Gewinn um 44 Prozent gesteigert
Vodafone überrascht die Analysten

Europas größter Mobilfunkanbieter Vodafone hat im abgelaufenen Geschäftsjahr vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen 44 Prozent mehr verdient als im Vorjahreszeitraum und damit den europäischen Telekomaktien Auftrieb verliehen. Zugleich wies das Unternehmen mit 13,5 Milliarden Pfund aber einen der höchsten jemals weltweit erlittenen Nettoverluste aus.

Reuters LONDON. Das Ergebnis (Ebitda) von 10,093 Milliarden Pfund (rund 16 Milliarden Euro) lag am oberen Rand der Analystenprognosen, was den Aktienkurs zeitweise um rund fünf Prozent steigen ließ. Vodafone zeigte sich zudem interessiert an einer Ausweitung des Anteils an der französischen Cegetel.

Vor Steuern aber nach Firmenwertabschreibungen und Sonderposten verzeichnete Vodafone dagegen einen Verlust von 13,5 Milliarden Pfund, wie der britische Konzern am Dienstag in London mitteilte. Darin seien auch Abschreibungen von sechs Milliarden Pfund auf Nicht-Mobilfunkbeteiligungen enthalten. Von Reuters und Multex befragte Analysten hatten ein Ebitda in einer Spanne von 7,4 bis mehr als zehn Milliarden Pfund und Abschreibungen für Zukäufe im Mobilfunkbereich in Deutschland und Italien von bis zu 25 Milliarden Pfund erwartet. Sie bezeichneten die vorgelegten Zahlen als positive Überraschung.

Der Umsatz stieg bei Vodafone, die 2000 den inzwischen als Vodafone AG firmierenden Mannesmann-Konzern übernommen hatte, im Geschäftsjahr bis Ende März um 52 Prozent auf 22,845 Milliarden Pfund. Für das laufende Jahr erwartet das Unternehmen den Angaben zufolge ein zweistelliges Wachstum der Erlöse sowie ein Netto-Kundenwachstum von knapp unter zehn Prozent. Die Nettoverschuldung bezifferte Vodafone auf 12,034 Milliarden Pfund. Von der im Vergleich zu anderen führenden Telekommunikationsfirmen geringen Verschuldung profitierten auch die 4,75-prozentigen Vodafone-Eurobonds mit Fälligkeit im Mai 2009.

Gent: UMTS-Dienste nicht vor 2003

Vodafone-Chef Chris Gent kündigte an, nicht vor Mitte 2003 mit der Vermarktung von UMTS-Diensten zu beginnen. Die Anbieter warteten vorerst noch auf die Entwicklung funktionsfähiger Handys. "Unser Augenmerk richtet sich in diesem Jahr auf die Anwendungen, die sehr gut auf der aktuellen Generation laufen", sagte Gent. Mit dem Mobilfunkstandard UMTS können Bilder und Videoclips wie Texte von Handy zu Handy verschickt werden. Einige Investoren hatten erwartet, dass sich eine weitere Verzögerung des als lukrativ erwarteten UMTS-Geschäfts negativ auf den Konzern-Ausblick auswirken werde.

Insgesamt hatten Marktexperten mit einem schlechteren Ergebnis bei Vodafone gerechnet und begrüßten die vorgelegten Zahlen. "Jede Kennzahl lag über unseren Erwartungen", sagte ein Londoner Analyst. Der Ausblick zum Umsatzwachstum sehe gut aus, ergänzte Oliver Brunner, Analyst bei der Baden Bank. -Württembergischen "Auch die Einmalabschreibungen sind deutlich niedriger als Teile des Marktes zuletzt befürchtet hatten". Am Dienstagnachmittag lagen die Vodafone-Aktien an der Londoner Börse in einem freundlichen Marktumfeld noch um 1,67 Prozent auf 106,81 Pence im Plus. Auch an anderen europäischen Aktienmärkten verzeichneten Telekomwerte zeitweise deutliche Gewinne.

Anfang Mai hatte Vodafone die Gewinnprognose für seine Töchter in Deutschland und Italien, D2 und Omnitel, gesenkt und damit Besorgnis über den Zustand des gesamten Mobilfunksektors verstärkt. Dies hatte bei nahezu allen europäischen Telekomtiteln zu einem Kurseinbruch geführt. Damals verloren die Aktien der größten Telekom-Unternehmen an einem Tag insgesamt 27 Milliarden Euro an Wert. Der Vodafone-Aktienkurs war bis auf 92,5 Pence gefallen.

Hohe Investitionen und Abschreibungen belasteten

Hohe Investitionen und Abschreibungen hatten den führenden Telefongesellschaften innerhalb eines Jahres massive Verluste beschert und die Aktienkurse absacken lassen. Allein die 20 größten Telefonunternehmen Europas verloren dabei innerhalb der vergangenen zwölf Monate mehr als 200 Milliarden Euro ihres Aktienwertes.

Vodafone machte zudem deutlich, das Unternehmen sei an einer Ausweitung seines Anteils am französischen Telekom-Unternehmen Cegetel, Eigner des Mobilfunkbetreibers SFR, interessiert. Der mit 44 Prozent größte Cegetel-Aktionär, der Medienkonzern Vivendi Universal, steht unter Druck, Vermögenswerte zu verkaufen, um Barmittel zu beschaffen. "Wir werden warten, wie sich das entwickelt", sagte Gent. Vodafone sei bereit, wenn sich eine Chance ergebe und sei bereit zu kaufen, wenn Vivendi veräußern wolle, fügte er hinzu. Vodafone selbst hält 15 Prozent an Cegetel und 20 Prozent an SFR. Der britische Telekommunikationskonzern BT Plcan Cegetel und 80 Prozent an SFR hält, ist bereit, seine Anteile abzugeben.

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