Gewichtung
Neue Streubesitzformel ohne akute Auswirkung

Fondsmanager reagieren bereits seit einiger Zeit auf die für den Sommer bevorstehende Umstellung der Berechnung der Indizes der Deutschen Börse auf den so genannten Streubesitz.

Reuters FRANKFURT. "Wir stellen uns schon seit längerem auf die neue Gewichtung ein. Ich habe Deutsche Telekom und Münchener Rück schon seit einiger Zeit untergewichtet", sagte Carsten Hilck, Fondsmanager bei Union Investment, am Freitag. Am Donnerstag hatte die Börse eine "Szenario-Rechnung" für die Gewichtung der Aktien zum Beispiel im Deutschen Aktienindex (Dax) nach dem Streubesitz vorgelegt. Danach ist für Münchener Rück und die Deutsche Telekom mit einem Rückgang der Gewichtung zu rechnen.

Dies ist vor allem für Fonds wichtig, die einen Index nachbilden. Fällt die Gewichtung einer Aktie, könnten Vermögensverwalter sich veranlasst sehen, den Anteil dieser Papiere in ihrem Portfolio etwa durch Verkäufe zu senken. Bislang wurde für die Marktkapitalisierung eines Unternehmens, die für die Gewichtung einer Aktien im Index wichtig ist, auf Basis aller zum Handel zugelassenen Papiere berechnet. Ab Juni werden alle Indizes auf die neue Berechnungsmethode umgestellt. Die Börse will damit die Gewichtung eines Unternehmens stärker auf seine tatsächlich handelbaren Aktien abstellen.

Auf Basis der Daten der Deutschen Börse hat die Westdeutsche Landesbank errechnet, dass zum Beispiel die Gewichtung der Telekom auf 7,4 % von 9,5 % fällt, während Siemens von seinem größeren Streubesitz profitiert und demnächst ein Gewicht von mehr als elf Prozent nach zuvor 8,62 % aufweist.

Keine kurzfristigen Kursreaktionen

Kurzfristige Kursreaktionen hat die Vorstellung der Daten, die weitgehend mit denen aus dem November übereinstimmen, nach Händleraussagen am Freitag nicht bewirkt. "In den vier Wochen vor der Umstellung wird sich eher etwas tun", sagte Christian Stocker, Aktienstratege bei der HypoVereinsbank. Während Fonds die sich lediglich grob am Dax orientierten jetzt schon reagieren könnte, müssten solche, die den Dax ganz penibel nachbildeten, dann zügig reagieren. Händler gehen davon aus, dass das Thema dann im öffentlichen Bewusstsein auch an Bedeutung gewinnt und somit die Kurse stärker beeinflussen könnte.

Stocker rechnet auch damit, dass durch die Umstellung auf den Streubesitz die Chancen des Pharma-Unternehmens Altana wachsen werden, in den Dax aufzusteigen. Dafür könnte seiner Ansicht nach MAN aus dem Index herausfallen. Prinzipiell führt die Mitgliedschaft in einem Index dazu, dass eine Aktie von Investoren stärker wahrgenommen wird.

Spekulationen, Porsche könnte ein Dax-Kandidat werden wies Stocker indes als "Humbug" zurück. Ein Unternehmen, dass wegen der Weigerung, Quartalsberichte vorzulegen, aus dem MDax gefallen sei, könne noch so groß werden und käme doch nicht in den Standardwerte-Index. Porsche sei aber in internationalen Branchenindizes vertreten, was für seine Reputation bei den großen institutionellen Anleger ohnehin wichtiger sei.

Die Aussagekraft der Szenario-Rechnung der Börse ist aus Sicht von Marktteilnehmern in einigen Punkten nur begrenzt. Es bleibe abzuwarten, was zum Beispiel mit dem MDax-Wert BHW nach der im Moment laufenden Aktienplatzierung geschehe, heißt es bei Börsianern. Nach BHW-Angaben steigt durch die Transaktion der Streubesitz rechnerisch auf 43,1 % von derzeit 10,9 %. Damit könnte BHW ein Kandidat für den Dax werden. BHW-Chef Wagner hatte zuletzt dazu gesagt, die BHW peile tatsächlich "mittelfristig" die Aufnahme in den Dax an.

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