Gewinn übertrifft Erwartungen der Analysten
AT&T teilt sich in vier Unternehmen auf

Das amerikanische Telekommunikationsunternehmen AT&T verabschiedet sich von seiner Strategie, zum Rundum- Kommunikationsanbieter zu werden. Die neuen Unternehmen sollen einzeln gelistet werden. Der Vorstand will damit dem schwachen Aktienkurs nachhelfen.

kk NEW YORK. Die Begeisterung an der Wall Street blieb zunächst aus. In der ersten Handelstunde fiel der Kurs der AT&T-Aktie gestern um mehr als 9%, nachdem der Vorstand der größten US-Telefongesellschaft die Ergebnisse und die Aufspaltung des Unternehmens bekannt gegeben hatte. Das Telekommunikationsunternehmen will die Bereiche Mobilfunk, Geschäftsdienstleistungen, Breitbandaktivitäten und Ferngespräche in einzelne Unternehmen aufgliedern. Der Plan ist die größte Umstrukturierung seit 1984, als AT&T seine lokalen Töchter augegliedern musste.

Mit der Aufteilung nimmt das Unternehmen Abschied von der Strategie, zu einem Rund-um-Anbieter für Kommunikation zu werden, der alle Dienstleisungen vom Kabelfernsehen bis zum Festnetztelefon und Handy aus einer Hand anbietet. In diese Vision hatte der Vorstandsvorsitzende Michael Armstrong drei Jahre und mehr als 100 Mrd.$ investiert. Unter anderem hatte AT&T zwei der vier größten US-Kabelfernsehunternehmen gekauft, Tele-Communications und Media One Group.

Insgesamt sollen jetzt bis 2002 vier neue Unternehmen entstehen, die weiterhin unter dem Namen AT&T operieren sollen, aber einzeln an der Börse gehandelt werden. Die Kabelaktivitäten und der Mobilfunk sollen völlig unabhängig operieren. Zum neuen Kerngeschäftsbereich wird das Geschäftskundengeschäft; zunächst angegliedert bleibt die Privatkundensparte.

"Jedes dieser Unternehmen wird schneller auf die Bedürfnisse der Kunden eingehen können, aber sie werden ihnen weiter unter einem der weltweit bekanntesten und anerkanntesten Markennamen dienen", sagte Armstrong. Die Marke AT&T wird dem Geschäftskundenbereich gehören und an die abgespaltenen Schwestern lizenziert. Laut Armstrong werden die vier Unternehmen immer noch in der Lage sein, gebündelte Dienstleistungen anzubieten: durch Abkommen unter einander.

Mit den Plänen will AT&T dem Verfall des Aktienkurses entgegentreten. Der ist in den vergangenen Monaten von seinem Jahreshoch von 61 $ auf weniger als 28 $ abgestürzt. Zum einen musste der gesamte Technologiesektor Einbußen hinnehmen. Zum anderen waren Anleger skeptisch geworden, was die schwache Entwicklung des Privatkundengeschäfts von AT&T angeht. Mit steigender Konkurrenz besonders bei Ferngesprächen waren die Umsätze bedenklich gesunken.

Armstrong kündigte an, das neue Unternehmen AT&T Consumer, das das Privatkundengeschäft übernimmt, werde vor allem in die DSL-Technik investieren. AT&T Consumer soll im dritten Quartal 2001 als stimmrechtsloser sogenannter Tracking-Stock an die Börse gehen. AT&T Wireless, das bisher als Tracking-Stock gehandelt wird, soll bis zum Sommer kommenden Jahres zum eigenständigen Unternehmen werden. John Zeglis behält seinen Posten als Chef von AT&T Wireless. Bisher hat der Vorstand von AT&T noch keine Chefs für das Breitband- und das Privatkundengeschäft ernannt. AT&T-Business wird weiter von Armstrong geleitet.

Das Kabelunternehmen AT&T Broadband soll im kommenden Jahr an die Börse gehen, und 2002 zur eigenständigen Gesellschaft werden. AT&T nannte steuerliche Gründe für dieses Vorgehen, da die Kabelbeteiligungen erst vor kurzem gekauft worden sind.

Die Aktionäre von AT&T, das auf der Liste der Unternehmen mit dem am breitesten gestreuten Aktienbesitz an vierter Stelle steht, werden im Zuge der Aufspaltung Aktien an den einzelnen Unternehmen erhalten. Allerdings wird die Summe der einzelnen Dividenden "bedeutend niedriger" liegen als die bisher von AT&T bezahlten 88 Cents. Mit fast 3% pro Jahr zahlte AT&T eine überdurchschnittliche Dividende.

Im dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres ist der Gewinn von AT&T ohne einmalige Ausgaben um 12% auf 1,44 Mrd.$ gefallen, im Vergleich zu 1,63 Mrd.$ im Vorjahreszeitraum. Auf vergleichbarer Basis fiel der Gewinn sogar um 19% auf 1,32 Mrd.$. Der Umsatz stieg im gleichen Zeitraum um 4% auf 16,98 Mrd.$. AT&T hatte bereits im Mai die Erwartungen für den Rest des Jahres gesenkt. Vor allem die Umsätze im Privatkundengeschäft waren schneller zurückgegangen als erwartet.

Auch die Umsätze mit Geschäftskunden wuchsen in diesem Jahr nur schleppend.

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