Gewinn bricht um ein Drittel ein
Schwacher Fernsehmarkt macht RTL zu schaffen

Europas schwacher Werbemarkt beutelt die RTL Group. Die Luxemburger Bertelsmann-Fernsehtochter vermeldet einen herben Gewinneinbruch. Eine Entspannung der Lage ist kaum in Sicht. Mit eisernem Sparkurs sowie der engeren Verzahnung der Sender untereinander will Konzernchef Didier Bellens jetzt gegensteuern.

DÜSSELDORF/LUXEMBURG. Der Fernsehmarkt in Europa bleibt schwierig. Europas größter Fernsehkonzern, die RTL Group, musste am Montag einen Gewinnrückgang um 35 % bekannt geben. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Amortisation (Ebita) fiel auf 361 Mill. Euro nach 555 Mill. Euro im Vorjahr. Den Nettoverlust beziffert RTL sogar auf 2,499 Mrd. Euro. Er ist vor allem von Firmenwertabschreibungen auf Fremantle Media, aber auch auf den spanischen Sender Antena 3 geprägt.

Zunächst ist auch kein Silberstreif am Horizont: "Wir erwarten eine Erholung des Werbemarktes nicht vor der zweiten Jahreshälfte", sagte Vorstandsvorsitzender Didier Bellens dem Handelsblatt. "Angesichts der kurzfristigen Buchungen der Kunden lassen sich verlässliche Prognosen zwar kaum noch machen, aber ich bin nicht pessimistisch." Medienanalyst Marc Röhder von HSBC Trinkaus & Burkhardt sieht es etwas anders: "Wir gehen von einem Rückgang von etwa 2 % auf dem deutschen TV-Werbemarkt aus".

Die RTL Group - vor zwei Jahren aus der Fusion des Radio- und TV-Konzerns CLT-UFA mit der britischen Produktionsfirma Pearson TV hervor gegangen - versucht flexibel auf diese Situation zu reagieren. "Es geht nicht nur darum, die Werbemärkte bestmöglich abzuschöpfen, sondern auch neue Erlösquellen zu entwickeln", sagt Bellens. Mit Stolz verweist der gelernte Wirtschaftsingenieur aus Belgien darauf, dass bereits 36 % des Umsatz nicht aus Werbeerlösen generiert wird. Künftig will der TV-Konzern mit 23 Fernsehkanälen und 14 Radiosender mehr Synergien entwickeln. "Wir arbeiten an einer engeren Verzahnung unserer Sender in Europa", so Bellens.

RTL Group S.A. gehört mehrheitlich zur Bertelsmann AG, Gütersloh. "Ich will die RTL Group zur besten Unternehmensgruppe innerhalb von Bertelsmann machen", kündigt der 47-Jährige an. Daher soll sie noch enger mit dem Mutterkonzern verzahnt werden. Bellens liegt damit ganz auf dem Kurs von Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff. Der will den Medienkonzern 2005 an die Börse bringen und hat im TV-Geschäft den Wachstumsmarkt der Zukunft ausgemacht. An der Börse führt RTL Group derzeit aber nur noch ein Schattendasein. Am Montag notierte die Aktie nahezu unverändert bei 44,6 Euro. Bertelsmann gehört nach der Übernahme des Anteils der Mediengruppe Pearson 89 % der RTL Group, die restlichen 11 % Streubesitz sollen demnächst Verschwinden. Bertelsmann will die Kleinaktionäre mit 44 Euro pro Aktie abfinden. Doch regt sich derzeit heftiger Widerstand gegen die Abfindungspläne.

Die Zahlen für das letzte Jahr fallen insgesamt bescheiden aus. Die RTL Group steigerte ihren Umsatz nur um 10 Mill. Euro von 4,054 Mrd. Euro im letzten Jahr. Der TV-Bereich stagnierte bei 2,866 Mrd Euro, der Gewinn sank in diesem Segment aber auf 297 (408) Mio Euro. Auch der Hauptkonkurrent in Deutschland, der Fernsehkonzern Pro Sieben Sat 1 Media AG, legte letzte Woche eine nüchterne Bilanz vor. Die zur Kirch-Gruppe zählende Sendergruppe verzeichnete nur noch einen Gewinn von 68 Mill. Euro (-27 %).

Die RTL Group mit ihren großen Sendern wie RTL (Deutschland), M 6 (Frankreich) und Channel 5 (Großbritannien) versucht jetzt die Kosten drastisch zu senken. "Wir fahren wir ein nachhaltiges Sparproramm. Wie werden die Portfoliobereinigungen fortsetzen und auch weiter die Kosten dämpfen", erklärt Bellens. So wurden kürzlich 40 Beschäftigte der nur noch 90 Mitarbeiter umfassenden Holding entlassen. Außerdem trennte sich der Konzern von verlustreichen Töchtern wie dem polnischen Kanal RTL 7. Ein Erwerb des TV-Produzenten Endemol vom spanischen Telekomkonzern Telefonica ist auch für die vom Tisch. Bellens: "Es gibt keine Verhandlungen mit Telefonica über einen Erwerb von Endemol." Telefonica hatte das niederländische Unternehmen 1999 für rund 5,2 Mrd. Euro übernommen.

Statt teure Akquisitionen zu machen, setzt Bellens angesichts schmaler Kassen lieber auf den Ausbau der vorhandenen Inhalte-Tochter Freemantle Media und neue Partnerschaften. "Wir setzen auf organisches Wachstum und werden nur in interessanten Fällen zukaufen."

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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