Gewinn der Schweizer Privatbank sinkt um zehn Prozent
Julius Bär will Kosten senken

Der Konzerngewinn der Zürcher Vermögensverwaltung Julius-Bär-Gruppe wird 2002 unter 200 Millionen Schweizer Franken liegen. Der Anteil von Dividende und Aktienrückkäufen am Konzerngewinn soll jedoch steigen. Verstärkte Zuflüsse deutscher Gelder sind bisher noch nicht spürbar.

ef ZÜRICH. Die Zürcher Privatbank Julius Bär rechnet für das Jahr 2002 mit einem Gewinn von unter 200 Mill. Schweizer Franken (sfr). Das bedeutet ein Rückgang von mehr als 10 % gegenüber dem Vorjahr, als das auf Vermögensverwaltung spezialisierte Finanzunternehmen einen Gewinn von 225 Mill. sfr. verzeichnete. Walter Knabenhans, Chef der Julius-Bär-Gruppe, kündigte gestern an, die Bank werde weiter die Kosten senken und vor allem im Stabsbereich weitere Stellen einsparen.

Die verwalteten und betreuten Vermögen sind bei der Julius-BärGruppe im dritten Quartal 2002 um weitere 9 % auf 107 Mrd. Schweizer Franken (sfr) gesunken. Den historischen Höchststand hatten Sie 2000 auf dem Höhepunkt des Börsenbooms mit 142 Mrd. sfr erreicht. In Zeiten der Börsenbaisse, so Knabenhans, suchten private Anleger verstärkt Schutz bei den großen, kapitalstarken Banken. Von dieser Entwicklung habe vor allem der Marktführer UBS - weltweit größter Vermögensverwalter - profitiert. Doch auch die Julius-Bär-Gruppe zähle mit eigenen Mitteln von 1,5 Mrd. sfr, die zur Jahresmitte 2002 immerhin 12 % der Aktiva finanzierten, zu den kapitalstarken Instituten, erklärte Knabenhans. Er unterstrich zudem, dass die Aktiva konservativ investiert seien. So habe die Bank im Frühjahr ihre Marktrisiken reduziert, indem sie im Nostrohandel und bei Lombardkrediten vorsichtiger geworden sei.

Mit einem Gewinn von unter 200 Mill. sfr unterbietet Julius Bär die Erwartungen der Analysten, die für 2002 mit einem Gewinn der Gruppe von 210 Mrd. sfr gerechnet hatten. Knabenhans kündigte jedoch an, dass angesichts der starken Bilanz künftig mehr als bisher den Aktionären zufließen soll - in Form von Dividenden oder Aktienrückkäufen. Für 2001 waren für jede börsennotierte Inhaberaktie 7 sfr ausgeschüttet worden

.

Trotz der Gewinnwarnung behaupteten sich die Aktienkurse der Julius-Bär-Gruppe gestern auf dem Vortagesniveau. Am Mittwoch waren die Aktien jedoch um 6 % eingebrochen. Seit Jahresbeginn beträgt das Minus der Inhaberaktien 36 %.

Knabenhans und sein Führungsteam erwarten längerfristig zwar Kursschwankungen, insgesamt jedoch seitwärts tendierende Börsen. Deshalb müsse die in der Hausse richtige Strategie des "Kaufens und Haltens" nun angepasst werden. Mit Hilfe neuer Produkte hat die Julius-Bär-Gruppe auf diese Entwicklung reagiert, denn bei vielen Kunden habe die Kapitalerhaltung wieder einen höheren Stellenwert.

In der Gruppe selbst müssten die Kosten angepasst werden. Sie seien in den letzten Jahren stärker gestiegen als die verwalteten Vermögen. Finanzchef Rolf W. Aeberli kündigte an, die Kosten um weitere 10 % zu reduzieren: Zwei Drittel durch den Abbau von 150 Mitarbeitern und ein Drittel durch niedrigere Sachkosten. Die Standorte Hongkong und Monaco erden geschlossen.

In neuen Standorten wie zum Beispiel Dubai will die Julius-BärGruppe weitere Kunden gewinnen. Dabei will die Schweizer Bank von dem Misstrauen im Nahen Osten gegenüber US-Adressen profitieren. Daneben sollen Kooperationen wie zuletzt in Italien die Kundenbasis verbreitern. Größere Akquisitionen schloss Knabenhans allerdings aus. Zu den Wachstumsmärkten zählt er neben Italien auch Deutschland. Allerdings, so betonte Knabenhans, hielte sich der Kapitalzufluss aus Deutschland trotz der Diskussion über die Steuerpläne der Bundesregierung noch "im Rahmen des Üblichen."

Ein besonderes Lob erteilte Knabenhans dem Schweizer Finanzminister Kaspar Villiger: Das traditionelle Schweizer Bankgeheimnis werde nach den Verhandlungen Villigers mit der EU auch langfristig nicht zur Debatte stehen. Deshalb habe die Diskussion die Kunden der Schweizer Privatbank auch nicht verunsichert, so Knabenhans.

Quelle: Handelsblatt

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