Gewinn beim Medienkonzern stagniert
Börsenaufsicht prüft AOL-Bilanz

Der weltgrößte Medienkonzern AOL Time Warner hat im zweiten Quartal im Zuge eines unverändert schwachen Online-Geschäfts einen zum Vorjahr stagnierenden Gewinn vor Sonderposten ausgewiesen. Das Unternehmen schrieb jedoch erstmals seit Abschluss der Mega-Fusion von AOL und Time Warner vor rund 18 Monaten auch netto wieder schwarze Zahlen.

Reuters NEW YORK. Konzernchef Richard Parsons gab am Mittwoch nach US-Börsenschluss zudem bekannt, dass die US-Börsenaufsicht SEC damit begonnen habe, die Bilanzierungspraktiken des Unternehmens unter die Lupe zu nehmen. Er beteuerte allerdings, bei AOL Time Warner gebe es keine Unregelmäßigkeiten. AOL-Aktien verloren nachbörslich rund sieben Prozent. Analysten sagten, die SEC-Prüfung werde am Markt wohl für schlechte Stimmung sorgen.

Schwaches Online-Geschäft überlagert starkes Filmgeschäft

Der Gewinn vor Sonderposten habe wie im Vorjahreszeitraum 0,24 Dollar je Aktie betragen, teilte AOL mit. Analysten hatten im Mittel nur mit 0,22 Dollar Gewinn je Aktie gerechnet. Der Nettogewinn betrug 394 Millionen Dollar nach einem Verlust von 734 Millionen Dollar im Vorjahreszeitraum. Im ersten Vierteljahr hatte AOL Time Warner wegen milliardenhoher Abschreibungen noch den höchsten Nettoverlust der US-Geschichte verbucht.

Der Quartalsumsatz legte binnen Jahresfrist um zehn Prozent auf 10,6 Milliarden Dollar zu und übertraf damit ebenfalls die Analystenprognosen von 10,02 Milliarden Dollar. Für das Gesamtjahr prognostizierte AOL Time Warner ein Umsatzwachstum am oberen Ende der bereits zuvor genannten Bandbreite von fünf bis acht Prozent.

Im abgelaufenen Quartal florierte AOL Time Warner zufolge besonders das Filmgeschäft und auch die Fernsehkabelnetz-Sparte. Vor allem der Kino-Hit "Harry Potter und der Stein der Weisen" trug zum Erfolg der Filmsparte bei.

Die vergleichsweise schwachen Erträge der AOL-Sparte belasteten dagegen das Quartalsergebnis des Medienkonzerns. Der Online-Geschäftsbereich kämpft seit längerem mit sinkenden Werbeeinnahmen und schwächerem Wachstum des Kundenstamms. Die Sparte verzeichnete auf vergleichbarer Basis einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 473 Millionen Dollar nach 652 Millionen Dollar ein Jahr zuvor. Der Umsatz fiel auf 2,27 Milliarden Dollar von 2,33 Milliarden Dollar. In den vergangen drei Monaten meldeten sich zudem nur 492.000 neue Nutzer bei dem AOL-Online-Dienst an. Analysten hatten mit bis zu einer Millionen Neukunden gerechnet.

"Die Probleme beim Wachstum des Kundenstamms haben sich bei AOL dramatisch verschlechtert", sagte Analyst Jordan Rohan von SoundView Technology. AOL-Manager begründeten dies mit einem traditionell schwachen Zuwachs im zweiten Quartal, räumten aber ein, dass vor allem in Europa und Lateinamerika kaum oder gar keine neuen Kunden hinzu gekommen seien.

AOL-Aktien verloren nachbörslich

AOL-Aktien, die im Jahresverlauf bereits 65 Prozent an Wert verloren haben, sanken im außerbörslichen Instinet-Handel auf 10,60 Dollar, nachdem sie den regulären Handel an der Wall Street bei 11,40 Dollar beendet hatten. Analysten führten die Verluste auf Anlegersorgen wegen der offenbar begonnenen SEC-Prüfung der AOL-Bücher zurück. Rohan von SoundView Technology prognostizierte: "Diese Sache wird eine Zeit lang einen Schatten auf die Aktie werfen."

Konzernchef Parsons sagte, die Börsenaufsicht habe mit der Sammlung und Prüfung von Informationen zu den Buchführungspraktiken bei AOL Time Warner angefangen. Die SEC lehnte eine Stellungnahme ab. In der vergangenen Woche hatte die "Washington Post" berichtet, der Konzern habe seit 2000 die Umsätze mit unkonventionellen Buchungspraktiken aufgebläht. Parsons betonte, die SEC habe AOL Time Warner erst nach Veröffentlichung dieses Artikels von der Prüfung informiert. Finanzchef Wayne Pace bezeichnete indes die Art des AOL-Rechnungswesens als branchenüblich. "Wir haben keine Probleme mit den Praktiken und Regelungen, die es in unserem Unternehmen zur Bilanzierung gibt."

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