Gewinner des Irak-Krieges
Rumsfeld stark wie kaum ein Pentagon-Chef zuvor

Auch wenn US-Präsident George W. Bush immer noch nicht offiziell das Kriegsende im Irak und den Sieg erklären mag, steht ein großer Gewinner doch schon fest. Pentagon-Chef Donald Rumsfeld, den einst viele schon auf der Abschussliste sahen, ist durch die militärischen Erfolge im Irak und in Afghanistan nach übereinstimmendem Urteil von Polit-Analytikern zum stärksten und einflussreichsten Kabinettsmitglied aufgerückt.

HB/dpa WASHINGTON. Wenn Rumsfeld auch öffentliche Triumph-Bezeugungen vermeidet, steht ihm doch tiefe Genugtuung ins Gesicht geschrieben - so am Mittwoch in Bagdad, das er als erstes US-Regierungsmitglied besuchte. Dort sprach Rumsfeld vom "schnellsten Vormarsch auf eine Hauptstadt in der modernen Militärgeschichte". Zwar hat Rumsfeld noch nie unter unterentwickeltem Selbstbewusstsein gelitten. Experten glauben aber, dass er angesichts seiner jetzigen "Gipfelposition" seine Pläne für einen Umbau des US-Militärs noch rigoroser durchsetzen wird.

Und das mit gutem Grund. Schließlich - das räumen auch noch verbliebene Rumsfeld-Kritiker ein - hat sich sein auf kleinere, hochbewegliche Einheiten und hochmoderne Technologien abzielendes Reformkonzept im Irak-Krieg offensichtlich bewährt.

Seit George Marshall nach dem Zweiten Weltkrieg habe es keinen derart mächtigen US-Verteidigungsminister mehr gegeben, zitiert die "New York Times" einen Experten. Die "Washington Post" bescheinigt Rumsfeld eine "herausragende" Statur, und auch der Nachrichtensender CNN widmete dem Minister nach dessen jüngstem Bagdad-Besuch eine Laudatio in Bild und Wort nach dem Motto: Rumsfeld auf dem Höhepunkt.

Spürbar ist auch der Sinneswandel im Kongress, der den Pentagon- Chef wegen dessen berüchtigter Selbstherrlichkeit und mangelnder Auskunftsfreude weitgehend lieber gehen als kommen sah. Als Rumsfeld kürzlich an der Seite von Generalstabschef Richard Myers über die Fortschritte im Irak informierte, spendeten ihm Senatoren und Abgeordnete stehend minutenlangen tosenden Applaus.

Von Bush, den Rumsfeld vor dem Amtsantritt 2000 kaum kannte, heißt es, der Pentagon-Chef sei nunmehr zu seinem "Liebling" und wahrscheinlich wichtigsten Ratgeber avanciert. Tatsächlich meinen Beobachter, dass in Bushs Äußerungen immer häufiger Formulierungen aus dem Munde oder der Feder des Pentagon-Chefs auftauchen.

"Irak war Rumsfelds Krieg", sagt James Schlesinger, Verteidigungsminister unter den Präsidenten Richard Nixon und Gerald Ford. "Er hat ihn nach seinen Vorstellungen, seinen Bedingungen geführt." Was anfangs ganz und gar nicht allen schmeckte: Als zu Beginn des Krieges Guerilla-Angriffe im Süden des Iraks die Alliierten behinderten und das Regime von Saddam Hussein entgegen weit verbreiteten Erwartungen nicht gleich in den ersten Tagen zusammenbrach, geriet vor allem Rumsfeld ins Kreuzfeuer. Er habe in gewohnter Arroganz Ratschläge ignoriert, zu stark auf Spezialeinheiten gesetzt und zu wenige Truppen und schwere Panzer in den Irak geschickt.

Diese Kritik kam vor allem aus Offizierskreisen des Heeres. Sie haben sich mit Rumsfeld seit Beginn von dessen Amtszeit in den Haaren gelegen und beklagt, dass er sie bei seinen Reformvorhaben übergehe, sie grob und voller Misstrauen behandele. Rumsfeld und seine Gefolgsleute glauben, dass diese Offiziere ganz einfach keinen Wandel wollen, weil sie Machtverlust fürchten. Tatsächlich bedeutet die vom Minister angestrebte Verlagerung auf kleinere und mobilere Einheiten mit hochmoderner Ausrüstung zwangsläufig eine Verringerung des Heeresumfangs und den Verzicht auf bestimmte Rüstungsprojekte für diese Teilstreitkraft.

Der Verlauf des Krieges im Irak hat Rumsfeld nun noch mehr Rückenwind bei der Durchsetzung seiner Pläne gegeben. Vor diesem Hintergrund könnte das Erreichen des politischen Gipfels für den Minister zu keinem günstigeren Zeitpunkt kommen. "Er hat nun freie Bahn", kommentiert ein Ex-General, der zugleich feststellt, dass der Erfolg Rumsfeld keineswegs großmütiger gemacht habe. "Er fährt Leute weiter an und tritt ihnen in den Hintern."

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