Gewinnaussichten bekräftigt
MLP wächst kräftig weiter

Trotz Konjunktur-Krise ist der Finanzdienstleister Marschollek, Lautenschläger und Partner (MLP) weiterhin auf Wachstumskurs. Das Vorsteuer-Ergebnis stieg um 32 Prozent, die Erlöse um 21 Prozent. Doch das reicht den Börsianern offenbar nicht. Die Aktie verliert wieder.

Reuters HEIDELBERG. MLP hält nach dem ersten Quartal an seinen Gewinnprognosen für 2002 fest. Das Ergebnis vor Steuern sei in den ersten drei Monaten 2002 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 32 % auf 24,5 Mill. Euro gestiegen, teilte der Versicherungs- und Finanzmakler am Dienstag in Heidelberg mit. Im Gesamtjahr solle der Gewinn vor Steuern wie in den vergangenen Jahren um 30 % zulegen. Von den Turbulenzen um die Bilanzierung des Unternehmens, die die Aktie an zwei Tagen jeweils 20 % ihres Wertes gekostet hatten, werde das Neugeschäft kaum beeinträchtigt, sagte eine Sprecherin. In dem für gewöhnlich schwächsten ersten Quartal blieb das Wachstum der Gesamterlöse von MLP mit 21 % auf 242,7 (201,1) Mill. Euro hinter den Erwartungen der Analysten zurück.

Während MLP beim Ergebnis genau die Analystenprognosen traf, hatten die von Reuters befragten Experten bei den Gesamterlösen mit einem größeren Zuwachs auf 261 Mill. Euro gerechnet. Der Grund für diese Abweichung liege in dem in Rückdeckung gegebenen Geschäft mit fondsgebundenen Lebensversicherungen, dessen Ertrag im ersten Quartal um 5 % auf 42,6 Mill. Euro zurück ging, sagte eine Sprecherin. Die Rückversicherung der zuletzt abgeschlossenen Lebensversicherungsverträge, mit deren Hilfe MLP die Abschlussprovisionen zahlt, erfolge in der Regel mit einer zeitlichen Verzögerung.

Aussagekräftiger sei das Neugeschäft, das im ersten Quartal 2002 um 26 % auf 72,5 Mill. Euro gestiegen sei, sagte die Sprecherin weiter. Die laufenden Versicherungsbeiträge wuchsen um 30 % auf 119 Mill. Euro. Das Geschäft mit der Altersvorsorge sei bis Mai gut angelaufen. Die Beiträge für fondsgebundene Lebens-Policen seien um 25 % gestiegen. In dieser Sparte sei 2002 - nicht nur mit Riester-Produkten - ein deutliches Wachstum zu erwarten, erklärte Vorstandschef Bernhard Termühlen. Für das laufende Jahr erwartet MLP weiter ein Ergebnis von 195 Mill. Euro vor Steuern, womit der Finanzkonzern sein Wachstum im bisherigen Tempo fortsetzen würde. Seit Jahresbeginn habe MLP 24 000 neue Kunden gewonnen, bis Ende des Jahres sollen fast 75 000 weitere hinzu kommen. Damit würde sich die Zahl der Kunden, die MLP überwiegend aus Hochschulabsolventen rekrutiert, bei 550 000 liegen. In den ersten drei Monaten seien 23 Filialen eröffnet werden, bis Dezember solle ihre Zahl noch einmal um mehr als 50 auf über 400 steigen.

Termühlen wies noch einmal die Vorwürfe des Anlegermagazins "Börse Online" zurück, MLP überzeichne sein Gewinnwachstum und baue Schulden außerhalb der Bilanz auf. Die Praxis sei rechtlich einwandfrei und übliche Praxis. Um dies zu untermauern, sollen auf der Hauptversammlung am kommenden Dienstag in Mannheim zwei Vertreter der großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften KPMG und Deloitte & Touche auftreten und vor den Aktionären die Korrektheit der Bilanzierung bestätigen. Bilanzprüfer von MLP ist die relativ kleine Düsseldorfer Prüfungsgesellschaft Rölfs WP Partner. Eine von Kleinaktionären geforderte Sonderprüfung hatte Termühlen abgelehnt.

Die MLP-Aktie war in der vergangenen Woche nach dem Bericht über angebliche Bilanztricks stark unter Druck geraten. Sie verlor an zwei Tagen in Folge je 20 Prozent und erlitt damit den größten prozentualen Verlust, den eine im Dax notierte Aktie in so kurzer Zeit erlebt hatte. Nach einer technischen Erholung um gut 15 % im Handel am Pfingstmontag setzte sich die Talfahrt am Dienstag mit einem Abschlag von gut sechs Prozent auf 44 Euro zunächst fort. Im Handelsverlauf erholte sich die Aktie wieder etwas.

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