Gewinneinbruch bei Société Générale geringer als erwartet – Gesundes Privatkundengeschäft als Stütze
Frankreichs Banken trotzen der Krise

Stärker als die Banken der anderen Ländern haben sich Frankreichs Großbanken auf das Privatkundengeschäft konzentriert. Das sichert ihnen in der Kapitalmarktkrise eine gewisse Stabilität. Trotzdem haben hohe Kreditrisiken den Gewinn der Société Générale, die jetzt vor BNP und Crédt Lynnais ihre Zahlen präsentierte, stark belastet.

abo/HB PARIS. Der Gewinn des zweitgrößten börsennotierten französischen Bankhauses Société Generale (SG) ist im vergangenen Jahr um ein Fünftel auf 2,154 Mrd. Euro eingebrochen. Vorstandschef Daniel Bouton zeigte sich jedoch angesichts der auch von Analysten erwarteten Ertragszahlen gelassen. "In einem schwierigen Umfeld zeigen die Ergebnisse die Solidität unserer Gruppe", sagte er. Für das laufende Jahr gibt Bouton ein Ertragsziel von gut 2,6 Mrd. Euro vor. Das ist deutlich mehr, als die SG im Jahr 2001 schaffte, wie ein Analyst am Rande der Ergebnispräsentation sagte.

Abgefedert wurde der Gewinneinbruch der französischen Großbank vor allem durch das solide Privatkundengeschäft. Dort verzeichnet die Bank auf Grund einer wachsenden Kreditnachfrage ein Plus von 12 % auf 1,13 Mrd. Euro. Die gestiegene Risikovorsorge für gefährdete Kredite und Verluste im Investment-Banking (Minus 88 % gegenüber Vorjahr) konnte das Plus im Filialgeschäft aber nicht ausgleichen. Analysten sehen das Ergebnis der SG vorsichtig optimistisch. "Insgesamt recht ermutigend", fasst eine Studie der Credit Suisse First Boston die Bilanz zusammen. "In einem paneuropäischen Kontext steht die Société Générale gar nicht schlecht da, aber sie hat sich auch nicht gerade mit Ruhm bekleckert", sagt ein Analyst von ABN Amro.

Die Einnahmen aus dem reinen Bankgeschäft stiegen den Angaben zufolge um ein Prozent, während Analysten mit einem leichten Rückgang gerechnet hatten. Insgesamt stieg die Risikovorsorge im vierten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 78 %. Im Geschäftsjahr 2001 wuchs sie um 42 % auf 1,067 Mrd. Euro. So hat Bouton ein Drittel des gesamten Geschäftsvolumens in Argentinien vorsorglich abgeschrieben, das er auf 350 Mill. Euro bezifferte. Die entsprechende Summe für Enron beläuft sich auf unter 100 Mill. Euro, die Hälfte des Gesamtengagements. "Für das Gesamtjahr bleiben die Risikokosten dank Diversifizierung der insgesamt guten Qualität unserer Engagements unter Kontrolle", sagte Bouton.

Höhere Rückstellungen für Kreditausfälle dürften auch die Ergebnisse der übrigen französischen Banken belasten. Am 28. Februar legt Credit Lyonnais ihre Zahlen vor. Analysten rechnen hier mit einem Rückgang des Nettogewinns auf 903 Millionen von 960 Mill. Euro. Am 1. März kommt dann die BNP Paribas, deren Gewinn voraussichtlich von 4,12 Mrd. Euro auf 3,95 Mrd fallen wird. Crédit Lyonnais ließ schon Belastungen in Höhe von 250 Mill. Euro durch den Enron-Konkurs erkennen. BNP Paribas, die traditionell ein bevorzugter Finanzier des Energietrading sind, hat sich noch nicht geäußert.

Zusätzliche Belastungen für die französischen Großbanken resultieren Experten zufolge aus den kränkelnden Telekomkonzernen und den mit Schwierigkeiten kämpfenden Fluggesellschaften. Das Engagement von Credit Lyonnais bei Fluggesellschaften summiert sich auf 1,35 Mrd USD. Für SG werden die Kosten auf 100 Mill. Euro geschätzt.

Unwägbarkeiten belasten auch die Entwicklung des Investmentbankgeschäfts, das bei den französischen Großbanken traditionell weniger Gewicht hat als beispielsweise das Privatkundengeschäft. Es machte bei der SG 2001 mit einem fast halbierten Spartenergebnis von 654 Mill. Euro nur noch knapp ein Drittel des Konzernjahresüberschusses aus. Rationalisierungen samt Personalabbau in London und die Konzentration auf die starken Geschäftsfelder der Gruppe sollen die Lage bessern.

Standbein vor allem bei der SG ist das Privatkundengeschäft, das mit 1,1 Mrd. Euro (+12%) gut die Hälfte des Konzerngewinns stellt, aber im laufenden Jahr unter der abflauenden Konjunktur in Frankreich leiden könnte. Mit dem Zukauf der tschechischen Komercni Banka wollen sich die Franzosen ein Standbein in Reformländern sichern. Zu der Sparte zählen auch die jüngst erworbenen Leasingfirmen Gefa und ALD, auf die Bouton große Hoffnungen setzt.

Ungewiss ist dagegen der Ausbau des Online-Banking. "Unsere Tochter Fimatex kann als Marktführer in Frankeich entweder allein bleiben, oder bei der Konsolidierung der Branche eine Rolle spielen", sagte Bouton. Er bestätigte, dass man ein Angebot für Consors abgegeben habe, nannte aber keine Details.

Der Aktienkurs der SG stieg am Donnerstagnachmittag im Pariser Handel um über 3 %. Damit gehörte die französische Bank in einem festeren Marktumfeld zu den Gewinnern unter den europäischen Bankenwerten.

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