Gewinn bei sinkendem Umsatz gesteigert
Nokia bleibt "nur" im Plan

Der weltgrößte Handy-Hersteller Nokia hat im zweiten Quartal etwas mehr verdient als von Analysten erwartet und seine Umsatz- sowie Gewinnziele weitgehend bekräftigt. Allerdings äußerten sich einige Analysten enttäuscht über die vergleichsweise breiten Prognose-Spannen. Der Aktienkurs gab deutlich nach.

Reuters HELSINKI. Nokia rechne für das zweite Halbjahr mit einem Umsatzwachstum von drei bis zehn Prozent, teilte der finnische Weltmarktführer bei Mobil-Telefonen am Donnerstag mit. Damit präzisierte der Konzern seine erst Ende Juni gesenkte Prognose von bis zu zehn Prozent Zuwachs. Für das Gesamtjahr 2002 bekräftigte Nokia mit 0,79 bis 0,84 Euro je Aktie zwar seine Gewinnerwartung von 0,83 Euro, schaffte aber durch die breitere Spanne Analysten zufolge Raum für Abweichungen nach unten.

Nokia-Chef Jorma Ollila erklärte, das wirtschaftliche Umfeld werde auch im zweiten Halbjahr schwierig bleiben. Im zweiten Quartal stieg der Proforma-Gewinn je Aktie auf 0,19 Euro von 0,17 Euro im Vorjahreszeitraum. Analysten hatten im Schnitt zuletzt mit 0,18 Euro gerechnet. Der Umsatz ging um sechs Prozent auf rund 6,9 Milliarden Euro zurück und lag damit unter den Analystenerwartungen.

Auch Nokia senkt Prognosen für den weltweiten Handy-Absatz

Für das dritte Quartal rechnet Nokia mit einem Proforma-Gewinn von 0,15 bis 0,17 Euro je Aktie, während Analysten derzeit im Schnitt 0,18 Euro erwarten. Der Umsatz werde voraussichtlich zwischen 7,2 und 7,6 Milliarden Euro liegen. Im dritten Quartal erwarte Nokia zudem eine Sonderbelastung wegen eines möglichen Teilverzichts auf Forderungen in Höhe von 752 Millionen Euro gegenüber dem angeschlagenen Büdelsdorfer Mobilfunkunternehmen MobilCom. Ein derartiger Teilverzicht gilt Analysten zufolge als eine der Voraussetzungen für eine Übernahme von MobilCom durch den Großaktionär France Telecom.

Die Prognosen für den weltweiten Branchenabsatz von Mobiltelefonen 2002 nahm das Unternehmen auf 400 Millionen von zuvor bis zu 420 Millionen Handys zurück. Am Mittwoch hatte bereits US-Konkurrent Motorola seine Absatzprognose ebenfalls auf 400 Millionen Geräte gesenkt.

Trotz der bislang anhaltenden Branchenschwäche erhofft sich Nokia vor allem durch neue Anwendungen auf Basis der Multimedia-Technologie für Handys, MMS (Multimedia-Messaging-Services), ein Anziehen des Marktes im Laufe der zweiten Jahreshälfte. Weniger zuversichtlich äußerte sich der Konzern zur neuen Mobilfunkgeneration 3G. Nokia rechne nicht vor Anfang 2003 mit ersten Auslieferungen der neuen 3G-Handys. Zuvor hatte das Unternehmen damit bereits ab dem dritten Quartal gerechnet.

Prognosen sorgen für Verunsicherung

Analysten äußerten sich zwar grundsätzlich positiv zu den Zahlen, die Prognosen würden aber für Verunsicherung sorgen und den Aktienkurs drücken. "Die Ergebnisse sind weitgehend im Rahmen der Erwartungen", sagte Johan Strandberg von der Deutschen Bank in Stockholm. Jussi Hyoty von Fim Securities ergänzte: "Es gibt eine gewisse Unsicherheit wegen der breiten Spanne der Prognosen." Vor allem beim Umsatz für das zweite Halbjahr sei das untere Ende der Spanne mit drei Prozent sehr niedrig. Diesen Eindruck äußerte auch Susan Anthony von Credit Lyonnais: "In Sachen Ausblick scheint alles einen Tick schwächer geworden zu sein." Trotz des schwierigen Marktumfelds steht Nokia den Experten zufolge insgesamt aber ganz gut da.

Nokia-Titel reagierten zunächst ohne klare Tendenz, bevor sie im Verlauf zeitweise um mehr als sechs Prozent ins Minus rutschten und den Gesamtmarkt in Helsinki belasteten. Am frühen Nachmittag notierten sie bei 13,75 Euro knapp fünf Prozent schwächer. Seit Jahresbeginn hat das Papier rund die Hälfte seines Wertes eingebüßt.

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