Gewinne des Werbekonzerns stagnieren trotz deutlicher Honorar-Steigerungen
Neukunden belasten BBDO-Ergebnis

Die größte deutsche Werbeagenturgruppe BBDO zieht für 2001 eine widersprüchliche Bilanz: Die Honorareinnahmen und betreuten Werbeetats steigen kräftig, doch die Gewinne stagnieren.

HB DÜSSELDORF. Bei der BBDO Group Germany, Deutschlands größtem Werbekonzern, stagnieren die Gewinne. Das Düsseldorfer Unternehmen erwartet dennoch ein Wachstum bei den Honoraren und Provisionen ("Gross Income") von gut 10 % auf mehr als 300 Mill. Euro. "Wir sehen das Jahr 2001 mit einem lachenden und einem weinenden Auge", sagte Vorstandsvorsitzender Rainer Zimmermann dem Handelsblatt.

Zum ersten Mal überschreitet BBDO die 2-Mrd.-Euro-Grenze bei den betreuten Werbevolumen ("Equivalent Billings"). Letztes Jahr waren es noch 1,8 Mrd. Euro. Wie Reiner Zimmermann, seit Januar 2000 Chef der BBDO Group Germany GmbH, betont, sei das Wachstum ohne Zukäufe geschafft worden. Die von ihm gestarteten Restrukturierungen hätten sich ausgezahlt. Der Agenturgruppe sei es gelungen, große Unternehmen wie die sauerländische Brauerei Warsteiner oder den Düsseldorfer Mobilfunkanbieter E-Plus als Kunden zu gewinnen. "Aber in neue Kundenbeziehungen müssen wir anfangs einmal investieren. Erst in ein oder zwei Jahren werden sich die Investitionen dann auch auszahlen", sagte der 45-Jährige zur Erklärung des stagnierenden Gewinns. Druck von der Muttergesellschaft Omnicom erwartet BBDO nicht. "Wir haben der Omnicom schon viel Freude bereitet", merkt der studierte Publizist an.

Das Jahr 2001 ist für die Werbebranche alles andere als ein Jubeljahr. "Es ist ein ungeheurer Preisdruck im Markt. Viele Agenturen - vor allem der mittleren Größe - kämpfen ums Überleben. Aus Verzweiflung werden dann Dumpingangebote gemacht." Dem kann sich auch der Marktführer, der Unternehmen wie Deutsche Post , Allianz, Aral, Siemens oder Henkel betreut, nicht entziehen. "Bei den Neukunden hat es Preiszugeständnisse gegeben", bekennt Zimmermann. "Der härter gewordene Wettbewerb und der Preisdruck setzt die Gewinne natürlich unter Druck."

Die BBDO Group Germany GmbH hat derzeit rund 4000 Mitarbeiter einschließlich der Minderheitsbeteiligungen. "Der Zahl der Mitarbeiter wird ungefähr gleich bleiben", kündigt Zimmermann an. Wie andere Agenturen auch hält sich BBDO mit genauen Prognosen zurück. Doch der Optimismus bei der zur US-Werbeholding Omnicom gehörende Agenturgruppe, die an der New Yorker Börse notiert ist, überwiegt. "Die Zeichen mehren sich, dass eine konjunkturelle Erholung im zweiten Halbjahr nächsten Jahres einsetzt", glaubt Zimmermann. "Ich hoffe, der Gesamtmarkt für Beratung und Dienstleistung in Kommunikation und Marketing in Deutschland wächst um 5 %." Der Markt für Werbung, PR, Sponsoring, Beratung, Messe und Multimedia umfasst 75 Mrd. Euro im Jahr.

Freude macht der BBDO die Beratungstochter. Mit den Schwerpunkten auf das Management von Marken und Kundenbeziehungen erzielte BBDO Consulting ein Wachstum von über 70 %. Das Honorar wuchs von 7 Mill. Euro (2000) auf 11 Mill. Euro. "Customer-Relationship-Management ist ein riesiger Markt, den wir künftig stärker entwickeln wollen", so Zimmermann.

BBDO geht davon aus, dass sich der Werbemarkt nur langsam erholen wird. Wachstumsimpulse erwartet sie für den Werbemarkt vor allem von der Telekommunikationsbranche und den Finanzdienstleistern. Zuletzt hatte der Zentralverband der Deutschen Werbewirtschaft (ZAW), ein Wachstum von "1 % plus x" vorhergesagt.

Die BBDO ist die Nummer Eins unter den Agenturen. Danach folgt die Düsseldorfer Grey-Gruppe mit einem betreuten Werbevolumen von 910 Mill. Euro. Knapp dahinter die Publicis-Gruppe mit zuletzt 887 Mill. Euro.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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