Gewinn liegt deutlich über den Erwartungen
Siemens enttäuscht die Börse trotz guter Zahlen

Siemens hat mit einem schlechten Ausblick gestern an den Börsen für starke Kursverluste gesorgt. Konzernchef Heinrich von Pierer sieht kein schnelles Ende der Krise und erwartet im laufenden Quartal einen Gewinnrückgang. Die Zahlen für das abgelaufene Quartal übertrafen allerdings die Schätzungen der Analysten.

cbu MÜNCHEN. Der Siemens-Konzern erwartet für das laufende Quartal, das vierte Quartal des Geschäftsjahres 2001/02, einen niedrigeren Gewinn. "Das Ergebnis wird unter dem Niveau des dritten Quartals liegen", sagte am Mittwoch Konzernchef Heinrich von Pierer. Finanzvorstand Heinz-Joachim Neubürger fügte zur Begründung an, es werde mit weiteren Sonderbelastungen gerechnet, besondere für die Sanierung des verlustbringenden Netzwerkgeschäfts und bei Industrielösungen.

Allein im Netzwerkbereich rechnet die Siemens-Spitze mit zusätzlichen Aufwendungen im dreistelligen Millionenbereich. In dieser Sparte werden derzeit insgesamt 16 500 der ursprünglich 53 000 Arbeitsplätze gestrichen. Dazu kommen operative Verluste durch den lange anhaltenden Umsatzeinbruch. Auf der Habenseite werde durch den Verkauf der Internet-Tochter Unisphere dagegen ein außerordentlicher Gewinn von 400 Mill. Euro anfallen, teilte Neubürger mit.

Die Börse nahm die Prognose negativ auf. "Der Ausblick ist einfach schlecht", sagte Oppenheim-Analyst Frank Rothauge. Die Siemens-Aktie brach um über 5 % auf 47,5 Euro ein. Zeitweise lag das Papier allerdings 9 % im Minus. Von Pierer gab sich angesichts der Verluste gelassen: "Damit muss man leben." Mit Siemens rutschte praktisch der gesamte Aktienmarkt in den Keller. Insbesondere High-tech-Aktien gaben kräftig nach.

Am meisten aufgeschreckt hat die Anleger der Einbruch im Auftragseingang von Siemens. Die Orders gingen gegenüber dem Vorjahresquartal um 20 % auf 19 Mrd. Euro zurück. Von Pierer teilte dazu mit, damals sei ein Großauftrag für den Bereich Verkehrstechnik aus Großbritannien gebucht worden, ein Vergleich deshalb nur bedingt möglich. Der Konzernumsatz sank zwischen April und Juni um 4 % auf 20,5 Mrd. Euro.

Trotz des Debakels an der Börse: Siemens hatte auch positive Meldungen zu bieten. Denn mit dem Ergebnis für das abgelaufene Quartal konnte der Konzern überraschen. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) aus dem operativen Geschäft lag bei 892 Mill. Euro. Die Analysten hatten im Vorfeld nur mit durchschnittlich 630 Mill. Euro gerechnet. Auch im Quartal davor hatte von Pierer die Prognosen bereits übertroffen. Nach Steuern erwirtschaftete Siemens 725 Mill. Euro, das beste Quartalsergebnis seit dem Boomjahr 2000.

Siemens habe angesichts des schwierigen Umfelds gut verdient, lobte auch James Stettler von Dresdner Kleinwort Wasserstein. "Unser Ergebnis zeigt, dass es uns gelingt, auch in schwierigen Zeiten auf einem soliden Niveau zu bleiben", meinte von Pierer.

Zehn der insgesamt 13 Siemens-Bereiche schreiben derzeit schwarze Zahlen. Besonders gut schneiden die Bereiche Medizintechnik und Energieerzeugung an, die zusammen fast 720 Mill. Euro erwirtschafteten. In der Medizintechnik waren besonders bildgebende Systeme (Computertomographen) gefragt.

Bei Gasturbinen dagegen hört der Boom im US-Geschäft auf. Im Bereich Energieerzeugung ging der Auftragseingang um die Hälfte zurück. Das sei ein "Desaster", teilte Chris Heminway von Lehman Brothers mit. Von Pierer zeigte sich aber überzeugt, dass der Rückgang mittelfristig durch Aufträge aus anderen Regionen und durch das Service-Geschäft ausgeglichen werden kann.

Im Minus liegen der Bereich Industrielösungen, die Netzwerk-Sparte (ICN) sowie der Mobilfunk (ICM). ICN und ICM haben gegenüber den Vorquartalen die Verluste aber deutlich abgebaut. Das Netzwerkgeschäft leidet unter weiteren Investitionskürzungen der Telekommunikationskonzerne und einer Verschärfung des Nachfrageeinbruchs. Der Umsatz ging um 30 %, der Auftragseingang um 29 % zurück. Der Bereich verbuchte einen Quartalsverlust von 84 Mill. Euro, davon entfallen 45 Mill Euro auf Restrukturierungsaufwendungen. Damit sind die Zahlen nicht so schlecht wie zuletzt befürchtet. "ICN wird seine Restrukturierungsmaßnahmen in den kommenden Quartalen fortsetzen", teilte der Konzern aber mit.

Trotz Auftragsrückgang und Preisdruck hat sich auch die Mobilfunksparte gut gehalten. Es wird ein Verlust von 9 Mill. Euro ausgewiesen. Dieser geht aber in erster Linie auf den anteiligen Verlust der PC-Tochter Fujitsu Siemens Computer (FSC) von 20 Mill. Euro zurück. FSC wird derzeit noch bei ICM konsolidiert.

Gut läuft das Handy-Geschäft: Im abgelaufenen Quartal wurden rund 8,2 Millionen Mobiltelefone verkauft, im Quartal davor waren 8,3 Millionen. Mit Handys hat das Münchener Unternehmen einen Quartalsgewinn von 28 Mill. Euro erzielt.

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