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Gewinn des italienischen Versorgers Enel geht nach Stromliberalisierung zurück

Telefontochter Wind hat Interesse am Kauf von Infostrada HANDELSBLATT, 11.9.2000 mab ROM. Der Weg vom trägen Strommonopolisten zum wettbewerbsorientierten Multy-Utility-Konzern ist steinig. So sind die Erträge von Enel SpA, Rom, dem nach Marktkapitalisierung (rund 55 Mrd. ") drittgrößten Unternehmen Italiens, im ersten Halbjahr 2000 deutlich zurück gegangen. Der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) sank um 5,5 %, das Nettoergebnis sogar um knapp 14 % auf 982 Mill. ". Analysten hatten einen Gewinnrückgang in dieser Größenordnung erwartet, da Enel mit staatlich verordneten Tarifsenkungen von etwa 10 % und der erst jungen Liberalisierung des italienischen Strommarktes zu kämpfen hat. Vorstandschef Franco Tató sagte gegenüber Journalisten, dass er 2001 wieder mit steigenden Gewinnen rechne. Auf zwei Säulen stützt sich Tatós Optimismus. Zum einen hat das Unternehmen bereits im Laufe dieses Jahres erheblich Kosten einsparen können. Sie werden für die ersten sechs Monate mit 233 Mill. " angegeben, der größte Teil davon (154 Mill. ") resultiert aus dem Abbau von 2 500 Arbeitsplätzen. Als Zielgröße für das Gesamtjahr gibt Tató Einsparungen in Höhe von 500 Mill. " an. Auf der anderen Seite wächst der Strommarkt in Italien, Experten rechnen mit einer Jahresrate von 6 %. Das wird Enel helfen, den sinkenden Marktanteil durch die neue Konkurrenz zumindest teilweise auszugleichen. Derweil arbeitet Tató mit Hochdruck am Umbau des Konzerns. Im ersten Halbjahr stiegen die Einnahmen, die nicht aus dem Stromgeschäft stammen, um 46 % auf 792 Mill. ". Damit leisten sie einen Beitrag von 7 % zum Gesamtgeschäft. Enel will bis 2004 diesen Anteil auf 25 % bringen. Und zwar in Sektoren, die erst in letzter Zeit liberalisiert worden sind: Gas; Wasser, Telekommunikation. Im Nicht-Strom-Geschäft trägt zurzeit das Gas den größten Teil zum Umsatz bei. Innerhalb dieses Jahres rechnet Enel mit 800 000 Kunden, bis 2003 sollen dem ehemaligen Monopolisten Eni SpA, Rom, 2 Millionen abgeluchst werden. Im Wassermarkt bietet Enel für die süditalienische Aquedotti Pugliesi, ein Unternehmen das 850 000 Kunden bedient. Telekommunikation als wichtigster neuer Bereich Das größte Rad aber will Tató in der Telekommunikation drehen: Enel ist an Wind beteiligt, dem mit 6 Millionen Festnetz-, Mobilfunk- und Internetkunden drittgrößten integrierten Telekommunikationsunternehmen des Landes. Nach der Trennung im Streit von der Deutschen Telekom stellen sich die Eigentumsverhältnisse von Wind wie folgt dar: Enel hält 56 %, France Telecom 44 %. Im kommenden Frühling soll ein Teil von Wind, maximal 30 %, an die Börse gebracht werden. Erstmals äußerte Tató öffentlich Interesse an der zweitgrößten Telefon-Festnetzgesellschaft Italiens, Infostrada. Deren Muttergesellschaft Vodafone sondiert momentan den Markt und erwägt, als Alternative zum angekündigten Verkauf von 49,9 % der Infostrada-Anteile über die Börse, die Gesellschaft im Paket zu verkaufen. Tató sagte: "Infostrada ist eine sehr interessante Sache, auf die man schauen sollte." Infostrada sei nicht nur wegen seines Kundenstamms von 6,5 Millionen attraktiv, sondern weil es sich um ein Unternehmen mit eigener Netzinfrastruktur handele. Dadurch könnten Einsparungen erzielt werden. Tató verweist auf die niedrige Verschuldungsquote von Enel, wodurch für eine solche Akquisition, die nach Marktkreisen bis zu 14 Mrd. " kosten könnte, problemlos Mittel beschafft werden könnten. Konkurrenten hatten kritisiert, dass es sich dabei um eine Verstaatlichung eines privaten Unternehmens handeln würde. Enel befindet sich nach einer Teilprivatisierung im letzten Herbst noch mehrheitlich im Staatsbesitz; Schatzminister Vincenzo Visco hat aber eine zweite Privatisierungstranche, möglichwerweise noch in diesem Jahr, in Aussicht gestellt.

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