Gewinnerwartung gesenkt
Boss mit massiven Problemen in den USA

Der Modekonzern Hugo Boss wird wegen bisher unerklärlicher Inventurdifferenzen in den USA und verschärften Absatz-Schwierigkeiten der defizitären Damen-Sparte im laufenden Jahr nach eigener Einschätzung weniger verdienen.

Reuters METZINGEN. Einen Tag vor dem Abschied des Vorstandsvorsitzenden Werner Baldessarini schraubte das Unternehmen aus dem württembergischen Metzingen seine Gewinn- und Umsatzerwartungen für 2002 zurück. Das Ergebnis nach Steuern werde mit 95 (Vorjahr: 107) Millionen Euro um elf Prozent geringer ausfallen als gedacht, teilte Boss am Montag mit. Auch der Umsatz werde nicht wie erwartet um fünf Prozent auf 1,15 Milliarden Euro steigen, sagte ein Sprecher. Zu einem Umsatzrückgang werde es aber nicht kommen.

Zuletzt hatte Hugo Boss den Chef und den Finanzchef seiner Tochter in den USA beurlaubt. Die schon am Freitag unter Druck geratene und im MDax notierte Vorzugsaktie gab erneut deutlich nach. Noch vor vier Wochen hatte Boss trotz eines Einbruchs in den USA seine Prognose bekräftigt, wonach der Gewinn 2002 das Niveau des Vorjahres zumindest wieder erreichen werde. Der seit vier Jahren amtierende 57 Jahre alte Vorstandschef Baldessarini macht im Anschluss an die Hauptversammlung in Stuttgart am Dienstag Platz für seinen bisherigen Stellvertreter Bruno Sälzer (44).

Massive Strukturprobleme

Schwierigkeiten tauchten bei dem Herrenausstatter vor allem in den USA auf. Dort hätten sich bei einer Inventur Differenzen im Bestand von zehn Millionen Euro ergeben, sagte der Sprecher. Der Grund dafür werde derzeit untersucht. Dies schlage sich mit sechs Millionen Euro im Ergebnis nieder. Weitere zwei Millionen Euro weniger erwartet Boss nach Ende der Frühjahr/Sommer-Saison aus dem operativen Geschäft in den USA, das im ersten Quartal um 19 Prozent eingebrochen war. Außerhalb der USA würden Gewinn und Umsatz 2002 steigen, hieß es.

Am Freitag hatte Boss eingeräumt, Marty Staff und Vincent Ottomanelli, die Führungsspitze der US-Tochter, schon vor zwei Wochen beurlaubt zu haben. Das Geschäft dort werde derzeit vom Vertriebschef Toni Lucia geleitet. Analysten der Investmentbank HSBC Trinkaus stuften die Aktie am Montag auf "Reduzieren" von "Hinzufügen" herunter und senkten ihr Kursziel auf 20 Euro. Boss habe in den USA massive strukturelle Probleme, die zu der Trennung vom Management geführt hätten, hieß es.

Damenmode teilweise unverkäuflich

Auch beim Umbau seiner Damenmode-Sparte "Boss Woman" kommt Boss nicht so schnell voran wie gedacht. Der Verlust werde dort mit 17 Millionen Euro um vier Millionen Euro höher ausfallen als kalkuliert, nachdem die Damenkleidung im Handel an den Ständern hängen blieb. Retouren unverkäuflicher Stücke führten zu hohen Abschreibungen. Im Jahr 2001 hatte Boss Woman bei 45 Millionen Euro Umsatz 23 Millionen Euro Verlust verbucht. Auch 2002 sei kein Umsatzzuwachs zu erwarten, teilte Boss mit. Von 2003 an will der Konzern mit einer "jüngeren" Kollektion und niedrigeren Preisen einen zweiten Anlauf nehmen und im zweiten Halbjahr 2003 schwarze Zahlen schreiben.

HSBC: Reduzieren!

Die Investmentbank HSBC Trinkaus stufte die Aktie auf von "Hinzufügen" "Reduzieren" herunter und senkte ihr Kursziel auf 20 von 29 Euro. Boss habe in den USA in jedem Fall massive strukturelle Probleme, erklärten die Fachleute.

Peter Thilo Hasler von der HypoVereinsbank behielt dagegen seine Bewertung als "Outperformer" bei. "Boss ist nach wie vor einer der gewinnträchtigsten Hersteller von Luxusgütern, jedoch der am niedrigsten bewertete", sagte er. Die Differenzen in den US-Lägern sorgten aber für Verunsicherung. Es müsse Hinweise auf Unstimmigkeiten gegeben haben. "Normalerweise sieht man so etwas am Jahresende", sagte er. Die schnelle Reaktion sei aber positiv zu werten. Eine Telefonkonferenz mit Analysten sagte Boss kurzfristig ab.

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