Gewinn sinkt um 1,5 Mrd DM
Telekom in Bedrängnis

Die Deutsche Telekom hat gestern ihren Immobilienbestand neu bewertet und damit die Talfahrt der Aktie beschleunigt. Die T-Aktie sackte zeitweise um mehr als 7 % auf 24,80 Euro. Die Wertberichtigung des Immobilienportfolios um zwei Milliarden Euro reduziert den vorläufigen Gewinn des Konzerns für 2000 um 1,5 Mrd. auf 5,9 Mrd. Euro.

slo/tmo/cks HB DÜSSELDORF. Gleichzeitig kündigte die Telekom an, sie wolle nun die Immobilien ebenso wie die Beteiligung an dem US-Telekommunikationsanbieter Sprint und ihre deutschen Fernsehkabelgesellschaften zügig verkaufen, um den Schuldenberg von 56,4 Mrd. Euro abzutragen.

Die Bonner Staatsanwaltschaft prüft schon seit Monaten, ob die Telekom ihre Immobilien in der Bilanz zu hoch angesetzt hat. Das bestritt der Konzern auch gestern wieder, die Neubewertung der Grundstücke und Gebäude sei noch nicht abgeschlossen. Branchenkenner halten daher weitere Berichtigungen des Immobilienvermögens von 17,2 Mrd. Euro für möglich.

Die neuen Negativmeldungen erhöhten gestern auch den Druck auf Telekom-Vorstandschef Ron Sommer. Gerüchte über seinen bevorstehenden Rücktritt machen bereits seit der vergangenen Woche die Runde. Aufsichtsratschef Hans-Dietrich Winkhaus stellte sich allerdings vor den Telekom-Chef.

Die T-Aktie hat innerhalb der vergangenen zwölf Monate fast drei Viertel an Wert verloren (siehe Grafik). Damit wachsen auch die Zweifel am Gelingen der Übernahme des US-Mobilfunkanbieters Voicestream. Dessen Aktionäre können den Deal platzen lassen, wenn der Kurs der T-Aktie innerhalb eines bestimmten Zeitraums vor Abschluss der Fusion unter 33 Euro liegt. Die Fusion soll in der Jahresmitte über die Bühne gehen.

Die neue Bewertung der Immobilien war notwendig geworden, weil der Konzern sich jetzt möglichst schnell von allen Bereichen trennen will, die nicht zum Kerngeschäft gehören. "Daher mussten wir eine individuelle Bewertung der Immobilien vornehmen", erklärte Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick. Bisher hatte die Telekom die Grundstücke und Gebäude mit pauschalen Werten veranschlagt.

Noch im ersten Quartal will der Konzern den 10 %-Anteil an Sprint verkaufen. Die Beteiligung ist an der Börse 2,1 Mrd. Euro wert.

Analysten beurteilten die Pläne der Telekom unterschiedlich: ABN Amro und Independent Research stuften die T-Aktie herab, während M.M. Warburg die Bewertung des Papiers heraufsetzte.

Die Neubewertung der Immobilien zeige, dass die Telekom ernsthaft über den Verkauf ihrer Immobilien verhandele, sagte der Telekomanalyst einer US-Investmentbank. Die massive Wertberichtigung deute darauf hin, dass der Konzern seinen Bestand komplett abstoßen wolle. Sonst hätte er die Buchwerte auch schrittweise beim Verkauf einzelner Immobilien korrigieren können.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%