Gewinn vor Steuern hat sich vervierfacht
Hertha im Wandel: Abstimmung über Wechsel zur KG

Nach 108 Jahren wechselvoller Vereinsgeschichte mit Höhen und Tiefen bricht für die "alte Dame" Hertha BSC am Sonntag ein neues Zeitalter an. Auf der Jahreshauptversammlung entscheiden die 9 000 Mitglieder über die Umwandlung der professionellen Geschäftsbereiche in eine Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) und damit eine gravierende strukturelle Umorientierung.

dpa BERLIN. "Die Zeit ist reif für diesen Schritt", erklärt Präsident Bernd Schiphorst angesichts der Umsatz-Verdopplung auf über 107 Mill. DM im zurückliegenden Geschäftsjahr. Die Abstimmung, bei der eine Drei-Viertel-Mehrheit erforderlich ist, wird 82 Tage nach seinem Amtsantritt zur ersten Herausforderung für den neuen Mann im Hertha - Chefsessel. "Ich bin absolut optimistisch, dass die Mitglieder unserem Weg zustimmen werden. Schließlich haben sich alle Gremien im Vorfeld auf diese Lösung geeinigt. Es wird keinen Gau geben", glaubt Schiphorst.

Der Medienmanager ist sich sicher, dass auf traditionelle Weise mit TV-Einnahmen, Tickets und Merchandising das notwendige Kapital für einen Verein, der in die europäische Spitze will, nicht mehr aufzutreiben ist. Sollten die Herthaner in Zukunft größere Beträge zum Kauf neuer Spieler benötigen - und diese Forderung besteht in der Berliner Öffentlichkeit angesichts der anhaltenden Verletzungsmisere schon heute -, könnten über die neue Kapitalgesellschaft Aktienpakete an Interessenten verkauft werden. Im Gegensatz zu Borussia Dortmund, das dieselbe Gesellschaftsform wählte, und über 30 weiteren Topvereinen in Europa, planen die Hertha-Bosse vorerst jedoch keinen Gang an die Börse. "Die Stärkung der wirtschaftlichen Basis und eine schnellere Handlungsfähigkeit", nennt Aufsichtsratschef Rupert Scholz als Gründe für die Neuorientierung.



Grundlage für weiteren Erfolg

Den Spagat zwischen dem Traditions-Verein und der Kommanditgesellschaft als Tochter-Unternehmen sehen die Verantwortlichen als wichtige Grundlage weiterer wirtschaftlicher Erfolge an. Hertha wird daher eine GmbH gründen, die die Geschäftsführung der KGaA übernimmt und zu 100 % dem Verein gehört. Darin sieht Schiphorst den entscheidenden Vorteil der Kommandit- gegenüber der Aktiengesellschaft.

"Das Vereinsgefüge Hertha wird keinen Schaden nehmen, sondern nur profitieren. Deshalb wird das Modell durch Kooperationsverträge zwischen der Gesellschaft und weiteren Abteilungen des Vereins, so den Boxern oder Tischtennisspielern ergänzt", berichtet der Präsident: "Wir sind uns sicher: Mit der neuen Struktur wird das Tor zu einer weiter hervorragenden Zukunft aufgestoßen." Als künftige Geschäftsführer KGaA gelten Manager Dieter Hoeneß und Hertha - Geschäftsführer Ingo Schiller als heißeste Kandidaten.

Als "Zuckerl" und Abstimmungs-Hilfe wird den Mitgliedern am Sonntag im Berliner ICC der erste Geschäftsbericht des Vereins vorgelegt. Der Gewinn vor Steuern hat sich in der abgelaufenen Saison mit 12,14 Mill. DM vervierfacht. Soll die Gewinnbilanz weiter verbessert werden, muss in diesem Jahr aber unbedingt wieder die Teilnahme an der Champions League erreicht werden. Die hatte im Spieljahr 99/00 immerhin 40 Mill. DM in die Kassen gespült.

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