Gewinn ist Ehrensache bei Schöffel
Anoraks in der sechsten Generation

So mancher Franzose erkennt deutsche Skifahrer schon aus der Ferne. Während viele Sportler zwischen Chamonix und Val d Isère auch auf der Piste auf modisches Aussehen Wert legen, zählt für die meisten Deutschen vor allem eins: Trocken bleiben. Und dafür stehen seit Jahrzehnten die hoch funktionellen Jacken und Hosen des Outdoor-Ausrüsters Schöffel.

Dass das Design des Traditionsunternehmen etwas bieder daherkommt, stört die Skifahrer hier zu Lande wenig: Der Umsatz der Marke hat sich in den vergangenen acht Jahren auf 53,5 Mill. Euro mehr als verdoppelt. Selbst im Krisenjahr 2002 ging es in der Familienfirma bergauf: Die Einnahmen kletterten um 3,5 Mill. Euro auf 65 Mill. Euro.

Neben ihrer Outdoor-Linie verkauft das Unternehmen aus Schwabmünchen auch Berufs- und Motorrad-Kleidung. "Uns geht es wirtschaftlich gut", sagt Peter Schöffel, Chef und Inhaber des Unternehmens, "wir sind traditionell profitabel, wie es sich für Schwaben gehört." Details nennt er nicht - die Finanzen werden im Schwäbischen vertraulich behandelt. Nur eins ist sicher: Gewinn ist Ehrensache für den Unternehmer, der die Firma in der sechsten Generation leitet. Schon 1804 haben die Vorfahren des Managers ihr erstes Handelsunternehmen in der Kleinstadt 30 Kilometer südlich von Augsburg gegründet.

In den 60er Jahren setzte Schöffels Vater dann auf die Kleiderproduktion. Heute gehört Schöffel zu den bekanntesten Anbietern von Ski-, Bergsport- und Outdoor-Kleidung in Europa. Jacken wie Hosen kommen aber längst nicht mehr aus eigenen Fabriken, sondern werden in Asien gefertigt. Die Konzentration auf einige wenige Bereiche zahlt sich aus: Die Outdoor-Branche gehört derzeit zu den wenigen Gewinnern im stagnierenden Sportartikel-Markt. 2002 wurde in Deutschland Outdoor-Bekleidung für etwa 740 Mill. Euro verkauft.

Branchenexperten erwarten, dass der Markt für die sportlichen Aktivitäten im Freien jährlich um 5 % wächst. Peter Schöffel teilt den Optimismus und erwartet, dass es weiter aufwärts geht. Allerdings: So schnell wie in den vergangenen Jahren werde seine Firma nicht mehr wachsen. Der Outdoor-Ausrüster leidet wie fast alle Sportartikel-Produzenten unter einem gnadenlosen Preisdruck. Jüngstes Beispiel: Schon lange vor Weihnachten hatten die großen Sporthandelsketten ihre Preise kräftig reduziert. Allerdings: Richtig billig sind die Kleider von Schöffel nie. Viele der Hightech-Jacken kosten auch im Ausverkauf deutlich über 200 Euro. "Wir machen keine kurzfristigen Preiszugeständnisse", betont Schöffel.

Stattdessen setzt er auf Innovationen, die den hohen Preis rechtfertigen sollen. Atmungsaktivität und Feuchtigkeitstransport in Jacken und Hosen sind längst Standard. Inzwischen ist die Ausstattung so vielfältig, dass Entdecker ihre wahre Freude haben. So hat die Top-Skijacke für Damen kleine Täschchen - mit Spiegel - für Sonnen- und Lippenschutz sowie Taschentücher. Die Handy-Tasche ist gefüttert und der Kragen mit Fleece gepolstert. Im Taillenbereich sorgen ein Schneefang und an den Ärmeln Stulpen für unbeschwerten Genuss auch im Tiefschnee. Sogar das Design ist in letzter Zeit etwas pfiffiger geworden: Die Frauenjacken sind wesentlich körperbetonter als früher.

Arme Franzosen: Jetzt merken sie womöglich erst in der Gondel, dass sie mit deutschen Skifahrern liften müssen. Jacke wie Schuhe. Die Outdoor-Branche ist in Bewegung wie nie zuvor. Viele der meist mittelständischen Unternehmen werden von der derzeitigen Konsumflaute hart getroffen - und suchen nun neue Wege, um den Verkauf anzukurbeln. Schöffel hat sich deshalb für eine Allianz mit dem Wanderschuh-Marktführer Lowa entschieden. Die beiden Traditionsfirmen werden im Herbst in Frankfurt ihren ersten gemeinsamen Laden eröffnen, um ihre Produkte unter einem Dach an den Mann zu bringen. Weitere Geschäfte in Deutschland, Österreich, der Schweiz und den Benelux-Ländern sollen folgen und von örtlichen Händlern betrieben werden.

"Beide Marken sind seit Jahrzehnten am Markt, und wir ergänzen uns ideal", preist Firmenchef Peter Schöffel die Kooperation. Für die zwei Firmen bringt die Zusammenarbeit Vorteile: Schöffel spart sich dadurch Millionen, die der Aufbau oder Kauf einer eigenen Schuhproduktion gekostet hätte - dasselbe gilt für eine Kleiderproduktion bei Lowa. Die Ergänzung des Produktportfolios ist Schöffel wichtig, denn "ohne Schuhe hätten wir keine Berechtigung für eigene Läden", betont Peter Schöffel. Ein Outdoor-Laden ohne Schuhe ist seiner Ansicht nach nicht lebensfähig.

Der 41-Jährige Firmeninhaber ist nicht der einzige, der auf eigene Läden setzt. Wettbewerber Jack Wolfskin ist seit Jahren mit Shops vertreten. Auch große Sportartikelkonzerne wie Puma bauen auf solche Konzepte. Bergsteigern ist es meist egal, ob Jacke und Hose modisch sind. Hauptsache, sie sind robust und praktisch. Von diesem Image - bieder, aber gut - lebt Schöffel nicht schlecht.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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