt, mit 40 brauche er sich nicht mehr mit den neuen Techniken auseinanderzusetzen, liegt völlig daneben", sagte auch Jutta Klebon von den IG Medien. Um die Umsetzung von geeigneten Qualifizierungsmaßnahmen zu gewährleisten, fordern die IG Medien daher unter anderem die Errichtung von Betriebsräten in allen Unternehmen und die Verabschiedung eines Weiterbildungsgesetzes, das für alle Beschäftigen zu gelten habe.

Probleme eines "First Movers"

Dass die Integration von E-Commerce in die Vertriebswege eines Unternehmens nicht völlig problemlos abläuft, schilderte Ferenc Szelényi, Geschäftsführer des IT-Bereichs der Karstadt-Quelle AG. "Es ist nicht immer von Vorteil, ein First Mover zu sein. Als wir 1996 mit unserem Online-Angebot starteten, waren erst wenige Nutzer im Netz. Davon waren die meisten Hacker, die sich mit der Coladose in der Hand die Nächte um die Ohren schlugen. Irgendwie war es eher unpassend, dieser Klientel Anzüge von Boss anzubieten. Das Sortiment war also nicht zielgruppengerecht ausgelegt", resümiert Szelényi.

Er berichtete auch, dass es für Karstadt-Quelle nicht so einfach sei, an qualifizierte Mitarbeiter zu kommen, da Studenten die Start-ups dem stationären Handel als Arbeitgeber oftmals vorzögen. Deshalb seien Qualifizierungsmaßnahmen gerade auch der Mitarbeiter im Hause ein wichtiges Thema. Bis zum Jahr 2004 werde die AG rund eine halbe Mrd. DM in das E-Business investieren, den Umsatz hat Szelényi für 2000 mit bisher lediglich 700 Mill. DM angegeben.

One-to-One-Business

Karstadt-Quelle werde stärker auf One-to-One-Business setzen und die direkte Kommunikation mit dem Kunden in den Vordergrund stellen. Customer Relations Management und Target Marketing seien dabei die Schlagworte: "Was hat der Kunde davon, wenn er gerade einen Kühlschrank bei uns über das Internet bestellt hat, und ein Mitarbeiter ihm einen Angebotsprospekt über preiswerte Kühlschränke sendet? Wir müssen unsere Kunden wesentlich besser kennenlernen, um unser Angebot auf seine Bedürfnisse zuschneiden zu können", erläutert Szelényi. Außerdem sei geplant, weitere Shopping-Portale zu errichten, z.B. für Runners Point und das Bekleidungshaus Sinn Leffers.

Zur Steigerung von Transparenz und Effizienz bei Bestellungen im Bereich B-to-B sei das Unternehmen mit dem Pilotversuch texyard.com gestartet, ein Portal für die Textilindustrie. Das Gründungszentrum der Karstadt-Quelle AG "KQ-Lab" unterstützt E-Business-Start-ups. "Die Zielgruppe sind Hochschulen. Wir wollen die Universitäten und deren Mitarbeiter motivieren, sich mit ihren Ideen im Internet selbstständig zu machen", so Szelényi.

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