Gewinn sinkt um 23 Prozent – Hoffnungen ruhen auf dem Weihnachtsgeschäft
Swatch Group verfehlt eigene Wachstumsprognose

Mit einem Wachstum von nur gut zwei Prozent blieb der Schweizer Uhrenkonzern Swatch Group in der ersten Jahreshälfte weit hinter den eigenen Zielen zurück. Nach Behebung von Lieferengpässen soll das zweite Halbjahr besser werden, doch der Aktienkurs brach gestern ein.

ef ZÜRICH. Die konjunkturelle Realität hat auch den größten Schweizer Uhrenhersteller Swatch Group eingeholt: Noch im Frühjahr hatte Verwaltungsratspräsident Nicolas Hayek ein Wachstum von zehn bis zwölf Prozent für das laufende Jahr prognostiziert. Nun liegen die Halbjahreszahlen vor, und es sind nur plus 2,3 % geworden. Bei einem Umsatz von 2,02 Mrd. sfr (1,33 Mrd. Euro) stieg das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) um 1,6 % auf 315 Mill. sfr. Das Konzernergebnis brach um 23 % auf 231 Mill. sfr ein. Hier hatte Swatch allerdings im ersten Halbjahr 2000 erhebliche außerordentliche Gewinne verbucht. Das Finanzergebnis verschlechterte sich von plus 18 auf minus 25 Mill. sfr.

Trotz des enttäuschenden ersten Halbjahres zeigte sich das Bieler Unternehmen für den Rest des Jahres vorsichtig optimistisch. Lieferengpässe, die das Geschäft im Frühjahr belastet hätten, seien mit Hilfe hoher Investitionen beseitigt worden. Betroffen waren vor allem die Marken Omega, Tissot, Swatch, Blancpain und Rado. Je nach Verlauf des für die Swatch Group wichtigen Weihnachtsgeschäfts erwartet das Unternehmen aus heutiger Sicht für das Gesamtjahr 2001 ein Umsatzwachstum von fünf bis acht Prozent. Das Finanzergebnis hänge hingegen ausschließlich von der Entwicklung an den Finanzmärkten ab.

Der Uhrenumsatz stagnierte im ersten Halbjahr mit 1,43 Mrd. sfr in etwa auf dem Vorjahresniveau. Trotzdem stieg das Ebit in diesem wichtigsten Geschäftsbereich um knapp fünf Prozent auf 235 Mill. sfr. Die Swatch Group baut derzeit konsequent das Netz an Uhrenläden aus, in denen sie Produkte nur einer Marke verkauft.

Mobilfunkindustrie macht Swatch zu schaffen

Der Bereich Uhrenkomponenten wuchs im ersten Halbjahr um 1,7 %, während Swatch mit elektronischen Systemen 0,9 % weniger umsetzte. Ausschlaggebend für den Rückgang in diesem Geschäft war nach Angaben des Unternehmens die schwierige Lage der Mobilfunkindustrie.

Das unter den Prognosen liegende Halbjahresergebnis wurde an der Züricher Börse gestern schlecht aufgenommen. Zu Handelsbeginn brachen die Inhaberaktien der Swatch Group um gut 9 % auf 132,75 sfr ein, konnten sich dann aber wieder leicht erholen. Die Papiere liegen damit jetzt schon fast ein Drittel unter dem Niveau vom Jahresbeginn. Damals hatten Swatch-Aktien nach dem Rekordabschluss 2000 und den positiven Erwartungen zu den Favoriten der Schweizer Börse gehört. Als sich jedoch abzeichnete, dass die Prognosen zu optimistisch waren, schlugen die Kurse den Rückwärtsgang ein, der sich zuletzt noch beschleunigte.

Christoph Bohli, Analyst bei der Privatbank Sarasin & Cie., hält es nach wie vor für richtig, dass Swatch den Bereich Luxusuhren mit dem Kauf von Herstellern wie Breguet, Blancpain und Glashütte Original ausgebaut hat. Auch die Umsetzung der Strategie stimme. Im Bereich der elektronischen Systeme könne nun der Boden erreicht sein, doch belaste die unklare Situation in den USA. Sorgen macht Bohli der Lageraufbau um 15 %. Wenn dahinter keine Aufträge stünden, sei das negativ. Insgesamt liege das Halbjahresergebnis am unteren Ende der Erwartungen. Hinter seine Kaufempfehlung für die Swatch-Aktie vom Juni setzt Bohli deshalb heute ein Fragezeichen. Bei einer positiven Stimmung der Konsumenten habe das Papier aber durchaus Aufholpotenzial.

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