Gewinnexplosion bei Allianz und Henkel zu erwarten – Cash-Flow bleibt unberührt
Neue Bilanzregeln polieren Ergebnisse auf

Die neue IAS-Regel zur Goodwill-Bilanzierung wird in vielen Unternehmensbilanzen zu einem höheren Gewinnausweis führen. Experten fürchten um die Transparenz der Abschlüsse.

DÜSSELDORF. Ab 2003 darf in IAS- Jahresabschlüssen der Goodwill nicht mehr planmäßig abgeschrieben werden. Damit folgt das Standard setzende Gremium IASB den bereits im US-Bilanzrecht geltenden Bestimmungen. Profitieren werden davon Unternehmen mit hohen Goodwill-Positionen in der Bilanz wie zum Beispiel Allianz oder Henkel. Ein Goodwill entsteht immer dann, wenn der Kaufpreis einer Beteiligung über ihrem Substanzwert liegt. Da Goodwill-Abschreibungen als Aufwand in die Gewinn- und Verlustrechnung eingehen, belasten sie das Ergebnis. Umgekehrt führt der Wegfall zu einem Gewinnanstieg.

Vor allem börsennotierte Gesellschaften, die auf Einkaufstour gehen, bekamen bislang den Negativeffekt zu spüren. So drücken im 2001er-Jahresabschluss der Allianz Abschreibungen auf Firmenwerte in Höhe von 808 Mill. Euro auf die Ertragsrechnung, bei Henkel sind es 434 Mill. Gemäß der neuen Regelung würde ein Wegfall dieser Positionen den Jahresüberschuss des Münchener Versicherungsriesen um 50 % auf 2,4 statt 1,6 Mrd. Euro steigen lassen. In der Ertragsrechnung des Düsseldorfer Chemiekonzerns würde dieser Wert sogar um 80 % auf 975 (vorher 541) Mill. Euro explodieren. Nicht immer kommt es zu solch exorbitanten Steigerungen. Bei Schering klettert der Überschuss für 2001 ohne Goodwill um vergleichsweise moderate 9 % auf 468 (428) Mill. Euro. Trotz dieses buchhalterischen Segens für die Unternehmen zeigen sich Bilanzexperten überwiegend skeptisch. Betriebswirtschaftsprofessor Bernhard Pellens von der Uni Bochum weist darauf hin, das der an Stelle der Abschreibung geforderte Imparementtest "sehr aufwendig ist und für bilanzpolitische Zwecke genutzt werden kann". Karlheinz Küting, Direktor des Instituts für Wirtschaftsprüfung an der Universität des Saarlandes, ist strikt gegen eine Übernahme der neuen US-Regelung. Die Konzeption gehe von der zweifelhaften Annahme aus, dass der Goodwill kein abnutzbarer Vermögenswert sei. "Dies wirft Fragen der Umsetzung auf, erschwert die Bilanzierung, die Bilanzanalyse und die Vergleichbarkeit von Jahresabschlüssen", moniert Küting.

Konzerne, die ihre Jahresabschlüsse noch nach dem guten alten Handelsgesetzbuch (HGB) erstellen und spätestens ab 2005 auf IAS umschalten müssen, bekommen allerdings nicht nur, wie beim Goodwill, den "Segen", sondern auch den "Fluch" der IAS zu spüren. Denn das HGB bietet eine Reihe von Möglichkeiten, die Bilanz zu schönen. So darf der Buchhalter Aufwendungen für die Ingangsetzung des Geschäftsbetriebs als Vermögensgegenstände in der Bilanz aktivieren, statt sie Gewinn mindernd zu buchen. Bei Anwendung der IAS ist dies nicht mehr erlaubt, so dass viele Betriebe nach ihrer Gründung zunächst einmal über eine längere Zeit rote Zahlen produzieren dürften.

Bei anderen Kostenarten, wie zum Beispiel Entwicklungskosten, kann sich die Umstellung auf IAS dagegen wiederum positiv auswirken. Denn während HGB und US-GAAP eine Aktivierung von Kosten für Forschung und Entwicklung verbieten, ist nach IAS die Hineinnahme von Entwicklungskosten als Aktivposten in das Anlagevermögen - wenn strenge Kriterien erfüllt werden - erlaubt.

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