Gewinn bricht um 75 Prozent ein
Neuer Chef soll Hypo-Vereinsbank aus der Krise führen

Die Hypo-Vereinsbank sucht nach einem neuen Kurs. Der künftige Chef des Instituts, Dieter Rampl, will Deutschlands zweitgrößte Bank umbauen. Die Börse reagiert mit Skepsis.

HB/cbu MÜNCHEN. Die Hypo-Vereinsbank (HVB) ist im abgelaufenen Quartal deutlich tiefer in die Verlustzone gerutscht als erwartet. Von Juli bis September lag das Betriebsergebnis bei minus 684 Mill. Euro. Die Börse reagierte geschockt: Die Aktie verlor 12 Prozent. Jetzt fürchten Analysten, dass auch die anderen Großbanken schlechte Zahlen liefern. Deutsche Bank, Commerzbank und Dresdner Bank/Allianz legen in den nächsten Wochen Ergebnisse vor.

Zugleich gab die HVB den geplanten Wechsel an ihrer Spitze bekannt: Firmenkundenchef Dieter Rampl übernimmt zum Jahreswechsel den Posten des derzeitigen Vorstandssprechers Albrecht Schmidt. Ursprünglich war die Amtsübergabe erst im Mai geplant, aber die tiefe Krise mache eine schnelle Lösung nötig, sagte Schmidt.

Rampl kündigte gestern einen tief greifenden Konzernumbau an. Sein Konzept: Die Bank konzentriert sich künftig stärker auf das Geschäft mit Privatkunden und mittelständischen Firmen. Die gewerbliche Immobilienfinanzierung mit den Hypothekenbank-Beteiligungen wird abgespalten und zu einem eigenständigen Konzern zusammengefasst. Auch der Verkauf einzelner Teile oder die Fusion mit Partnern werden geprüft.

Defizitären Töchtern droht Ungemach: "Wir werden uns von Randaktivitäten, die nicht mehr zu unserem Kerngeschäft passen, trennen", sagte Rampl. Die Online-Tochter DAB Bank wird nun offenbar in den Konzern reintegriert, sollte sich nicht bald eine Lösung, etwa ein Verkauf, abzeichnen. Zusätzlich wird der Sparkurs verschärft. Weitere Einschnitte bei der Belegschaft sind wahrscheinlich: "Wir können einen weiteren Personalabbau nicht ausschließen", stellte Rampl fest. Stellenkürzungen dürften aber nicht zu Lasten des Filialgeschäfts gehen. Bislang war geplant, dass die HVB 9100 Stellen bis 2004 streicht.

Die Bank ist von der Branchenkrise besonders stark betroffen. Den Münchenern macht vor allem zu schaffen, dass sie mit rund 450 Mrd. Euro das höchste Kreditvolumen aller deutschen Geldinstitute zu tragen haben. Da schlagen die vielen Firmenpleiten heftig ins Kontor: Als Kreditgeber war sie bei spektakulären Insolvenzen wie Kirch oder Fairchild Dornier mit im Boot.

Wegen drohender Ausfälle musste die Bank ihre Risikovorsorge bis zum 30. September auf fast 2,5 Mrd. Euro aufstocken - ein Anstieg im Vergleich zum Vorjahr um 85,5 Prozent. Bis zum Jahresende wird sie gar bis auf 3,3 Mrd. Euro steigen - deutlich mehr als von Analysten im Vorfeld befürchtet. "Ob das das Ende der Fahnenstange ist, kann seriös nicht beantwortet werden", gab Finanzvorstand Wolfgang Sprißler zudem keine Entwarnung.

Quelle: Handelsblatt

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